Interview mit Volker Blöchl, Geschäftsführer des Supply-Chain-Experten GIB

Bessere Planung senkt Supply-Chain-Risiken

Funktionierende Supply Chains sind das Bindeglied der globalen Wirtschaft. Um ihr Funktionieren selbst unter widrigen Umständen zu garantieren und die vielfältigen Risiken zu minimieren, ist heutzutage eine effektive Software-Unterstützung gefragt. Dzu befragten wir ­Volker Blöchl, Geschäftsführer der GIB Sales & Development GmbH. Der ­Siegener SAP-Partner hat es sich zur Aufgabe gemacht, logistische Prozesse in SAP-­Systemen zu implementieren – und versteht sich selbst seit 25 Jahren als Supply-Chain-Optimierer.

  • GIB-Geschäftsführer Volker Blöchl: „Wir lösen uns davon, einzelne Abschnitte im Supply-Chain-Prozess separat zu betrachten und blicken auf die Prozesskette insgesamt.“

  • GIB-Geschäftsführer Volker Blöchl

    GIB-Geschäftsführer Volker Blöchl: „Die Komplexität, Abhängig­keit und Anfälligkeit der internen Supply Chain von unendlich vielen Variablen macht es unmöglich, die Prozesse auf dem Papier zu dokumentieren und auf Zuruf zu steuern.“

  • GIB-Geschäftsführer Volker Blöchl

    GIB-Geschäftsführer Volker Blöchl: „Erst wenn jeder weiß, was der andere tut und warum das für den Gesamtprozess ­wichtig ist, wird es statt ­Rivalität und Geheimnis­krämerei ein ‚Miteinander‘ im Wertschöpfungsprozess geben.“

Die Risiken in den globalen Märkten und Lieferantennetzwerken nehmen weiter zu. So gut wie jedes Unternehmen ist davon betroffen. Doch die wenigsten halten Maßnahmenpläne parat, um im Ernstfall – wie jetzt bei Corona – schnell auf Lieferausfälle reagieren zu können. Das ist das Ergebnis der Studie „Supply Chain Risk Management – Heraus­forderungen und Status quo 2020“, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) zum dritten Mal durchgeführt hat.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dabei gibt es plötzliche Lieferausfälle durchaus regelmäßig: Laut Umfrage berichtet jedes zweite Unternehmen von bis zu fünf Störungen innerhalb eines Jahres, die den Geschäftsablauf beeinträchtigt haben. Das ist eine Steigerung von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Nur 14 Prozent der Firmen sind in den vergangenen zwölf Monaten verschont geblieben. Trotzdem hat nur ein Viertel aller Befragten Notfallpläne definiert, um auf ­Störungen vorbereitet zu sein – obwohl die Folgen von Lieferkettenunterbrechungen gravierend sind. Über der Hälfte der Befragten beklagt Umsatzverluste, Produktivitätseinbußen (+7 Prozent zum Vorjahr) und erhöhte Betriebskosten (+8 Prozent).

„Einkäufer, Logistiker und Supply-Chain-Manager haben sich in den vergangenen Jahren mit einer Vielzahl von Krisen auseinandersetzen müssen. Allein die Lockdowns aufgrund der Corona-Pandemie ließen viele Lieferketten rund um den Globus stocken oder gar reißen“, betont BME-Hauptgeschäftsführer Dr. Silvius Grobosch.

Daher gelte es, „sich für künftige Engpässe bestmöglich zu rüsten und mög­liche Störungen in der Lieferkette durch ein proaktives Risikomanagement signifikant zu verringern oder komplett auszuschalten.“Das Pandemie-Risiko wurde erstmals zur Liste hinzugefügt und steht an fünfter Stelle. An erster Stelle der Gefährdungen bleiben politische Risiken, doch darauf folgen Lieferanteninsolvenz- und Cyber-Sicherheitsrisiken, die gegenüber der letzten Umfrage deutlich um 50 Prozent bzw. 18 Prozent häufiger genannt werden. Auch die Themen Nachhaltigkeit und Compliance sind aktueller denn je. Die Unternehmen sehen sich strengeren Sorgfalts- und Haftungsregeln, wie etwa durch das geplante Lieferkettengesetz, ausgesetzt.

Vor diesem Hintergrund befragten wir ­Volker Blöchl, Geschäftsführer der GIB Sales & Development GmbH. Der ­Siegener SAP-Partner hat es sich zur Aufgabe gemacht, logistische Prozesse in SAP-­Systemen zu implementieren – und versteht sich selbst als Supply-Chain-Optimierer.

