Gütersloh kein gutes Pflaster für externe Topmanager

Bertelsmann reorganisiert Arvato - wieder

Auf einmal ging alles ganz schnell: Gestern meldete Bertelsmann, der Aufsichtsrat habe „in seiner heutigen Sitzung Fernando Carro mit sofortiger Wirkung als CEO der Tochter Arvato neu in den Bertelsmann-Vorstand berufen. Er folgt auf Achim Berg. Der frühere Topmanager von Microsoft und Telekom hatte das Amt im April 2013 angetreten und ist bereits der dritte Topmanager, der aus anderen Unternehmen zu Bertelsmann kam und Gütersloh in jüngster Zeit verlassen hat.

  • Fernando Carro (50), der neue starke Mann bei der Bertelsmann-Tochter Arvato

  • Hat Bertelsmann nach gut zwei Jahren wieder verlassen: Arvato-CEO Achim Berg

Die Personalie steht im Zusammenhang mit einer Umstrukturierung der Dienstleistungstocher, „die zu einer größeren unternehmerischen Eigenständigkeit der einzelnen Arvato-Geschäftseinheiten führt und Entscheidungsprozesse beschleunigt“. Arvato ist nach RTL die zweitgrößte Bertelsmann-Sparte und erzielte zuletzt 4,66 Mrd. Euro Jahresumsatz. Das sind zwar 6,2 Prozent mehr als 2013, doch der operative Gewinn schrumpfte. Das wurde offenbar den hohen Erwartungen an die Tochter nicht gerecht, die einer Wachstumsmotoren des Konzerns sein soll.

Die Folge: Der Arvato-Vorstand wird aufgelöst und durch eine Geschäftsleitung ersetzt; der gehört neben dem reorganisationserprobten Bertelsmann-Manager Carro (50) auch Rolf Hellermann (38) als CFO an, der diese Funktion zusätzlich zur Leitung der Bertelsmann-Hauptabteilung Zentrales Controlling und Strategie übernimmt. Die Arvato-Geschäftseinheiten berichten direkt an Fernando Carro und werden von den Bertelsmann-Zentralfunktionen unterstützt. Der 2013 mit großen Vorschusslorbeeren angetretene Berg muss trotz aller Verdienste schon wieder gehen.

Die CEOs der drei großen Arvato-Geschäftsbereiche sollen Mitglieder des „Bertelsmann Group Management“-Komitees werden. Andreas Krohn, CEO Customer Relationship Management, Frank Schirrmeister, CEO Supply Chain Management, und Michael Weinreich, CEO Financial Solutions, werden in das Group Management Committee (GMC) von Bertelsmann einziehen. Ulrich Cordes, bisheriger CFO von Arvato, übernimmt die Verantwortung für die Geschäftseinheiten Digital Marketing, Print Solutions, IT Solutions und Replikation.

Christoph Mohn, Vorsitzender des Bertelsmann-Aufsichtsrats, sagte: „Ich freue mich sehr über die Berufung von Fernando Carro in den Bertelsmann-Vorstand. Fernando Carro hat seine Laufbahn bei Bertelsmann 1993 begonnen und kennt das Unternehmen damit seit mehr als 20 Jahren bestens. Er hat in verschiedenen Managementpositionen sein unternehmerisches Können, seine Führungsstärke und seine Mitarbeiterorientierung unter Beweis gestellt. Er hat den Rückbau unserer Club- und Direktmarketinggeschäfte erfolgreich gesteuert. Seine internationale Erfahrung, die er unter anderem als Verantwortlicher für die Bertelsmann-Wachstumsregion Lateinamerika mitbringt, ist sehr wertvoll für die weltweite Expansion der verschiedenen Arvato-Geschäfte, für die er nun Verantwortung trägt.“

Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann, ergänzte: „Durch die Weiterentwicklung stärken wir die unternehmerische Eigenständigkeit der Arvato-Geschäftseinheiten bei engerer Anbindung an den Bertelsmann-Konzern. Das wird dazu beitragen, eine noch höhere Wachstumsdynamik zu entfalten. Arvato hat mit den Übernahmen von Gothia und Netrada sowie dem Einstieg bei Intervalor in Brasilien bereits wichtige Meilensteine beim Ausbau der strategischen Wachstumsplattformen Finanz- und E-Commerce-Dienstleistungen gesetzt.“

Achim Berg dagegen wird mit freundlichen Worten verabschiedet, auch wenn er Arvato umstrukturiert, unprofitables Geschäft aufgegeben und neue Bereiche aufgebaut hat – etwa durch die die Übernahmen des Finanzdienstleisters Gothia und des Ecommerce-Spezialisten Netrada. Er verlasse Bertelsmann „in freundschaftlichem Einvernehmen“, heißt es in der wortreichen Pressemitteilung mit lobenden Statements von Mohn und Rabe. Berg muss Bertelsmann mit sofortiger Wirkung verlassen, schreibt dagegen das Manager Magazin – und berichtet von Kritik an Berg mangels Erfolg und wegen einer hohen Fluktuation im Arvato-Management. Berg selbst bedankt sich „beim Aufsichtsrat und meinen Vorstandskollegen für die Unterstützung bei den richtungsweisenden Entscheidungen und Veränderungen in den vergangenen zwei Jahren. Wir trennen uns in aller Freundschaft. Ich wünsche dem Unternehmen und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern alles Gute für die Zukunft."

„Ich bin betrübt, dass drei extern besetzte Positionen im Vorstand nicht funktioniert haben", sagte Rabe zum Abschied von Berg auch noch. Er kündigte für die zweite Jahreshälfte eine Lösung für die Nachfolge von Finanzchefin Judith Hartmann an; von der Österreicherin hatte man sich bereits Anfang 2015 getrennt. 2013 hatte Thomas Hesse den Bertelsmann-Vorstand verlassen. Rabe weiß auch nicht, warum Externe es so schwer haben in Gütersloh.

www.bertelsmann.de

www.arvato.de

www.arvato-systems.de

Bildquelle: Bertelsmann

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