Die neue BSI-Präsidentin Claudia Plattner bringt Digitalisierungserfahrung von der Bahn und der Europäischen Zentralbank mit.
Ab sofort hat die Cybersicherheitsbehörde, die seit Herbst 2022 interimistisch von Vizepräsident Gerhard Schabhüser geführt wurde, endlich wieder eine komplette Führungsriege. Doch anders als Schönbohm ist Plattner keine normale Beamtin, sondern wird auf Basis eines außertariflichen Vertragsverhältnisses beschäftigt, schreibt die Wirtschaftswoche; somit könne Innenministerin Nancy Faeser sie jederzeit ihres Amtes entheben. Das war bei Schönbohm nicht möglich, der zur Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAköV) „strafversetzt“ wurde, bevor die umstrittenen Vorwürfe geklärt werden konnten.
„Die Bedrohungslage im Bereich der Cybersicherheit ist unvermindert hoch“, sagte Faeser zum Amtsantritt der BSI-Präsidentin. „Wir erleben durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und seine Folgen auch eine Zeitenwende für die innere Sicherheit. Deshalb hat die Cybersicherheit höchste Priorität. Das BSI als Cybersicherheitsbehörde des Bundes hat dabei eine zentrale Rolle. Ich freue mich deshalb sehr, dass jetzt mit Claudia Plattner eine erfahrene und international bestens vernetzte IT-Sicherheitsexpertin an der Spitze des BSI steht. Mit ihrem Wechsel zum BSI wird erstmals eine Frau Präsidentin einer Sicherheitsbehörde im Bereich des Bundesinnenministeriums.“
Gemeinsam mit Plattner will sie die Cybersicherheitsagenda „weiter konsequent“ umsetzen und sowohl die digitalen Bürgerrechte als auch die IT-Sicherheit weiter stärken. „Die IT-Sicherheit zu gewährleisten, ist eine staatliche Pflicht“, so Faeser weiter. „Das BSI wollen wir zur Zentralstelle im Bund-Länder-Verhältnis ausbauen."
„Cybersicherheit ist längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen“, konstatierte BSI-Präsidentin Plattner. „Sie entscheidet darüber, ob unser digitalisierter Alltag funktioniert. Wir sind angewiesen auf funktionierende kritische Infrastrukturen wie im Bereich der Energie- oder Gesundheitsversorgung und dem Finanzsystem oder aber auch der öffentlichen Verwaltung. Die Aufgabe, die IT-Sicherheitslage in Deutschland zu verbessern - die Digitalisierung mit Sicherheit voranzubringen - ist komplex und dringlich. Das gilt natürlich erst recht mit Blick auf die aktuellen Krisenlagen.“
Die an der Technischen Universität Darmstadt und an der Tulane University in den USA ausgebildete Mathematikerin ist seit fast zwei Jahrzehnten im IT-Bereich tätig. Seit Mitte 2021 war Plattner Generaldirektorin für Informationssysteme bei der Europäischen Zentralbank in Frankfurt und damit bei der EZB und dem Eurosystem/Europäischen System der Zentralbanken (ESZB) für die Cybersicherheit und die Steuerung aller Digitalisierungsprozesse sowie weitere strategische Fragen verantwortlich. Zuvor war Claudia Plattner seit 2017 „Chief Information Officer“ bei der Bahn-Tochter DB Systel und leitete damit den Bereich, der für die Digitalisierung und Modernisierung des internen IT-Systems der Deutschen Bahn verantwortlich ist.
Bundesinnenministerin Nancy Faeser will Claudia Plattner am 7. Juli in der Bundespressekonferenz vorstellen; die offizielle Amtseinführung erfolgt im Rahmen eines Festakts am 17. Juli in Bonn.
Bildquelle: Europäische Zentralbank