Interview mit Heinz Schatto, General-Manager Compass Germany

AS/400-Anwendungen in der IBM Cloud

Der amerikanische ERP-Hersteller Infor, durch zahlreiche Übernahmen rasant gewachsen, verfolgt wie auch andere große ERP-Hersteller – zum Beispiel SAP, Microsoft oder Oracle – eine Cloud-Strategie. DV-Dialog befragte Heinz Schatto dazu, was das für die Produkte mit AS/400-Vergangenheit im Portfolio bedeutet.

Heinz Schatto, General-Manager Compass Germany

Heinz Schatto: „Gemeinsam mit IBM stellen wir auch für Klassiker wie AS oder Xpert die langfristige Verfügbarkeit sicher.“

Der ERP-Hersteller Infor, vor 20 Jahren gegründet, durch zahlreiche Akquisitionen gewachsen und seit April 2020 eine Tochter des Mischkonzerns Koch Industries, gehört mit mehr als 3 Mrd. Dollar Jahresumsatz zu den großen Playern im ERP-Markt. Zu den zahlreichen ERP-Produkten des Konzerns gehören mit M3 (früher Movex), LX (früher BPCS), XA (früher Mapics), Xpert (früher XPPS), Ratioplan, MAS90, System 21 oder Brain AS viele Software-Pakete aus AS/400-Zeiten, die bei mehreren tausend Kunden in aller Welt im Einsatz sind. 

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 9-10/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Unter der Regie des neuen Eigentümers Koch Industries sollen die Aktivitäten auf der Midrange-Plattform in der neu gegründeten Compass Group unter Leitung von Executive Vice President und General-Manager Stewart Applbaum gebündelt werden. Compass Germany wird geleitet von Heinz Schatto, Vize-Präsident Produktentwicklung. Mit ihm sprachen wir über die Ziele dieser Neuorganisation.

Herr Schatto, wann und warum hat Infor die Compass Group gegründet? Welche Produkt- und Kundengruppen wollen Sie insbesondere ansprechen?

Heinz Schatto: Wir haben die Compass Group im letzten Jahr designed und sind mit Beginn des Jahres operativ gestartet. Das Team hat sich dem Ziel verschrieben, speziell jene Kunden zu unterstützen, die hochspezialisierte Lösungen aus dem Hause Infor einsetzen. Diese Lösungen zeichnen sich entweder durch eine starke Fokussierung auf ein bestimmtes Marktsegment aus oder durch einen besonderen Zuschnitt für eine Region, wie z.B. den DACH-Raum mit seinen besonderen Anforderungen. 

Der Großteil der Kunden in der Compass-Organisation setzt die Infor-Systeme bereits seit vielen Jahren, teilweise seit Jahrzehnten, erfolgreich ein. Die Compass Group ist global organisiert und wird von Stewart Applbaum geleitet. In Europa und APAC vertritt Andy Berry als EVP die Organisation, im deutschsprachigen Raum verantworte ich persönlich als General-Manager das Business. In unserer Region gehören z.B. die ERP-Systeme Com und Blending oder auch unsere Varial Finance Suite zum Portfolio. Die Gruppe zeichnet insgesamt für etwa 1 Mrd. Dollar Jahresumsatz verantwortlich.

Wie passt die Compass Group in Infors Cloud-Strategie?

Schatto: In unserem Produkt-Portfolio gibt es grundsätzlich beide Welten, also On-Prem- und Cloud-Lösungen, wie z.B. Infor HMS (Hospitality Management Solution) und Sun Systems. 

Vermutlich zielt die Frage aber explizit auf unsere On-Prem-Solutions. Hier bieten wir unseren Kunden die Option, einen Übergang zu den Cloud-basierten Infor-Systemen zu jedem beliebigen Zeitpunkt in Angriff zu nehmen – oder aber ihre aktuellen Infor-Systemen weiterhin erfolgreich einzusetzen. On-Prem-Systeme erfahren bei Infor eine enorme Weiterentwicklung und stehen unseren Kunden stabil und langfristig zur Verfügung. Unsere Kunden nehmen sozusagen die Pole-Position ein! Sie haben die Option jederzeit zu starten – und zwar in der auf sie angepassten Geschwindigkeit exakt so, wie es für sie am besten ist. Der Erfolg des Kunden steht hierbei im Mittelpunkt 

Gibt es eine neue Form der Zusammenarbeit mit IBM. Falls ja: Wie sieht die aus?

Schatto: Wir haben unsere Zusammenarbeit mit IBM intensiviert. Dies äußert sich darin, dass wir unsere Systeme - angelehnt an den Release-Zyklen der IBM – kontinuierlich aktualisieren. 

Darüber hinaus arbeiten wir mit der IBM an der Verfügbarkeit der AS/400-Anwendungen in der IBM Cloud. Dies kann auch für den regionalen Markt in der DACH-Region eine spannende Option werden. Wir werden sicherlich im Rahmen unserer Kundenveranstaltungen im Laufe des Jahres über die technologischen Entwicklungen bei der IBM und in unserem Unternehmen detaillierter berichten.

Was sind die Pläne für die „deutschen AS/400-Klassiker“, z.B. Xpert/XPPS, AS, MAS90 oder Ratioplan?

Schatto: Die Klassiker – das sind äußerst stabile Systeme mit hoher Verfügbarkeit und einer über viele Jahre gereiften, funktionalen Tiefe, die von unseren Kunden immer noch über alle Maßen geschätzt wird. 

Gemeinsam mit der IBM stellen wir auch für diese Systeme die langfristige Verfügbarkeit sicher. Dies beinhaltet nicht allein die Pflege der bestehenden Systeme und deren bestmöglichen Support, sondern insbesondere bei den Flaggschiffen aus dieser Gruppe – AS und Xpert – auch Weiterentwicklungen im funktionalen Bereich. 

Sollte ein System-i-Kunde irgendwann doch auf eine unserer Cloud-Suites wechseln wollen, entwickeln wir mit ihm gemeinsam Wege, auf denen er möglichst effizient und schnell migrieren kann. 

Herr Schatto, vielen Dank für das Interview!

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