Interview mit Heidi Schmidt und Roland Zurawka aus der Geschäftsführung der PKS GmbH

„Auf die Sprache kommt es an!“

Modernisierung bewährter Anwendungssysteme ist und bleibt naturgemäß ein sehr von Technologien dominiertes Thema. Doch es geht auch um Organisation – Stichwort Change-Management – und vor allem um Kommunikation.

Heidi Schmidt und Roland Zurawka, PKS

Interview mit Heidi Schmidt und Roland Zurawka, den beiden geschäftsführenden Gesellschaftern der PKS GmbH

Das wissen auch die Modernisierungsexperten der PKS Software GmbH aus Ravensburg (siehe DV-Dialog 1-2/2019, Seite 1). Kommunikation ist deshalb so wichtig, weil auch die technisch nicht so beschlagenen User und ­Manager von Modernisierungsprojekten erst einmal überzeugt und dann „mit­genommen“ werden müssen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 3-4/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Im Interview mit DV-Dialog erläutern Heidi Schmidt und Roland Zurawka die neue Methode LKM, mit der das gelingen kann. Das Credo der beiden: „Auf die Sprache kommt es an!“ Und damit ist in diesem Fall nicht die Programmiersprache gemeint.

Der Trend zu Web- und Microservices erinnert stark an die Ansätze der Objektorientierten Programmierung, die vor 20 Jahren en vogue waren. IBM-Stichwort: SAA. Ziel war es, wie bei Lego-Spielzeug sozusagen einen Vorrat mit Funktions- und Datenbausteinen bereitzustellen, mit dem sich dann schnell und einfach neue Anwendungen zusammenstecken lassen. Wo sehen sie die Gemeinsamkeiten – und wo die Unterschiede?
Roland Zurawka: Das Grundprinzip ist dasselbe! Heute haben wir aber den Vorteil, dass es wesentlich mehr Technologie gibt, die die Kommunikation zwischen den Services auch über Anwendungsgrenzen hinweg standardisiert (Stichwort Rest-APIs, XML).
Was aber damals wie heute die echte Herausforderung bildet, ist die ­„Katalogisierung und Monetarisierung“ der Services. Gemeint ist die Antwort auf die Frage: Wie schaffe ich es, dass die vorhandenen Services auch wiederverwendet werden? Wie stelle ich eine Plattform bereit, die die Entwickler das finden lässt, was sie gerade an Funktionalität brauchen?

Sowohl die Entwicklung als auch der Betrieb von Microservice-Architekturen kann sehr schnell sehr komplex werden. Gibt es Tricks und Kniffe, diese Komplexität zu beherrschen?
Heidi Schmidt: „Zaubertricks“ gibt es nicht – nur gute Lösungen am Markt, auch von IBM, die das API-­Management unterstützen. Auf jeden Fall bleibt für die Anwender eine Herausforderung, da es hier ja eigentlich um Wissensmanagement im Unternehmen geht. Das ist bisher für viele schon eine große Herausforderung,  thematisiert durch das IBM-i-Paradoxon rund um das Kopfwissen der erfahrenen Entwickler – und das wird nun beim API-Aspekt erneut eine Anforderung.
Es gibt nicht wirklich „gute und schlechte Technologien“ oder „moderne und alte“ – aus unserer Erfahrung heraus hat meist jede Technologie, jedes Verfahren und jedes Konzept seine Stärken und Schwächen. Und ein einzelner Entwickler oder Architekt kann sich in aller Regel nur mit einer bestimmten Menge davon beschäftigen und diese beherrschen.
Daher ist es heute unabdingbar, dass Software-Entwicklung in Teams stattfindet, mit Knowhow-Trägern verschiedener Schwerpunkte, die kommunikations- und diskussionsfähig sind. Hier liegt leider oft noch der Hase im Pfeffer: bei der Kommunikation hapert es nämlich leider oft noch gewaltig. Viele scheitern an den drei unbewussten Irrtümern über Kommunikation.

