Neues Management für holländischen IT-Dienstleister

Centric im Umbruch

Im deutschsprachigen Raum hat Centric laut Geschäftsführer Steven Wernike „auch unter Corona-Bedingungen das Geschäft rund um SAP HCM weiter ausbauen können“. Anders die holländische Mutter: Sie verbuchte einen Umsatzrückgang von knapp 482 Mio. Euro auf 437 Mio. Euro. Allerdings wuchs der Nettogewinn von 9,6 Mio. im Jahr 2019 auf 14 Mio. Euro – und damit um über 40 Prozent. Im Management gab es ein Revirement – und mit Johan Taams einen neuen CEO.

Centric-CEO Johan Taams

Johan Taams soll Centric als neuer CEO nach dem Rücktritt von Firmengründer und -eigentümer Gerard Sanderink wieder in ein ruhiges Fahrwasser führen.

Der internationale IT-Dienstleister Centric hat im Oktober seinen Jahresbericht für das Geschäftsjahr 2020 veröffentlicht. Obwohl die Rentabilität gestiegen ist, liegt der Umsatz unter dem des Vorjahres. Dies wird zum einen mit der Corona-Pandemie begründet, die zu einer vorübergehend geringeren Kundennachfrage führte, und zum anderen mit aufgeschobenen Investitionen aufgrund dieser unsicheren Zeit.

Das vergangene Geschäftsjahr wurde genutzt, um wichtige Weichenstellungen in Richtung einer zukunftssicheren neuen Organisation vorzunehmen; zudem wurden beträchtliche Investitionen getätigt. Mit Henny Luijrink (CEO), Patrick Rosengarten (CFO) und Louis Luijten (nicht geschäftsführendes Mitglied) traten 2020 drei neue Vorstandsmitglieder ihr Amt an. Luijten übernahm Anfang des Jahres nach dem Rücktritt des Centric-Gründers und -Eigentümers Gerard Sanderink nach zahllosen Skandalen, bei denen viel Glaubwürdigkeit verspielt wurde, auch den Vorsitz des Verwaltungsrats.

Mit Wirkung vom 1. August 2021 wurde dann Johan Taams neuer CEO und Mitglied des Verwaltungsrats. Er trat die Nachfolge von Luijrink an, der in diesem Jahr in den Ruhestand geht. Im Jahr 2021 wurde außerdem der nicht geschäftsführende Vorstand durch den ehemaligen IBM-Topmanager Peter Mous weiter verstärkt. Nach dem Ende der Ära Sanderink, der aber nach wie vor Eigentümer der Firma ist, sollte ein kompletter „Reset“ der Strategie dem IT-Dienstleister wieder neuen Schwung verleihen.

Deshalb sieht man bei Centric wieder optimistisch in die Zukunft, denn nach der turbulenten Zeit habe „das neue Management wichtige strategische Schritte in Richtung einer zukunftssicheren Organisation unternommen“: Es gebe eine solide strategische Basis, der Nettogewinn stieg auf 14 Mio. Euro und es wurden beträchtliche Investitionen getätigt, um das Unternehmen weiter auf die Zukunft vorzubereiten, etwa durch eine Neubewertung der Strategie, die Investition in ein neues CRM-System und eine enge Partnerschaft mit Microsoft in Sachen Cloud Computing.

Centric Deutschland mit klarem Fokus

Die über 20 Mitarbeiter starke deutsche Centric IT Solutions GmbH hat im Geschäftsjahr 2020 weitere Centric-Produkte an Success Factors angebunden. Die strategische Geschäftsausrichtung der Essener liegt nun vollständig auf dem erfolgreichen Kerngeschäft der SAP HCM Add-On-Tools; in diesem Zuge wurde die Business-Unit Oracle/JD Edwards an die Firma Steltix verkauft.

„Im DACH-Bereich gehören wir mit über 400 Bestandskunden aus allen Branchen inzwischen zu den führenden Anbietern von Audit- & Compliance-Software für SAP HCM“, erklärt Wernike. Der Ausbau des Cloud-Geschäfts obliege der im Juni 2020 gegründete Centric Cloud Solutions GmbH; sie entwickelt neue Lösungen rund um SAP HCM und Success Factors und soll auch die Produkte der Centric IT Solutions GmbH im Cloud-Umfeld etablieren.

In den kommenden Jahren soll sich Centric noch stärker auf Prozesse und Systeme in seinen Kernmärkten Öffentlicher Sektor, Einzelhandel und Finanzdienstleister konzentrieren, sagt CEO Taams: „Tiefgreifendes Wissen über unsere Zielmärkte, deren Prozesse und unsere Kunden zeichnen Centric aus. Hinzu kommt das heute erforderliche Know-how für neue Entwicklungen wie Data Science, Virtual Reality und die aktuellen Trends in der Informationssicherheit.“

Centric bietet Software, IT- und Geschäftsprozess-Outsourcing sowie IT- und Personaldienstleistungen an. Centric Deutschland fokussiert sich auf Lösungen für SAP HCM und Success Factors mit On-Premises- und Cloud-Technologien; die Add-Ons und Service reichen von der Effizienzsteigerung und Qualitätssicherung von Personalprozessen über Datenmigration, Beratung und Schulung bis hin zum Support. Die Belegschaft ist inzwischen auf 3.600 Menschen geschrumpft. 2011 wurden mit seinerzeit über 5.000 Mitarbeitern noch 529 Mio. Euro Umsatz erwirtschaftet. Seither war der Umsatz jedes Jahr gesunken, bis er 2016 mit 451,6 Mio. Euro den Tiefpunkt erreicht hatte. Danach stieg der Umsatz wieder bis 2019, wobei die Gesellschaft immer profitabel war.

Bildquelle: Centric

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