Der Siegener Softwarehersteller GIB ist seit 25 Jahren unterwegs Richtung digitaler Zukunft. Auf Basis der Erfahrung mit mittlerweile über 40.000 Anwendern werden innovative Lösungen in den Bereichen Industrie 4.0, IoT und Supply-Chain-Management entwickelt. Durch die Zugehörigkeit zur familiengeführten, mittelständischen Unternehmensgruppe ifm will GIB die Internationalität und Innovations­kraft einer wachsenden Unternehmensgruppe mit der Flexibilität und Kundennähe eines Mittelständlers vereinen.

Herr Blöchl, effiziente Logistik ist keine Zauberei, sondern harte Arbeit und viel Gehirnschmalz. Was ist aus Sicht der IT dafür entscheidend, dass nichts ins Stocken gerät?
Volker Blöchl
: Wir haben in den ­vergangenen Jahren immer wieder über „Big Data“ gesprochen und uns über moderne Technologien gefreut, die es möglich machen, gigantische Datenmengen zu sammeln und zu speichern. Vielerorts ist Big Data jedoch zum Datenfriedhof geworden, der bestenfalls noch verwaltet, aber nicht genutzt wird.
Eine große Herausforderung ist es, Daten zu Informationen zu bündeln, auszuwerten und für den richtigen User nutzbar zu machen. Wenn wir über die systemseitige Begleitung der Intralogistik sprechen, so finden wir in den ERP-Systemen wahre Goldgruben.

Wie kann das funktionieren?
Blöchl
: Wir können Materialbewegungen im kompletten Wertschöpfungsprozess ­verfolgen, wir können Produktionsprozesse digital überwachen und steuern, wir können das Controlling mit allen notwendigen Informationen versorgen, die Unternehmensleitung up to date halten, den Einkauf unterstützen usw.
Die Herausforderung liegt a) darin, die Prozesse zu verstehen und zu erkennen, welche Informationen wo und von wem benötigt werden, b) die Brücke zum Core zu schlagen und zu verstehen wie die Datenbank funktioniert, um die „richtigen“ Informationen herauszufiltern und User-gerecht anzubieten sowie c) die Datenqualität stets auf Top-Level zu halten. Letzteres ist eine zentrale Aufgabe der Fachabteilungen im Unternehmen selbst.

Was ist dabei die große Herausforderung für die IT?
Blöchl
: Die Geschwindigkeit! Wir sind heute nicht mehr bereit, minutenlang auf Auswertungen und Ergebnisse zu warten. Deshalb ist es wichtig, offen zu sein für neue Technologien und neue Services, wie z.B. für In-Memory-­Datenmanagement-Technologien, die Auslagerung der Datenhaltung an Serverfarmen sowie SaaS- und PaaS-Angebote in der Cloud.
Die IT- und die Fachabteilungen müssen also „open minded“ sein, wie es Neudeutsch so schön heißt. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Technologie und die damit verbunden Pro­zesse ändern, wächst nicht mehr linear, sondern exponentiell. Das bedeutet für alle Beteiligten, dass sie immer weiter lernen müssen, immer die Augen offenhalten müssen, Trends erkennen müssen, rechtzeitig handeln müssen und dabei dennoch überlegt handeln und gut kalkulieren müssen. Wir befinden uns als Mitarbeiter in einem dauerhaften Change-Prozess – das wäre vor 30 Jahren gar nicht vorstellbar gewesen!

Welche Technologien und Funktionen sind bei der Weiterentwicklung bzw. Verbesserung bewährter Logistik- und Supply-Chain-Software entscheidend?
Blöchl
: Elementar ist die Verknüpfung der Geschäftsprozess-Ebene mit der Produktions­ebene. In den meisten Betrieben finden wir ja bis zum heutigen Tag eine strikte Trennung von OT und IT. Historisch gesehen nachvollziehbar sind die Gründe, aus denen die Produktionsebene abgeschottet wurde – vor internen und externen Angriffen oder vor Fehlern.
Die Gefahren sind auch heute nicht weg­­­zudiskutieren. Jedoch müssen sich Unternehmen die Frage stellen, ob sie mit den „Parallelwelten“ zukunftsfähig sind. Die Supply Chain stellt einen zentralen Erfolgsfaktor im Unternehmen dar: Richtig orchestriert, bietet sie unendlich viele kleine und große Stellschrauben, um Kosten zu senken, die Effizienz zu erhöhen, Kapital sinnvoller umzuschichten, den Warenfluss zu beschleu­ni­gen, den Lieferservicegrad zu erhöhen – und durch all das Wettbewerbsvorteile zu erzielen.

