Interview mit Wolfgang Greulich, Geschäftsführer des IBM-Partners WS Datenservice

Backup auch als Service-Angebot

Aufgaben wie Backup, Hochverfügbarkeit und Desaster-Recovery standen schon immer weit oben auf der Agenda eines jeden IT-Chefs. Hierbei kann die Serverplattform Power i ihre Stärken ausspielen. Allerdings gibt es durchaus Modernisierungsbedarf, wie im Gespräch mit Wolfgang Greulich deutlich wird. Der Geschäftsführer des IBM-Partners WS Datenservice, der auch im Vorstand des Anwendervereins Common aktiv ist, geht im Interview zudem auf moderne Ansätze mit Managed-Services ein.

Wolfgang Greulich, Geschäftsführer von WS Datenservice

Wolfgang Greulich, Geschäftsführer von WS Datenservice: „Wer seine IT effizient und sicher betreiben möchte, der nutzt seine Anwendungen nicht auf altgedienten Systemen, sondern auf moderner Hardware.“

Herr Greulich, viele IBM-i-Anwender wollen aktuell die IT modernisieren. Wo bringen Investitionen hier die größten Fortschritte?
Wolfgang Greulich
: Grundsätzlich möchte ich sagen: Man sollte nicht nur in der Krise nachdenken! Aber Sie haben recht: Jede Krise liefert einen konkreten Anlass, Veränderungen vorzunehmen. Genau deshalb haben einige Kunden in den letzten Monaten mit uns Projekte zur Optimierung ihrer Hardware-Infrastruktur gestartet. Oft geht damit eine Software-Modernisierung einher, die ich aber nicht thematisieren möchte. Das ist nicht unser Thema bei WS Datenservice – dafür gibt es andere Experten.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 7-8/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Wer seine IT effizient und sicher betreiben möchte, der nutzt seine Anwendungen nicht auf altgedienten Server- und Storage-Systemen, sondern auf moderner Hardware, also auf hochverfügbaren Power- und x86-Systemen im Storage Area Network (SAN). Das ist heute Stand der Technik – und auf diesen Stand bringen wir unsere Kunden. Genau das sind aktuell unsere typischen Projekte, unabhängig davon, mit welchem Hardware-Bestand der Kunde zu uns kommt. Bei Power und Storage modernisieren wir die Infrastruktur komplett mit Produkten unseres Partners IBM, bei x86 sind wir variabel und setzen – je nach Szenario –auf Partner wie Lenovo oder Supermicro.

Also ist es eine Legende, dass immer noch IT-Systeme mit AS/400-Flair zu finden sind?
Greulich
: „Alteisen“ sehen wir in der Praxis kaum. Natürlich gibt es solche Installationen vereinzelt noch, doch ich sage ketzerisch: Das sind nicht unsere Kunden! Unsere Kunden arbeiten nicht mit uralten Betriebssystemen wie V5R4 oder V6R1, sondern mit den aktuellen Releases IBM i 7.4 oder 7.3, manche auch noch mit 7.2.
Fast alle Kunden arbeiten mit aktueller Hardware; wir sind gerade dabei, die letzten von 7.1 und Power7 auf den neuesten Stand zu bringen. Und sobald unsere Kunden nicht mehr On-Premises in ihrem eigenen Rechenzentrum arbeiten, sondern mit unseren Managed-Services, dann sind sie ohnehin auf dem aktuellen Stand der Hardware-Technik, denn darauf achten wir allein schon aus wirtschaftlichen Gründen sehr genau.

Warum gibt es denn immer noch manche „Oldtimer“ unter den Power-Usern?
Greulich:
Die Maschinen laufen gut, aus IBM-Sicht vielleicht sogar zu gut. Für AS/400-Flair sorgt meiner Meinung aber nach eher die Software. Die sprichwörtliche Kompatibilität der Plattform verführt manche Kunden dazu, ihre altbewährten RPG- oder Cobol-Anwendungen unverändert auf 7.3 oder 7.4 zu betreiben, einfach weil das möglich ist. Getreu der Devise: Never touch a running System. Doch diese Devise hat sich längst überlebt – und sie macht aus einem glasklaren Power-Vorteil manches Mal sogar ein Handicap.

