Der Getränkehersteller Adelholzener Alpenquellen gehört zur kritischen Infrastruktur.
Der Mitarbeitereingang ist mit Drehkreuz, Zutrittsleser, Videoüberwachung und Gegensprechanlage ausgestattet.
Das Besucherzentrum – die Adelholzener „Wasserwelt“
Der Produktionsbereich wird per Zutrittskontrolle abgesichert.
Die Marke Adelholzener ist vielen Urlaubern der Region ein Begriff. Damit Touristen erleben können, wie die bekannten Erfrischungsgetränke in die Flasche kommen, schuf das Unternehmen ein Besucherzentrum – die „Wasserwelt“. Auf einem Parcours mit Sichtfenstern betrachten Besucher die einzelnen Produktionsschritte von oben. Die Vorbereitung der Flaschen von der Übernahme der zurückgegebenen Mehrweg-Flaschen, die mehrfache Reinigung bis zur nochmaligen Inspektion auf Sauberkeit. Anschließend folgen die Befüllung mit Füllstandskontrolle, das Verschließen der Flaschen und die Etikettierung. Die Produktion läuft vollkommen automatisiert über Fließbänder und Abfüllanlagen.
Die Quellen befinden sich am Fuße des Hochfelln im Flora-Fauna-Habitat-Naturschutzgebiet des Bergener Moos, wo das Mineralwasser in 140 Metern Tiefe liegt. Zur Abfüllung wird es nach Bad Adelholzen geleitet und mit modernster Technologie unter Einhaltung höchster Hygiene-Standards in für die Zielgruppe bestimmte Gebinde abgefüllt.
Der Mineralbrunnen ist ein Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie, hat aber auch einen besonderen Auftrag in der Region. Das Unternehmen wurden von den Behörden als „kritische Infrastruktur“ eingestuft, denn in einer Krisensituation würden die Wasserquellen zur Trinkwasserversorgung der Bevölkerung herangezogen werden.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Kritis-Betriebe unterliegen besonderen behördlich kontrollierten Sicherheitsvorschriften. Deshalb werden Produktionsbedingungen streng überwacht und die physische Gebäudesicherheit einer Risikoanalyse unterzogen. Zur Minimierung möglicher Risikofaktoren wurde das Gelände in verschiedene Schutzzonen eingeteilt, die unterschiedlich stark abgesichert werden.
Der Besucherbereich der „Wasserwelt“ ist öffentlich zugänglich. Die internen Bereiche wie Verwaltung und die Produktions- und Abfüllbereiche dürfen nur von berechtigten Personen wie Mitarbeitern oder registrierten Besuchern betreten werden.
Deshalb wurden Türe und Tore der Produktionsstätte mit Zutrittslesern des Herstellers PCS ausgestattet – und die 580 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben multifunktionale RFID-Mitarbeiterausweise bekommen. Mit dem Mitarbeiterausweis erhalten sie Zutritt zum Gebäude und buchen ihre Arbeitszeiten am Zeiterfassungsterminal Intus. Außerdem verwenden sie ihre Karte zum Bezahlen in der Kantine.
Der Personaleingang wird besonders stark geschützt: Hier wurde ein Drehkreuz installiert, das sich nur mit einem Zutrittsleser aktiviert lässt. Während der Nutzung überträgt eine Videokamera die Bilder in die Wachzentrale. Eine Sprechanlage ermöglicht den Kontakt zum Werkschutz.
Was aber ist mit externen Handwerkern oder Lieferanten, die sich auch selbständig im Gebäude bewegen müssen, aber keine Mitarbeiter sind? 2019 installierte der größte Mineralbrunnen Bayerns zum Beispiel eine neue Glas-Mehrweg Abfüllanlage mit modernster Technik. Der Aufbau dieser hochkomplexen Industrieanlage durch externe Techniker dauert mehrere Monate.
In dieser Zeit waren die Monteure des Lieferanten vor Ort. Eine ständige Begleitung wäre sehr aufwändig. Bis vor einigen Jahren wurden solche Besucher in Listen eingetragen und verwaltet, bis sich Adelholzener entschloss, ein modernes softwaregestütztes Besucher-Managementsystem einzuführen. Da man bereits die Zutrittskontrolle und Zeiterfassungsterminals von PCS nutzte, lag es nahe, die Zutrittskontrolle mit dem Besucher-Managementsystem Visit des Münchener Herstellers zu realisieren.
