Hagebaus Ziel: Die Komplexität der IT-Landschaft reduzieren

Abschied vom ERP-System Marke Eigenbau

Die Hagebau Handelsgesellschaft für Baustoffe will mit der Cloud-Suite „Distribution Enterprise“ des ERP-Herstellers Infor rund 270 ERP-Instanzen bei seinen Baumärkte ersetzen, weil man hofft, mit der Standardsoftware kostengünstiger und schneller die vielfältigen Innovationen in der IT – z.B. mobile Apps, KI oder Cloud Computing – bereitstellen zu können als mit dem seit 2007 genutzten, selbst entwickelten Warenwirtschaftssystem Prohibis.

  • Brigitta Quednau, die im April 2019 angetretene Geschäftsführerin der Hagebau IT GmbH

    Brigitta Quednau: „Unsere ERP-Software muss damit zurechtkommen, dass irgendwann die Roboter durch die Märkte wieseln und Inventur machen!“

Wie am 16. Dezember 2019 bekannt gegeben wurde, soll Prohibis bis 2025 abgelöst werden. Diese altbewährte Eigenentwicklung auf Basis der Software-Entwicklungsumgebung Progress war im November 2007 bei den ersten Hagebau-Gesellschaftern in den produktiven Einsatz übernommen worden und deckte mit maßgeschneiderten Funktionen alle zentralen Aufgaben des Baustofffachhandels ab. Progress-Technologien sind in Soltau bereits seit Anfang der 90er Jahre auf unterschiedlichen Gebieten und auch in der Vorgängerversion Hibis im Einsatz.

Ein Standard für 80 Prozent der Gruppe

Die Entwicklung der ersten Version durch die Hagebau IT GmbH (damals noch Hagebau Datendienst) hatte rund zwei Jahre gedauert; der Nachfolger der Warenwirtschaft Hibis war mit Riesenaufwand bis 2015 bei rund 80 Prozent der Märkte eingeführt worden.

Jetzt will die Hagebau-Gruppe, mit einem Nettoumsatz von mehr als 6,3 Mrd. Euro einer der führenden Anbieter der Baustoff- und Baumarkt-Branche, dieses lange gehegte und gepflegte ERP-System Marke Eigenbau durch eine moderne Standardsoftware ablösen. Entschieden hat man sich dabei für Infors Cloud-Suite, die eigens für Fach- und Einzelhändler konzipiert ist, vordefinierte Branchenlösungen für den Vertrieb von Baustoffen, Holz und Fliesen umfasst und auch spezielle Module für die Hagebaumärkte enthalten soll. Ziel ist es, die derzeit rund 270 ERP-Instanzen mit etwa 18.000 Anwendern zu harmonisieren und so die Komplexität ihrer IT-Landschaft zu reduzieren.

Anfang Februar wurde zudem ein Effizienzprogramm namens Evo – kurz für Evolution – gestartet, um die Organisations- und Kostenstrukturen in Zukunft effizienter zu gestalten. „Der digitale Wandel stellt die Hagebau-Gesellschafter vor große Herausforderungen: Von der Umstellung der Prozesse bis hin zu einem wachsenden Online-Wettbewerb reicht die Spannbreite. In dieser Situation benötigen die Gesellschafter eine schlagkräftige und schlanke Zentrale“, erläutert Johannes M. Schuller, Aufsichtsratsvorsitzender bei Hagebau, den Hintergrund für Evo.

370 individuelle Anforderungen an die IT

In der Hagebau-Gruppe sind rund 370 rechtlich selbstständige, mittelständische Unternehmen im Einzel- und Fachhandel mit den Schwerpunkten Holz, Fliesen und Baustoffe zusammengeschlossen. Entsprechend unterschiedlich sind die individuellen Anforderungen an die IT. Bisher übernahm die Hagebau IT als 100-prozentige Tochter der Gruppe die Entwicklung der ERP-Software.

„Um neue digitale Geschäftskonzepte im Handel vorantreiben zu können, setzt die Hagebau IT auf einen Strategiewechsel und holt Infor als einheitliche Plattform an Bord“, heißt es in der Presseinformation. Wie Brigitta Quednau, die im April 2019 angetretene Geschäftsführerin der Hagebau IT GmbH, auf Anfrage von DV-Dialog erklärte, sei eine Eigenentwicklung des Warenwirtschaftssystem auf lange Sicht zu aufwendig und zu zeitraubend.

