Hohe Erwartungen an 5G

5G: Klimasünder oder -schützer?

Im Kommentar erläutert Marcus Giehrl, Practice Director Innovations and Smart Technologies bei NTT Ltd., wie es um die Umweltbilanz von 5G bestellt ist und welche Parameter für den Einsatz wichtig sind.

  • Tachometer

    „Nach Berechnungen des Fraunhofer IPT würde der 5G-Einsatz in der Produktion pro Jahr 360 Mio. Euro und 360 Tonnen CO2 einsparen.“ ((Bildquelle: Thinkstock / iStock))

  • Marcus Giehrl, NTT ltd.

    Marcus Giehrl ist Physiker mit langjähriger Technologieexpertise im IKT-Sektor. ((Bildquelle: NTT Ltd.))

Als Schlüsseltechnologie bei der Digitalisierung sind an den Mobilfunkstandard 5G hohe Erwartungen geknüpft. Vielfach wird er jedoch auch als Klimasünder bezeichnet, denn die Installation und der Betrieb von 5G-Infrastrukturen erfordern Ressourcen und Energie. Ein vorschnelles Urteil zu fällen, wäre allerdings falsch: Auch wenn eine 5G-Basisstation mehr Strom verbraucht als eine 4G-Station, so können eben auch deutlich mehr Daten mit ihr übertragen werden. Nach Untersuchungen von Nokia sind 5G-Netze daher um bis zu 90 Prozent energieeffizienter als 4G-Netze.
Im Unternehmensumfeld muss sich 5G allerdings mit Wlan messen. Durch die größeren Funkzellen hat Private 5G in weitläufigen Außenbereichen die Nase vorn. Es braucht weniger Basisstationen und verringert damit die Kosten und den Bauaufwand. Wie immer entscheidet daher der konkrete Anwendungsfall über den Technologieeinsatz. Werden hohe Bandbreiten, ultraniedrige Latenzen oder ein nahtloses Roaming zwischen den Funkzellen benötigt, spricht das klar für Private 5G und damit auch für ein Plus an Nachhaltigkeit.

Das Zusammenspiel ist entscheidend

Viele nachhaltige Anwendungsfälle sind auf die Fähigkeiten von 5G angewiesen – so etwa eine smarte Verkehrssteuerung. Ebenso wie intelligente Systeme in der Logistik oder der Fertigung kann sie unnötige Emissionen und Kosten einsparen. Dabei spielt es nachhaltigen Projekten in die Karten, dass eine nachhaltige Lösung in vielen Fällen auch die wirtschaftlichere ist.
Der Hafen von Livorno nutzt etwa ein 5G-Netz, um detaillierte Daten aus dem Hafenbetrieb zu erfassen und in Echtzeit auszuwerten. Durch die Prozessoptimierung können so jährlich 2,5 Mio. Euro eingespart werden. Zusätzlich sind die CO2-Emissionen um 8,2 Prozent pro Terminal gesunken. Ein weiterer Praxisfall ist die Echtzeit­überwachung und Automatisierung in der Blisks-Produktion – den Rotoren in einer Flugzeugturbine, bei denen Rotorscheibe und Schaufeln aus einem Stück bestehen. Nach Berechnungen des Fraunhofer IPT würde der 5G-Einsatz in der Produktion pro Jahr 360 Mio. Euro und 360 Tonnen CO2 einsparen. Zudem würde die bessere Produktionsqualität zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes im Betrieb von 16 Millionen Tonnen pro Jahr beitragen. Der Schlüssel für die Optimierungen ist auch hier ein 5G-Netz, das durch niedrige Latenzen eine verzögerungsfreie Analyse der Sensordaten ermöglicht.
Die Beispiele zeigen, dass 5G nicht im Alleingang für mehr Nachhaltigkeit sorgen kann. Erst im Zusammenspiel mit Sensoren, auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierten Datenauswertungen am Edge und Digitalen Zwillingen wird die Technologie zu einem positiven Umweltfaktor – dann aber zu einem ganz entscheidenden.

 

 

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