Tino Fliege, Solution-Architect bei Outsystems
Carlo Pacifico, Regional Vice President EMEA Central bei Outsystems
„Damit Prozesse und Daten über den gesamten Geschäftsprozess ablaufen und genutzt werden können und Digitalisierung dadurch ihr wahres Potenzial entfalten kann, ist die Anbindung wirklich aller Systeme unerlässlich geworden – von RPG- und Cobol-Programmen bis hin zur Ebene der Db2@i-Datenbank“, gibt Tino Fliege, Solution-Architect bei Outsystems, beim Einsatz von APIs zu bedenken.
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Die daraus resultierende Vielzahl an Schnittstellen bedeutet jedoch auch einen immensen Entwicklungs- und Pflegeaufwand, zumal unterschiedlichste Protokolle und Authentifizierungen erforderlich sein können und jede API bei einer Aktualisierung eines der verbundenen Systeme ebenfalls geprüft und gegebenenfalls angepasst werden muss.
Für Fliege ist daher entscheidend, „bei der Erstellung und Wartung der APIs einen möglichst hohen Automatisierungsgrad zu erreichen, beispielsweise indem alle erstellten Schnittstellen auf einer zentralen Plattform gepflegt und verwaltet werden. Nur so lässt sich sicherstellen, dass der nahtlose digitale Geschäftsprozess nicht zur API-Sisyphusarbeit für die IT-Abteilung wird.“
Wie das funktioniert, zeigen einige Beispiele aus der Praxis. So entschied sich Mazda im Jahr 2018 für die Low-Code-Plattform, weil Oracle seinerzeit angekündigt hatte, dass für den Support und die Nutzung von Updates und Security-Patches der Java Standard Edition (Java SE) ein kostenpflichtiges Lizenzabonnement benötigt werde. Mazda hatte auf Basis des bisher kostenlosen Frameworks mit Java8 rund 500 Legacy-Systeme entwickelt, die bis 2024 migriert werden müssen. Das erfolgt laut Carlo Pacifico über eine Neuentwicklung mit Outsystems. Die bisherigen Resultate: Die Entwicklungsproduktivität sei vervierfacht vervierfacht worden – und bei den Migrationskosten werden Einsparungen im Millionenbereich erwartet.
Vopak, der größte unabhängige Tanklagerbetreiber der Welt, wurde Ende 2014 mit der Ankündigung von Oracle konfrontiert, den Support für das bis dato genutzte ERP-System JD Edwards im Jahr 2024 einzustellen. Bei Vopak musste man die IT-Strategie neu überdenken. Bei Tests wurde festgestellt, dass Standardsoftware zu restriktiv war, um alle Anforderungen zu erfüllen. Der Wettbewerbsvorteil besteht gerade darin, sich schnell an die Anforderungen der Kunden anzupassen. Gefragt war statt Standard ein Ansatz, der diese Flexibilität gewährleistet. Statt ein komplexes ERP-System durch ein anderes zu ersetzen, nutzt man nun einen gemischten Ansatz, implementierte nicht-differenzierende SaaS-Systeme wie Finanz- und Personalwesen, baute aber das Terminal-Management-System (TMS) individuell auf.
Das Projekt startete 2016; derzeit ist bereits die TMS-Version 10 in Arbeit, die bis Ende 2021 an 28 Terminals weltweit in Betrieb genommen werden soll. Der Hauptvorteil neben einer Effizienzsteigerung um 50 Prozent: Änderungen erfolgen nun in Wochen statt Monaten, was die Reaktionsfähigkeit bei Marktveränderungen drastisch verbessert.
Der schwedische Bahnlogistik-Anbieter Green Cargo nutzte die Low-Code-Plattform zur Ablösung des IBM-basierten Logistiksystems sowie einer stark angepassten SAP-Lösung. Ein Ablösung hätte Millionen verschlungen. Die IT will die Kerninfrastruktur weiterentwickeln – und zwar auf einem evolutionären Weg zur Minimierung von Unterbrechungen. Mittel zum Zweck ist nun ein Low-Code-Ansatz für Design, Test und Entwicklung neuer Anwendungen, die sich in die Kerninfrastruktur integrieren und in einer hybriden, Multi-Cloud-Umgebung arbeiten sollen. Außerdem werden damit nun auch mobile Apps für die Mitarbeiter im Betriebshof, für das Kundenportal und für Vertrieb und Service entwickelt.
Bildquelle: Outsystems