Datenschützer zögern mit klaren Aussagen zur Blockchain-Technologie

Bitkom fordert mehr Rechtssicherheit

Bitkom, der Verband der IT-Branche, warnt angesichts zahlreicher offener Fragen zum Datenschutz vor Verzögerungen beim Einsatz der Blockchain-Technologie in Deutschland. Zugleich erhofft sich Bitkom vom morgigen Roundtable zum Thema Blockchain und Datenschutz im Bundeswirtschaftsministerium wichtige Weichenstellungen.

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„Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, ganze Branchen grundlegend zu verändern. Und Deutschland hat die Chance, eine führende Rolle in der Blockchain-Anwendung und –Entwicklung einzunehmen“, sagt Patrick Hansen, Bereichsleiter Blockchain beim Bitkom. „Die Bundesregierung hat diese Chance erkannt und eine Blockchain-Strategie beschlossen, um der Technologie zum Durchbruch zu verhelfen. Damit das gelingt, müssen wir aber schnellstmöglich die bestehenden rechtlichen Unsicherheiten ausräumen.“

Laut einer Bitkom-Umfrage sagen beinahe sechs von zehn Unternehmen (59 Prozent), dass die Blockchain große Bedeutung für die künftige Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen habe. Zugleich geben aber auch zwei Drittel (66 Prozent) der Unternehmen an, dass Datenschutzanforderungen eine der Herausforderungen beim Blockchain-Einsatz hierzulande sind.

Bei der Blockchain-Technologie werden Daten nicht mehr wie bei klassischen OLTP-Systemen zentral auf einem Server gespeichert, sondern dezentral, verteilt in einem Netzwerk von Rechnern. Technisch wird sichergestellt, dass einmal auf einer Blockchain hinterlegte Daten nicht mehr geändert werden können. Damit ist keine zentrale Instanz notwendig, der alle Marktteilnehmer vertrauen müssen, es kann auch kein zentraler Speicherort von Kriminellen angegriffen oder durch technische Störungen lahmgelegt werden. Je offener und zugangsfreier das gewählte Blockchain-System, desto größer sind die Schwierigkeiten bei der Umsetzung der Datenschutzanforderungen

Beim Einsatz der Blockchain ist aber aufgrund der europäischen Datenschutzgrundverordnung u.a. offen, ob die für die Technologie dringend notwendigen Hash-Werte und Public Keys als Daten mit Personenbezug gelten müssen und die Verarbeitung entsprechend datenschutzrechtlichen Anforderungen unterliegt. Außerdem ist offen, ob die für den Betrieb einer Blockchain notwendigen sogenannten „Miner“ und „Nodes“ datenschutzrechtlich als gemeinsam Verantwortliche oder Auftragsverarbeiter gelten.

Fehlende Innovationsoffenheit

Rechtssicherheit wird aber nach Einschätzung des Bitkom entscheidend dafür sein, ob Anbieter Blockchain-Technologien und -Anwendungen entwickeln und nutzen werden. Auch andere datenschutzrechtliche Vorschriften sind mit der Blockchain-Technologie kaum in Einklang zu bringen – was die fehlende Innovationsoffenheit der Datenschutzvorgaben verdeutlicht.

Beispielsweise steht der Grundsatz der Speicherbegrenzung im Widerspruch des Blockchain-Gedankens, alle Transaktionen ewig nachvollziehen zu können. Auch das in der Datenschutz-Grundverordnung verankerte Recht von Betroffenen, ihre gespeicherten Daten korrigieren oder löschen zu lassen, kollidiert mit der Revisionssicherheit der Blockchain, die nachträgliche Veränderungen grundsätzlich ausschließt. „Wir brauchen dringend Klarheit beim Einsatz der Blockchain in Deutschland. Eine klärende Stellungnahme der Datenschutzbehörden zu den vielen offenen Fragen wäre schon ein großer Schritt in Richtung Rechtssicherheit“, so Hansen.

Der Verband vor diesem Hintergrund heute ein Übersichtspapier zum Thema „Blockchain & Datenschutz“ veröffentlicht, das zum Download bereitsteht. Die Bitkom-Stellungnahme zur Blockchain-Strategie der Bundesregierung steht hier zum Download bereit.

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