Turn-Around-Manager Christoph Kurpinski: Restrukturierung zeitigt Erfolge
Nach den millionenschweren Verlusten der vergangenen Jahre in Deutschland hat der im September 2011 angetretene Turn-Around-Manager Christoph Kurpinski mit der Restrukturierung offenbar Erfolg. Sie war geprägt durch einen Abbau der Belegschaft, ein Squeeze-out der Minderheitsaktionäre und das Delisting der Münchener Comarch Software und Beratung AG von der Börse sowie die gleichzeitige Investition in das verbesserte Comarch ECM oder das brandneue Comarch Finance. Das Mitte 2009 gestartete Programm DASD – „Decentralization of organization, lean Administration, Sales driven organization, Development increase“ zur Kostenreduktion, Verschlankung der Strukturen, marktnahen Ausrichtung und Erweiterung der Softwareentwicklung wurde im ersten Halbjahr 2012 beendet.
Der Gesamtumsatz ist (bei Einbeziehung von Comarch Schilling in die Vorjahresvergleichswerte) von 24,0 auf 21,5 Mio. Euro zurückgegangen. Denn auch wenn die wirtschaftliche Entwicklung 2012 im deutschsprachigen Raum gut war und das deutsche Bruttoinlandsprodukt weiter wuchs, bestanden im Mittelstand – dem Zielmarkt von Comarch - weiterhin Probleme. „Vielen Kunden und Interessenten fällt es weiterhin schwer, anspruchsvolle Softwareprojekte zu finanzieren, bereits begonnene Projekte wurden aufgrund fehlender Finanzierung unterbrochen oder zeitlich gestreckt“, erklärte Pressesprecherin Martina List auf Anfrage von DV-Dialog. Deshalb habe man eine „Mietlösung“ in Form eines Cloud-Angebotes entwickelt, um die Umsetzung von Softwareprojekten zu erleichtern.
Für das Geschäftsfeld Software meldet Comarch ein starkes Umsatzwachstum um 1,9 Mio. Euro auf 3,9 Mio. Euro (Vj. 2,0 Mio. Euro). Im Geschäftsfeld Wartung gab es 2012 einen Umsatzrückgang um 0,7 Mio. Euro auf 9,1 Mio. Euro (Vj. 9,8). Im dritten Geschäftsfeld Beratung ging der Umsatz um 1,0 Mio. Euro auf 8,1 Mio. Euro zurück (Vj. 9,0 Mio. Euro). Im Geschäftsfeld Hardware gab es einen Umsatzrückgang auf 0,4 Mio. Euro (Vj. 3,2 Mio. Euro).
Das operative Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA), war erstmals seit dem Jahr 2008 positiv und verbesserte sich gegenüber dem Vorjahr um 5,4 Mio. Euro auf 2,5 Mio. Euro (Vj. -2,9 Mio. Euro). Beim EBT ergab sich ein Ergebnis von 0,2 Mio. Euro (Vj. –5,5 Mio. Euro). In diesen Zahlen sind Buchverluste durch eine Firmenwertabschreibung in Höhe von 2,1 Mio. Euro (Vj. 1,1 Mio. Euro) enthalten.
In Deutschland betreut Comarch heute nach eigenen Angaben mit noch rund 300 Mitarbeitern an 14 Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz über 3.000 Kunden. Weltweit erzielte das Unternehmen mit Hauptsitz in Krakau und ca. 3.759 Mitarbeitern in 19 Ländern einen Umsatz von knapp 884 Mio. Zloty (213 Mio. Euro, +11,0 Prozent).
Bildquelle: Comarch Software und Beratung AG