Welche neuen Wettbewerbsvorteile lassen sich denn auf dem Shopfloor kreieren?
Blöchl
: Bislang wurden die Erfolge auf der Geschäftsprozessebene realisiert, unterstützt durch ein leistungsstarkes ERP-System. Wenn aber künftig durch moderne Sensorik und Automatisierungstechnik Informationen aus der Produktion einfließen und genutzt werden können, öffnen sich neue Welten, sowohl in der Optimierung der Prozesse, als auch für Innovationen.
Wenn die Systeme perfekt miteinander kommunizieren und interagieren, lassen sich Staus in Warenfluss und Produktion vermeiden, Wartungsarbeiten optimal und verschleißbezogen steuern (Stichwort „predictive maintenance“), verstopfte Lager und Korridore identifizieren, Auslastungen optimal gestalten u.v.m.
Wir verfolgen bei der horizontalen Digitali­sierung der Supply-Chain-Prozesse in der Regel das Ziel „schneller“ zu werden. Bei der vertikalen Digitalisierung, also der Anbindung der Produktionsebene, sprechen wir von der Möglichkeit, „echte“ Innovationen auf den Weg zu bringen.

GIB hat im vergangenen Jahr die neue Suite SCX – Supply Chain Excellence – vorgestellt. Was sind die wesentlichen Neuerungen?
Blöchl
: Grundsätzlich folgt die Logik der neuen Suite dem Prozessgedanken. Wir lösen uns davon, einzelne Abschnitte im ­Supply-Chain-Prozess separat zu betrachten und blicken auf die Prozess­­­kette insgesamt. So wollen wir Silo­denken und Inselwissen auflösen und konträre Ziele unter einen Hut bringen.
Systemseitig setzten wir diesen Anspruch um, indem wir – sofern sinnvoll – Daten aus vor- oder nachgelagerten Prozessen verfügbar machen, und indem wir Funktionsbausteine und Logiken, die für einen bestimmten Prozessabschnitt programmiert wurden, auch anderen Bereichen zur Verfügung stellen. Damit schaffen wir eine noch nie dagewesene Transparenz und unterstützen das Verständnis der Fachabteilungen untereinander. Erst wenn jeder weiß, was der andere tut und warum das für den Gesamt­prozess wichtig ist, wird es statt Rivalität und Geheimniskrämerei ein „Miteinander“ im Wertschöpfungsprozess geben.
Die wohl radikalste Neuerung in der Suite ist das Indikatoren-System. Hier wird ein neuer Denkansatz geschaffen, ein Benchmark für den unternehmensinternen Wettbewerb und für den externen Vergleich. Die Indikatoren zeigen den Handlungsbedarf in der Supply Chain an. Ein Prozentwert verrät plakativ, ob alle Prozesse im „grünen Bereich“ liegen oder nicht. Mit intuitiv bedienbaren Kacheln im Fiori-Design drillt sich der Anwender von der Gesamtprozessbetrachtung über die Qualitätsmessung der einzelnen Prozessabschnitte bis zu den KPIs herunter. So können Vorstände, Manager und Key-User, je nach Berechtigung, jederzeit auf einfache Art und Weise Mängel identifizieren.

Wie funktioniert das?
Blöchl
: Vom Kennzahlensystem ausgehend, springt der User direkt zur relevanten Tätigkeit. So lassen sich kleinere Fehler, z.B. in der Stammdatenpflege, sofort beheben. Die Erfolgs­meldung in Form eines gestiegenen Indikatorenwertes ist so in Echtzeit zu bestaunen.
Auch firmenübergreifend kann ein Vergleich gewagt werden, denn unabhängig davon, ob ­Teddys oder Passagiermaschinen gefertigt werden, folgt der idealtypische ­Supply-Chain-Prozess ­bestimmten Maßgaben, wie z.B. der Klassifizierung von Materialien, der Termin- und Mengen­treue, dem Lieferservicegrad oder der Prozessgüte in der Absatzplanung.
Praktisch und User-freundlich an der SCX Suite ist, dass sie gleichzeitig die strategische Planung und die operative Umsetzung ermöglicht. Damit der User jederzeit weiß, wo genau im Prozess er sich gerade befindet, wird stets eine übersichtliche Baumstruktur eingeblendet.