„Unsere ERP-Software muss damit zurechtkommen, dass irgendwann die Roboter durch die Märkte wieseln und Inventur machen“, macht Quednau die Herausforderung an einem Beispiel plakativ deutlich. Zwar werde man künftig statt einer maßgeschneiderten Warenwirtschaft eine Standardsoftware nutzen, doch die basiere auf einer gut passenden Branchenlösung. „Daran können wir auch eigene Module andocken“, ergänzt IT-Chefin Quednau. Das erleichtere Infors Middleware ION. Sie erleichtert außerdem z.B. die Bündelung von Ordervolumina, um bessere Preise zu erzielen, oder die optimale Steuerung von Warenströmen, um schneller und kosteneffizienter zu liefern.

Der Faktor Zeit entscheidend

Der Faktor Zeit war also entscheidender als die Kosten. „Wir bewegen uns in einem sehr dynamischen Marktumfeld. Dementsprechend müssen wir Geschäftsprozesse rasch anpassen können. Für unsere Digitalisierungsstrategie haben wir daher einen Lösungsansatz gesucht, der uns mit maximaler Flexibilität unterstützt“, macht Brigitta Quednau die Auswahlkriterien deutlich. Dabei habe Info auf verschiedenen Ebenen überzeugt.

„Durch die Bereitstellung in der Cloud können wir Anpassungen schneller als zuvor ausrollen“, so Quednau. „Die Cloud-Lösung passt zudem perfekt zu den Wachstumsplänen der Gruppe, weil wir jederzeit skalieren und neue Gesellschaften anschließen können. Schließlich sind wir von der modernen, intuitiven Benutzeroberfläche begeistert, von der wir uns eine höhere Anwenderproduktivität erwarten. Darüber hinaus war die technologische Basis, die der Cloud-Suite zugrunde liegt, ein Entscheidungskriterium mit extrem starkem Gewicht.”

Die Cloud-Suite „Distribution Enterprise“

Die Cloud-Suite „Distribution Enterprise“, eine Weiterentwicklung der AS/400-Software Movex (heute Infor M3), soll dann im Endausbau alle Prozesse unterstützen – von der Erfassung von Multi-Channel-Kundenaufträgen über Bestands- und Lagerverwaltung bis hin zu Finanzwesen und Einkauf. Und all das über die rund 1.750 Standorte und acht europäischen Märkte der Gruppe hinweg. Als Resultate des ERP-Umstiegs werden übergreifend einheitliche Strukturen und Arbeitsabläufe, vor allem in Hinblick auf den Einkauf, sowie eine gruppenweit schnellere Anwendungsbereitstellung angestrebt.

1964 gegründet, ist Hagebau heute als Handelsgesellschaft für Baustoffe eine durch rund 370 rechtlich selbstständige, mittelständische Unternehmen im Fach- und Einzelhandel getragene Kooperation. Der Hagebau-Gruppe sind mehr als 1.750 Standorte in Europa (Deutschland, Österreich, Schweiz, Luxemburg, Frankreich, Belgien, Spanien und Niederlande) angeschlossen. Mit mehr als 1.350 Mitarbeitern erbringt die Hagebau-Gruppe an sieben Standorten zahlreiche Dienstleistungen für die angeschlossenen mittelständischen Handelshäuser. Hauptsitz der Kooperation ist Soltau mit rund 900 Mitarbeitern. Zu den Dienstleistungen für die mittelständischen Anteilseigner zählen Einkauf, Vertrieb, Systeme, Logistik, IT, Marketing und Finanzberatung.

Die 1971 gegründete IT-Tochter Hagebau IT bietet heute mit rund 180 Beschäftigten Services in den Bereichen Warenwirtschaft, Software und Dienstleistungen für die Gesellschafter und die Zentrale – kurz in allen IT-Bereichen, die Gesellschafter zur Umsetzung ihres Kerngeschäfts benötigen. Derzeit nutzen 80 Prozent der Hagebau Gesellschafter die eigens entwickelten und betreuten IT-Systeme, insbesondere die Kernprodukte Prohibis, Rechenzentrum und IT-Lösungen für die Kooperations-Zentrale.

Parallel zur Warenwirtschaft Prohibis kommt bei Hagebau im Finanzwesen eine breite SAP-Systemlandschaft mit aktuellem Releasestand (ECC6, EHP6) zum Einsatz – mit den Modulen FI/CO, LO-AB, SD/MM, Enterprise Portal, LSO, BW und Produkten wie Concur. Der Umstieg auf S/4 Hana wird bereits konkret geplant. Im Bereich Business Intelligence und Reporting wird Qlikview genutzt, bei der Anwendungsintegration ein Enterprise-Service-Bus (ESB) des Rechenzentrums.

Bildquelle: Hagebau

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