Welche Irrtümer meinen Sie?
Zurawka: Lassen Sie mich dazu ein wenig ausholen: In wenigen Sätzen, weil immer alles schneller gehen muss, müssen die Entwickler heute den „Ich-bin-überzeugt-Button“ im Kopf ihres Zuhörers treffen. Egal, ob im Gespräch mit dem Fachbereich, mit den Kollegen im Team oder mit dem Management. Jedes Wort, jedes Bild, jede Geste sollte tunlichst haargenau treffen, oder die Botschaft verschwindet in den Weiten des Sprachuniversums. Welches ist das richtige Wort oder Argument, wenn es darum geht den Chef zu überzeugen, die Mitarbeiter zu motivieren, den Kunden zu gewinnen oder eine Idee durchzusetzen?

Schmidt: Bisher stehen uns zwei eher schlechte als rechte Möglichkeiten zur Verfügung:

  1. Möglichkeit: Wir nehmen das erstbeste Wort, das uns intuitiv, also ­unbewusst einfällt. Es gefällt uns, es überzeugt uns selbst – aber ob es die Kraft hat unser Gegenüber zu bewegen ­wissen wir nicht wirklich.
  2. Möglichkeit: Wir nehmen das Wort, von dem wir glauben, es kommt gut an. Wir sitzen vor unserem Text und grübeln lange, ob dieses Argument unseren Kollegen, unseren Chef oder Kunden vom Hocker haut, kalt lässt oder sogar Widerstand provoziert. Über Versuch und Irrtum probieren wir aus. Mal trifft unsere Argumentation und wir feiern Erfolge – mal trifft sie nicht, und wir fragen uns, warum es diesmal nicht funktioniert hat. Das Fatale an dieser Situation ist, dass wir unseren Erfolg nicht automatisch wiederholen können, weil wir nicht wissen, woran er genau lag.

Beide Möglichkeiten haben negative Konsequenzen für uns: Entweder findet unsere Botschaft kein Gehör oder sie führt trotz zeitaufwendiger Anstrengung zu Einwänden oder gar Angriffen – und diese zu Konflikten, Demotivation, Fluktuation.

Lassen sich diese negativen Konsequenzen vermeiden?
Zurawka: Es gibt bisher kein Kommunikationsmodell, das uns präzise erklären kann, wie Kommunikation verlässlich funktioniert. Es gibt hunderte von Ratgebern, Experten, Tools, Tipps, Büchern, Blogs, Youtube-Videos über Kommunikation. Jedoch können alle nicht mit Präzision vorhersagen, wie wir ­sicher und mühelos die richtigen Worte ­finden. Keiner kann uns vorhersagen, welches das treffende Wort, das unwiderstehliche Argument oder die überzeugende Logik in unserer morgigen Präsentation sein wird.
Diese Unbestimmtheit in den bisherigen Kommunikationsmodellen führt zu drei unbewussten Irrtümern über Kommunikation

  1. Irrtum: Ich suche den Fehler bei mir: „Ach, ich habe einfach zu wenig ­Ahnung und Fachwissen!“ Dieses Denkmuster ist leider gerade bei den erfahrenen Entwicklern gängig.
  2. Irrtum: Ich suche dem Fehler beim anderen: „Ach, der versteht das sowieso nicht!“ Das ist sehr beliebt, z.B. bei Berufsanfängern gegenüber den ­„alten Hasen“ aus der RPG-Entwicklung.
  3. Irrtum: Ich suche den Fehler in meiner Idee: „Ach, das Konzept/Produkt ist doch nicht so gut.“

Gibt es denn inzwischen ein Kommunikationsmodell, das mit hoher Wahrscheinlichkeit den Erfolg unserer Kommunikation sicherstellt? Ein Modell, das uns mit hoher Treffsicherheit vorhersagt, welches das richtige Wort, das überzeugende Argument, die unwiderstehliche Logik Ihrer Präsentation ist?

Schmidt: Dieses Modell gibt es inzwischen und es heißt „Limbische Kommunikationsmodell“ – kurz LKM. Das Limbische Kommunikationsmodell erklärt sehr genau, mit welchen Worten, Bilder und Gesten wir die unterschiedlichsten Menschen mühelos und verlässlich erreichen.

Frau Schmidt, Herr Zurawka, vielen Dank für das Interview! 

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