Sie sagen: Im Supply-Chain-Managements müssen wir die Prozesse ganzheitlich im Blick haben. Was meinen Sie damit – und wo sehen Sie die Vorteile?
Blöchl
: Der Absatzplaner kann z.B. mit der ­Analyse beginnen, ob alle relevanten Daten in seinem Plan berücksichtigt sind oder ob er noch weitere Informationen beisteuern sollte. Er kann seinen Plan anpassen und die Auswirkungen in der Praxis simulieren, also den Plan updaten. Sodann bringt er den Absatzplan auf den Weg, sodass dieser für nachgelagerte Prozessen bereit­steht und eine solide Materialbedarfs­planung, Produktionsplanung etc. ermöglicht.
Am Ende der Execution-Phase prüft der Absatzplaner die Planungsgüte und opti­miert seine Vorgehensweise, z.B. durch Einbezug weiterer Informationsquellen oder durch eine passendere Auswahl der statistischen Verfahren. Diese Schleife – Analyse, Planung, Execution und Optimierung oder kurz APEO – wiederholt sich in jedem Abschnitt der Prozess­kette: In Herstellung, Beschaffung und Lagerverwaltung.
Ein weiterer neuer Ansatz ist, dass das komplette Informationsangebot und alle Tätigkeiten einem Optimierungsprozess unterliegen und auch genau in dieser Form angeboten werden. Der User wird nach dem APEO-Prinzip durch die Anwendung geleitet. Er steigt über ein modernes Dashboard im Fiori-Design in die Anwendung ein und hat durch ein rollenbasiertes Benutzersystem, alle für ihn relevanten Durchführungs­zeiten auf einen Blick.

GIB positioniert sich ja als „Prozess-Verbesserer“. In welchen Branchen und in welchen Einsatzfeldern?
Blöchl
: Unsere Wurzeln – und damit auch die meisten Erfahrungswerte – haben wir in der Automobilzuliefererindustrie gesammelt. Das ist unschwer an unserer Referenzkundenliste zu erkennen. Dabei haben wir im Laufe der Jahrzehnte SCM-Beratung und -Programmie­rung gelernt, dass „das Garen im eigenen Saft“ der schlechteste Berater ist bei dem Versuch, Prozesse zu optimieren und das Quäntchen besser zu sein als der Wettbewerb.
Die wertvollsten Impulse liefern wir, weil wir nach 25 Jahren viele Prozesse in der Einzel­fertigung, Serienfertigung, Fließfertigung, in der Prozessindustrie, ja sogar im Handel und im Dienstleistungssektor kennengelernt haben. Wir kennen große und kleine, global und national tätige Unternehmen – und wir kennen ihre Prozesse. Das Ausbrechen aus dem gewohnten Fahrwasser, erlaubt viel radikalere Denkansätze. Anstatt das Mofa mit einem Düsenantrieb und einem größeren Fahrradkorb auszustatten, könnte man vielleicht einfach den Zug nehmen. Wir geben Impulse, wir unterstützen dabei, die Perspektive zu wechseln. Wir stellen Fragen. Die Antworten werden dann im Unternehmen selbst gefunden oder entwickelt.

Sie geben also Denkanstöße – und sie liefern die SCX Suite. Wie schaffen Sie es, die Prozesse wirksam zu unterstützen und gezielt zu verbessern?
Blöchl
: Supply-Chain-Prozesse waren schon immer kompliziert, weil bereichsübergreifend gearbeitet wird und weil die ganze Kette nur so gut ist wie das fragilste Glied. Da können schon fehlende Schmiermittel oder Komma­feh­ler in der Absatzplanung Probleme machen.
Heute wirken sich auf die Wertschöpfungs­prozesse zusätzlich – und das viel stärker als noch vor 20 Jahren – die externen Einflüsse und die eigenen Ansprüche aus. Die globale Vernetzung betrifft selbst nationale Player gravierend, denn mittelbar gibt es heute immer Abhängigkeiten über Zulieferer, Hersteller und andere Marktteilnehmer. Die Preistransparenz auf Beschaffungs- und Absatzseite tut ihr Übriges.
Nicht zu vergessen sind das Votum der ­Analysten und das Damokles-Schwert der Börse. Hier wirken sich teilweise Statements aus, die nur durch vorauseilenden Gehorsam der Marktteil­­­­nehmer zu realen Ereignissen werden.
Die Komplexität der Supply Chain und ihre Abhängigkeit von sehr vielen Variablen, hat es längst unmöglich gemacht, die Pro­zesse auf dem Papier zu dokumentieren und auf Zuruf zu steuern. Ein mitwachsendes Softwaresystem, das wie unsere SCX-Suite mit allen relevanten Daten gefüttert werden kann, ist daher notwendig. Damit können Fehler aufgedeckt, Handlungsempfehlungen gegeben und Sicherheit im Tun vermittelt werden.

