Migration auf S/4 Hana zieht Umstellungen im Lager nach sich

Ablösung alter Schnittstellen in SAP WM

Vor einer S/4-Hana-Umstellung steht die Entscheidung für die richtigen Transformationsstrategie. Die Wahl des zukünftigen Lagerverwaltungssystems spielt dabei oft eine entscheidende Rolle. Wer SAP Warehouse Management (WM) in Einsatz hat, muss sich die Frage stellen, wie seine Schnittstellen nach dem Wartungsende des Moduls WM abgebildet werden können.

  • Sebastian Keilhacker ist Managing Consultant bei der Consilio GmbH.

  • Bildquelle: Gettyimages / iStock

Die Abkündigung von SAP WM zum Ende 2027 im ECC-System erzwingt die zeitnahe Entscheidung, welches Lagerverwaltungssystem ab 2026 auf S/4 Hana im Unternehmen eingesetzt werden soll. In S/4 Hana stehen dafür zwei Optionen zur Verfügung: der Einsatz von „Stock Room Management“ (STRM) oder die Einführung des als WM-Nachfolger gedachten „Extended Warehouse Management“ (EWM). 

EWM ist Teil des Supply-Chain-Managements der SAP und im Gegensatz zu WM kein Modul, sondern ein eigenständiges System – und dabei in die Bestandsführung und Lieferabwicklung integriert. Historisch als eine dezentrale Lösung entwickelt, ist EWM in S/4 Hana als „embedded EWM“ integriert. 

Wer bis dato mit WM gut bedient ist und keine größeren Prozessveränderungen in Zukunft erwartet, entscheidet sich oft für STRM: Die Funktionalität ist fast dieselbe – und die Software kann wie gewohnt bedient werden. Klingt gut, fehlten da nicht im STRM genau die Funktionen, die für eine eigene Lagerverwaltung benötigt werden. Ein wichtiges Thema ist dabei vor allem der Lagersteuerrechner: Während die manuellen Handläger im „Stock Room Management“ vollumfänglich abgebildet werden können, stehen die heutigen Schnittstellen zum Automatiklager in S/4 Hana ab 2026 nicht mehr zur Verfügung. Wir haben daher mögliche Szenarien der Schnittstellenablösung von Automatiklagern entwickelt, die bereits im Einsatz sind oder neu angebunden werden sollen.

Für die Kommunikation zwischen dem WM-System und einem Lagerlift oder Automatiklager wird dieselbe Schnittstelle verwendet: WM-LSR. Über diese Schnittstelle wird mithilfe eines Funktionsbausteins ein intermediales Dokument – kurz IDoc – vom Typ WMTORD geschickt, das vom Lift oder Automatiklager als Kommissionierauftrag verstanden wird. 

Obwohl die Schnittstelle dieselbe ist, kann sie unterschiedlich ausgeprägt sein. Bei der Schnittstelle zum Lagerlift handelt es sich um eine einfache Schnittstelle mit einem einseitigen Kommunikationsweg. Das System versendet nur ein IDoc – den Kommissionierauftrag – und erhält keine Rückmeldung. Die Rückmeldung erfolgt in Form einer Quittierung nicht über die LSR-Schnittstelle, sondern anderweitig. 

Die LSR-Schnittstelle zu einem Automatiklager ist in der Regel deutlich komplexer ausgeprägt: Hier wird nicht nur ein einziger Kommissionierauftrag per IDoc versendet, sondern zusätzlich auch eine Rückmeldung in Form eines Eingangs-IDocs empfangen. Deshalb ist hier die Rede von einem zweiseitigen (bidirektionalen) Kommunikationsweg. 

Außerdem werden bei dieser Ausprägung der Schnittstelle mehrere IDoc-Typen verwendet, etwa für eine Stornoanforderung und -bestätigung. Der zweiseitige Kommunikationsweg sowie das Verwenden mehrerer IDoc-Typen erhöhen zwar den Automatismus in der Materialflusssteuerung, gleichwohl aber auch die Komplexität der Schnittstelle, also auch den Aufwand für die Einrichtung und gegebenenfalls Ablösung. 