Modernisierung ist also eine Daueraufgabe?
Greulich
: Mit Blick auf die Software ganz sicher. Mit Blick auf die Infrastruktur gibt es zwei Lager. Es gibt die IT-Chefs, die mit den Fristen der Leasing­verträge oder der Abschreibungen alle drei Jahre ihre Systeme gegen neue austauschen. Und es gibt die IT-Chefs, typischerweise im Mittelstand, die ihre Hardware kaufen und dann möglichst lange im eigenen RZ betreiben – auch mit der Unterstützung von Partnern wie WS Datenservice. Nach sechs, sieben Jahren werden dann neue Systeme beschafft, wobei deren Innovationen in der Regel genutzt werden, um Mehrwerte zu schaffen. Oft ist der Auslöser für die Ablösung, dass die Wartung zu teuer oder ganz eingestellt wird – wie zum Beispiel Ende Dezember bei den Power7-Systemen.

Was sind Ihrer Erfahrung nach typische Stolpersteine für solche Modernisierungsprojekte, die der IT-Chef am besten vor Projektbeginn aus dem Weg räumen sollte?
Greulich
: Wenn der Kunde regelmäßig modernisiert, wie es im Umfeld von IBM i gang und gäbe ist, gibt es kaum Stolpersteine. Natürlich muss man darauf achten, dass die Software und auch die Peripherie mit den neuen ­Systemen kompatibel ist. Weil man heute den Systemwechsel in der Regel über das SAN vornimmt, ist der nicht mehr so wie früher an den Release-Wechsel des Betriebssystems gebunden. Wir machen das heutzutage gerne schon im Vorfeld, sofern die alte Hardware das zulässt.

Nehmen wir als konkretes Beispiel für ein Modernisierungsvorhaben die Hochverfügbarkeit der Infrastruktur: Wie kann ein Mittelständler hier den Spagat zwischen dem eigenen Anspruch und den Kosten bzw. dem Aufwand schaffen?
Greulich
: Aus kaufmännischer Sicht kann die Antwort nur lauten: Mit Managed-Services im externen Rechenzentrum. Wir bieten unsere Managed-Services z.B. hochverfügbar aus unseren Rechenzentren in Karlsruhe an – mit Desaster-Standort in Wien.
Natürlich kommt da auch noch die psychologische Komponente hinzu. Die Frage lautet fast immer: Sind die Daten bei euch sicher? Ich verweise dann nur auf unsere RZ-Partner Telemaxx und Interxion, die nichts anderes machen als Rechenzentren zu betreiben. Dort kann man nicht einbrechen; die Gebäude sind von Grund auf dagegen gewappnet – und die Rechenzentren gemäß ISO 27001 zertifiziert. Das heißt: Die Qualität unserer Rechenzentren ist auf einem Niveau, das für Mittelständler unbezahlbar ist.

Wenn der Kunde seine Anwendungen On-Prem betreibt, kann er den Backup bei Ihnen als Service beziehen?
Greulich
: Klar! Mit Backup-as-a-Service kann der Kunde sowohl die Power- als auch die x86-Daten in unser Rechenzentrum spiegeln. Wir können dort eine IBM-i-Konfiguration so bereitstellen, dass der Kunde im Notfall darauf weiterarbeiten kann. Dieses Angebot nehmen unsere Kunden gerne an, weil sie so einen gewissen Grad an Hochverfügbarkeit erhalten, den sie On-Prem nicht bezahlen wollen oder können. Wünscht der Kunde das aber, können wir natürlich auch für die Hochverfügbarkeit seines RZ sorgen.
Nebenbei bemerkt: Fast jeder unserer Kunden nutzt außer IBM i auch Citrix zur Bereitstellung der Applikationen, und das oft schon seit dem Jahrtausendwechsel. Seitdem haben sie also ihre Private Cloud; man hat es nur nicht so genannt.
Das ist Standard bei unseren Kunden. Dass unsere Kunden jedoch in die Public Cloud wechseln, das sehe ich nicht. Und zwar unabhängig davon, ob diese Public Cloud von Amazon, Google Microsoft oder IBM betrieben wird.

Bildquelle: WS Datenservice

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