Verstehe ich das richtig: Mit SCX wenden Sie sich ganz speziell an Unternehmen, die bereits das neue SAP-System S/4 Hana im Einsatz haben?
Blöchl
: Ja. SCX basiert auf der modernen S/4-Hana-Technologie. Nur so können wir ­Supply-Chain-Prozesse von A bis Z performant, allumfassend und in Echtzeit darstellen und steuern. Die neue Technologie bietet Raum für Innovationen, wie z.B. das erwähnte ­Indikatoren-Modell, das auf Knopfdruck die Qualität der Supply-Chain-Prozesse anzeigt.
Auch der Einbezug von Shopfloor-Daten in die Geschäftsprozesssteuerung ist mit der alten R/3-Technologie nur schwer zu bewerkstelligen. Natürlich nehmen wir ein Downgrade von Funktionen vor, sofern es machbar ist. So lassen wir unsere Bestandskunden an den ausgeklügelten Prozessfeatures partizipieren, aber das ist technisch nicht immer möglich. Manches Mal sind es zum Beispiel die Antwort- oder die Laufzeiten, die Downgrades ­inakzeptabel machen.
Unterstützen Sie denn auch Unternehmen, die noch die SAP Business Suite im

Einsatz haben, beim Weg hin zu S/4 Hana?
Blöch
l: Ja, natürlich – wir lassen unsere Kunden selbstverständlich nicht allein! Wir haben schon viele erfolgreiche Migrationen begleitet. Nicht selten waren wir der Garant für erfolgreiches Arbeiten in der neuen Welt.
Unsere Software ist SAP-zertifiziert, um jedem Unternehmen die Sicherheit zu geben, dass wir im Standard nahtlos eingebettet sind. Seit September sind wir sogar für die Cloud-­Version von S/4 Hana zertifiziert. Damit zählen wir weltweit zu den wenigen ausgewählten Pi­onieren, die dieses Gütesiegel tragen dürfen. Wir begleiten gerade einen Kunden beim Wechsel in die S/4-Cloud. Das Unternehmen hatte sich strikt geweigert, dorthin ohne GIB Manufacturing zu migrieren. Das war ein ­wesentlicher Treiber für uns, die Zertifizierung noch in diesem Jahr durchzuziehen.
Insgesamt sehen wir uns als Enabler für  S/4 Hana, da wir entscheidende Vorteile bieten. Zum einen arbeitet der User im gewohnten Umfeld auch operativ weiter, es gibt somit keine Akzeptanzprobleme. Zum anderen garantieren wir, dass alle Funktionen weiterhin verfügbar sind. Das bedeutet Kontinuität im Prozess­ablauf. On top bieten wir neue Intelligenz, auch für das Management. Das Ganze performanter als zuvor und, falls gewünscht, mit modernen und User-freundlichen Fiori-Designs.

Das Internet of Things ist omnipräsent – auch in der Logistik. Welche Rolle spielt es heute, welche Rolle wird es in Zukunft spielen?
Blöchl
: Für uns ist IoT schon seit Jahren ein zentrales Thema, steht es doch im Zentrum der Kolla­boration mit unserer Konzernmutter ifm. Es geht uns um das „Industriell Internet of Things“, denn das IIoT ist die Basis für die Verheiratung des Shopfloors mit den Geschäftsprozessen.
Schon vor Jahren haben wir bei GIB eine Lösung entwickelt, die sensorbasierte Shopfloor-Daten an die richtige Stelle im ERP-System bringt. Dort werden dann automatisch Meldungen und Alerts ausgelöst, Informationen bereitgestellt und ­ab­gelegt, Messdaten ausgewertet oder Bestellungen abgeschickt. Das hört sich einfach an und ist auch einfach zu installieren und zu benutzen, aber jeder, der weiß, wie verzweigt und umfangreich ein logistisches ERP System ist, kann sich vorstellen, dass für die Entwicklung dieser Software jede Menge Entwickler- und Prozessintelligenz notwendig war.
Doch das war nur der Anfang: Heute forschen wir mit einem eigens dafür gegründeten Team nach den besten Anknüpfungspunkten ­zwischen Produktion und Geschäftsprozess. Wo ist der Informationsaustausch am gewinnbringendsten, wo sind entsprechende Daten zu finden, wie lassen sie sich generieren und aggregieren?
Für uns ist klar: Der entscheidende Innovations­schub in den Unternehmen wird durch die ­verti­kale Digitalisierung erfolgen.

Herr Blöchl, vielen Dank für das Interview!

Bildquelle: Gerrit Bender

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