Ablösung der Schnittstelle zum Lagerlift

Aufgrund der unterschiedlichen Komplexität der Schnittstellenausprägung beider Geräte sollten beide Fälle daher auch separat betrachtet werden.  

Unternehmen, die jetzt einen Lagerlift in ihrem Lager neu anbinden und noch über die Schnittstelle WM-LSR bedienen wollen, sollten bereits bei der Implementierung die künftige Umstellung auf STRM bzw. EWM berücksichtigen: Unabhängig vom Lagerverwaltungssystem droht mit der Umstellung auf S/4 Hana erneuter Aufwand für die Schnittstellenanbindung. 

Um diesen zu vermeiden, bietet sich gleich bei der Neuanbindung eine Nachbildung des IDoc-Typs /SCWM/WMTORD im Z-Namensraum an. Dieser IDoc-Typ ist zwar ein EWM-IDoc-Typ, kann aber vom WM-Modul im Z-Namensraum abgebildet werden. Das hat den Vorteil, dass die Schnittstelle auch nach der Umstellung auf „Stock Room Management“ erhalten bleibt und weiter genutzt werden kann. Steigt das Unternehmen in Zukunft auf das EWM um, kann dort die Standardschnittstelle EWM-LSR mit dem nachgebildeten IDoc-Typ und dem Standardfunktionsbaustein verwendet werden. 

Wer Liftgeräte bereits im Einsatz hat und diese über die WM-LSR-Schnittstelle bedient, ist das künftige Lagerverwaltungssystem entscheidend. Wechselt man auf STRM, bietet sich ebenfalls eine zeitnahe Abbildung des IDocs im Z-Namensraum an. Der Zeitpunkt ist hierbei, abhängig von der S/4-Hana-Strategie, entweder vor der Umstellung oder im Rahmen des eigentlichen Transformationsprojektes zu bestimmen. Die vorzeitige Ablösung der Schnittstelle hat dabei den Vorteil, dass das Projektteam in der Umstellungsphase entlastet wird. Wechselt das Unternehmen vor Jahresbeginn 2026 von WM auf EWM, entfällt diese Frage, da in EWM die Standardschnittstelle genutzt werden kann. 

Grundsätzlich gelten bei der Kommunikation zum Automatiklager dieselben Überlegungen wie bei der Ablösung der Schnittstelle mit einfacher Kommunikationsrichtung. Aufgrund der Komplexität  bedarf es hier jedoch einer individuellen Betrachtung der bestehenden Lösung: Je nach Prozesskomplexität können weitere Lösungswege in Betracht gezogen werden, wie beispielsweise die Nachbildung der WM-IDoc-Typen im Z-Namensraum oder andere. Bei der Entscheidung sollten ebenfalls unternehmensspezifische Prozess- und Organisationseigenschaften berücksichtigt werden. Hier gilt es also, die Vorteile und Herausforderungen der Möglichkeiten zu prüfen, um die richtige Entscheidung zu treffen. 

Aus für SAP WM – und dann?

Seit 1993 bietet SAP zur Lagerverwaltung das Modul „Warehouse Management“ an. Bis 2005 und dem Launch des Nachfolgers SAP EWM wurde die Software weiterentwickelt und um Zusatzlösungen ergänzt, z.B. zur Integration von Flurfördertechnik oder Maschinensteuerung.

Seither legt SAP den Fokus aber klar auf das „Extended Warehouse Management“ und entwickelt seither WM funktional nicht mehr weiter, obwohl es bei vielen Kunden immer noch im Einsatz ist. Das ist aufgrund bewährter und eingespielter Lagerprozesse der Fall, obwohl EWM von Anfang an schon im Standard auch Funktionalität zu bieten hatte, die es entweder in WM gar nicht gab oder für die dort zusätzliche Add-Ons nötig waren. 

Obwohl das WM noch bis Ende 2027 im alten ECC-System verfügbar ist, kann es in einem S/4-Hana-System ab 2026 nicht mehr genutzt werden. Deshalb sollte man sich vom Datum des Wartungsendes nicht täuschen lassen: Das Nachfolgesystem für das WM sollte im Voraus bestimmt und bis 2026 eingeführt werden: entweder EWM oder das WM ready für das „Stock Room Management“ (STRM) machen. 

Bildquelle: Consilio, Gettyimages / iStock

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