Das Besucher-Managementsystem vereinfacht die Verwaltung aller Besucher und unterstützt den Empfang bei der Registrierung. Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können ihre Gäste selbst im Online-System anmelden. Sobald Mitarbeiter Gäste im System anmelden, werden bereits Name, Besuchstag und E-Mail-Adresse vorab registriert. Die Person erhält umgehend eine E-Mail mit der Terminbestätigung inklusive einer praktischen Anfahrtsbeschreibung.
Begleitete Besucher eines Mitarbeiters müssen sich registrieren und erhalten einen Papierausweis. Eine Sicherheitsunterweisung ist nicht notwendig, da die Person sich nicht in Gefährdungsbereichen aufhält und auch nicht allein im Haus unterwegs sein darf.
Besucher, die sich selbständig auf dem Gelände bewegen müssen, weil sie zum Beispiel als Monteure vor Ort arbeiten, müssen neben der Registrierung auch eine Unterweisung absolvieren. Je nach besuchter Zone entweder eine Hygiene und / oder eine Sicherheitsunterweisung. Diese Unterweisung ist jeweils für ein Jahr gültig, danach muss sie erneut erfolgen. Dies kann im Self-Service entweder über einen Online-Link oder vor Ort an einem der zwei Kiosk-Terminals erledigt werden. Durch einen kurzen Multiple-Choice-Test wird der Lernerfolg der Unterweisung überprüft.
Alle Besuche werden in Visit mit Datum und Uhrzeit dokumentiert. So ist jederzeit klar, welche Personen wann auf dem Gelände waren. Für externe Monteure ist die Registrierung und die Absolvierung der Unterweisungen die Voraussetzung, dass sie einen RFID-Besucherausweis mit temporären Zutrittsrechten bekommen. Sie werden mit Aufenthaltsdauer in der Zutrittskontrolle angelegt, damit sie sich selbständig in der Produktionsstätte bewegen können.
Zum Sicherheitskonzept gehört auch, dass Mitarbeiter und Dienstleister das Firmengelände über den Mitarbeiterzugang betreten. Nur wer dort ordnungsgemäß den „Außenhaut“-Leser nutzt, kann innerhalb des Firmengeländes mit Hilfe der Zutrittskarte die Türen öffnen.
Ist diese erste Buchung versäumt worden, ist der Ausweis an diesem Tag nicht gültig. Auch beim Verlassen des Gebäudes muss sich jeder Mitarbeiter oder Besucher täglich ausbuchen. Nach Ende des befristeten Aufenthalts erlischt die Zutrittsberechtigung der Besucher.
Die Ausweise werden zurückgegeben. Falls das unterlassen wird, gibt es einen doppelten Boden im System: die Zutrittsrechte für jede Person sind an eine Gültigkeitsdauer gekoppelt. Nach Ablaufdatum ist der Ausweis nutzlos. Die kritische Infrastruktur bei dem Mineralbrunnen ist mit diesem Sicherheitskonzept gut geschützt.
Für Felix Siefken ist ein gutes Besuchermanagement essenziell. „In der aktuellen Bauphase hilft es uns enorm, die große Anzahl an externen Handwerkern zu organisieren“, betont der Teamleiter der „Wasserwelt“. So behalte man am Empfang „stets den Überblick“ und könne die Zuteilung der Besucherausweise ebenso verwalten wie etwa erforderliche Sicherheitsunterweisungen.
Die Adelholzener Alpenquellen mit Sitz in Bad Adelholzen stellen Heilwasser, Mineralwasser und Erfrischungsgetränke unter den Marken Adelholzener und Active O2 her. Pro Jahr abgefüllt werden ungefähr 600 Mio. Flaschen. Beschäftigt sind am Stammsitz über 580 Mitarbeiter, darunter viele Auszubildende. Die Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul ist die 100-prozentige Gesellschafterin der Adelholzener Alpenquellen GmbH.
Bildquelle: Adelholzener