Spätes Fazit des Berliner Mega-Events der IBM im Frühsommer

40 Tage Think-Desaster

Lange lag ein wohltuender Mantel des Schweigens über dem zähen Mega-Event „Think at IBM“, das im Frühsommer sechs Wochen lang im Bikini Berlin stattfand. Jetzt hat die mit der Planung und Umsetzung beauftragte Agentur GPJ plötzlich das Schweigen gebrochen – und zwei Monate nach der Veranstaltung ein erstes Fazit gezogen: Insgesamt hätten sich 4.300 Besucher registriert, manch eine Veranstaltung hätte „bis zu 300 Teilnehmer“ gehabt.

  • Leere Stühle – ein Charakteristikum der „Think at IBM“.

  • Fachleute unter sich auf der „Think at IBM“, die im Frühsommer sechs Wochen lang im Bikini Berlin stattfand.

  • Einsame Experten warteten anläßlich der „Think at IBM“ auf Fachgespräche mit Kunden und Interessenten.

Es darf gerätselt werden, warum es ewige zwei Monate gedauert hat, bis dieses Fazit publik wurde. Konnten es sich die Kreativen bei GPJ nicht schneller aus den Rippen schnitzen? Musste die Presseinformation erst einmal von IBM freigegeben werden? Jetzt heißt es jedenfalls: „Pop-up Experience machte Digitalisierung erlebbar: IBM präsentierte sich im Sommer mit der Pop-up Experience ‚Think at IBM' im Bikini Berlin“.

Marathon-Event

Allerdings: Über die Marathon-Distanz von 40 Tagen, vom 20. Mai bis zum 29. Juni, lockte das Projekt in einer Shopping-Mall mit rund 80 Veranstaltungen nicht einmal 4.300 registrierte Besucher an – also gut 100 pro Tag. Offenbar ein enormer Erfolg für die mit Planung und Umsetzung beauftragte deutsche Niederlassung von George P. Johnson, nach eigener Einschätzung „weltweit eine der führenden Agenturen für Live- und Experience-Marketing“. Ob die schweigende IBM und die ebenso schweigenden Partner der „Think at IBM das genauso sehen, bleibt abzuwarten.

Stefan Körblein, Mitglied der Geschäftsleitung bei GPJ, bestätigte indirekt durch sein Statement auch die Gerüchte, dass diese Berliner Marathon-Veranstaltung eine direkte Folge davon war, dass die Cebit 2019 plötzlich abgesagt worden war. GPJ hatte ja den Cebit-Messeauftritt der IBM seit dem Jahr 2000 gestaltet, auch den letzten sehr prominenten Auftritt“ im Jahr 2018, „mit Pavillons, dem IBM Cloud Lifter in 70 Metern Höhe und weiteren Playgrounds und Interaktionen wie z.B. einem Bike Parcours“.

Cebit-Aus als Startschuss

Körblein formuliert es in der Presseinformation so: „Nach dem Ende der Cebit als traditioneller Meeting- und Präsentationsplattform für IBM entstand sofort der Wunsch nach der Entwicklung neuer Wege, die die Lösungen von IBM und ihre Auswirkungen auf unseren beruflichen und privaten Alltag adäquat darstellen können. Relativ schnell kristallisierte sich der Gedanke heraus, dafür einen B2B Pop-up Store in Berlin zu etablieren.“

Erklärtes Ziel war es, „die Markenrelevanz für das B2B-Kernpublikum von IBM zu erhöhen und die Marke IBM der Öffentlichkeit nachhaltig zu präsentieren“ – inklusive einer „emotionalen Aufladung des Markenkerns“ mit den Werten Innovation, Agilität und kontinuierlicher Transformation. Eine öffentliche Wirkung dieser Mammutveranstaltung in Presse, Fernsehen, Radio oder in den sozialen Medien gab es nicht, wie GPJ ungewollt selbstironisch konstatiert: „‘Think at IBM‘ fand also ein gebührendes Medienecho – lokal, regional und international.“

Viel Budget, wenig Awareness

Hätte IBM das viele Millionen starke Budget besser in nachweislich erfolgreiche Marketing- und Werbemaßnahmen investiert? Über entsprechende Auftritte in den einschlägigen Fachmedien – sei es online, sei es print – wäre die „Awareness“ mit Sicherheit nachhaltiger gestärkt und die Markenrelevanz für das B2B-Kernpublikum wirklich erhöht worden. Das zeigt auch ein Blick auf die Fachpresse-Statistik 2018, in der die stabile und zukunftsorientierte Position der deutschen Fachmedienbranche deutlich wird. In Berlin gab es leider nur eine einmalige Pop-up-Experience für das Budget – und über die nachhaltige, reichweitenstarke Wirkung mag man diskutieren.

Während bei IBM noch nicht feststeht, wie im nächsten Jahr die Think-Events organisiert werden, gibt es die Think Frankfurt – noch in diesem Jahr als nächstes Event der Reihe – wieder im klassischen Format. Offenbar wird bei IBM auch das Resümee überdacht, dass in einer nicht weiter verbreiteten Pressemitteilung vom 4. Juli gezogen worden war: „Die Think at IBM war ein voller Erfolg und hat gezeigt, dass neue Ökosysteme und Kundenbedürfnisse auch eine neue Form der Interaktion erfordern, die spezifische Angebote und mehr kollaborative Ansätze bieten muss. Das positive Feedback auf diese erste Pop-up-Experience im B2B-Umfeld hat uns gezeigt, dass sie nicht nur eine Plattform für unsere Kunden war, sondern das Thema Digitalisierung auch für eine breite Öffentlichkeit transparent und erlebbar gemacht hat.“ 

Bildquelle: Medienhaus Verlag

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok