Fachmesse Logimat meldet bestes Ergebnis seit Bestehen

Comeback nach Corona

Vom 25. bis 27. April öffnete in Stuttgart wieder die Fachmesse Logimat ihre Pforten, nach dem Restart Anfang Juni 2022. Corona-bedingt musste die Messe 2020 ausfallen, 2021 fand sie nur digital statt. Das Fazit in diesem Jahr: Stabile Ausstellerzahl, erneut volle Flächenauslastung und stärkster Besucheransturm seit 20 Jahren. Während der drei Messetage kamen insgesamt 62.343 Besucher (+25 %), sogar mehr als im Vor-Pandemiejahr 2019.

  • Während der drei Messetage kamen insgesamt 62.343 Fachbesucher (+25 %) zur Logimat nach Stuttgart.

  • Vom 25. bis 27. April fand in Stuttgart wieder die Fachmesse Logimat statt.

  • Nachhaltigkeit war auch ein großes Thema in Stuttgart.

  • Unter den mehr als 100 Produktpremieren waren auch etliche Weltneuheiten vertreten.

In den zehn Stuttgarter Messehallen präsentierten 1.563 Aussteller aus 39 Nationen ihre Entwicklungen. Von den 125.000 Quadratmetern genutzter Bruttoausstellungsfläche wurden netto 65.503 Quadratmeter (+8 %) genutzt – u.a. für mehr als 100 Produktpremieren. Darunter waren Weltneuheiten wie etwa der als „Bestes Produkt“ in der Kategorie „Kommissionier-, Förder-, Hebe-, Lagertechnik“ ausgezeichnete 3D-Ultraschallsensor „Toposens Echo One“, den die Meysens GmbH für akustische Erfassung entwickelt hat.

Automatisierung und digitale Transformation

Die Exponate der Aussteller und das Rahmenprogramm zielten vor allem auf Automatisierung, digitale Transformation und die Einbindung moderner Technologien wie Robotik, Sensorik und Künstliche Intelligenz (KI) zur Optimierung der innerbetrieblichen Prozesse. Zudem standen Lösungen rund um die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz im Fokus.

Bei den Warehouse-Managementsystemen (WMS) und Logistik-Suiten erkennt Messeleiter Michael Ruchty zwei Trends: „Die Anbieter arbeiten an der weiteren Vernetzung der Software-Landschaft möglichst mit Systemen aus einer Hand. Dabei ist eine Tendenz zu individualisierbarer Standardsoftware für die Logistik erkennbar. Sie lässt sich über Parametrisierung und Customizing auf die jeweils kundenspezifischen Anforderungen individuell zuschneiden – mitunter sogar von den Anwendern selbst.“ Auf Basis dieser Standardprodukte entwickeln mehrere Anbieter laut Ruchty zudem spezielle Branchenlösungen mit vordefinierten, modular konzipierten Funktionsumfängen, die oft aus der Cloud zu beziehen und kurzfristig einsetzbar sind.

Parallel dazu konzentrieren sich viele Softwareunternehmen bei ihren Neuentwicklungen für die Intralogistik auf die Erweiterung ihres Produktportfolios, insbesondere durch die Integration von Systemen und/oder Funktionen angrenzender Systeme der so genannten horizontalen Ebene sowie von Applikationen unterlagerter Subsysteme. „Neue Systeme, Systemmodule und Applikationen […] zum Transport- und Fuhrparkmanagement, zur Touren- und Ressourcenplanung oder zum Dock- und Yard-Management bilden in diesem Jahr eindeutig einen Schwerpunkt bei den […] Softwareanbietern“, analysiert Ruchty. Die Neuheiten wurden sowohl als Einzelsysteme wie auch als erweiterter Funktionsumfang von Lagerverwaltungs- und Materialflusssystemen vorgestellt.

Neuheiten beim Transportmanagement

So zeiget Soloplan Neuheiten rund um das Transportmanagementsystem (TMS) Carlo. Neue Funktionen, eine neu konzipierte Volltextsuche, eine File- und Web-API sowie voll integrierte OCR-Texterkennung sollen Logistikprozesse noch komfortabler automatisieren und Routinetätigkeiten vereinfachen und beschleunigen. Die C-Informationssysteme GmbH kam mit der neuen Version 5.8 ihrer Transportmanagementsoftware, an die Internetportale, Frachtenbörsen, Datendrehscheiben, Lösungen für Webservices sowie Mobilgeräte und Apps angebunden werden können.

Der Softwarehersteller LIS AG präsentierte mit der neuen Funktion „Grafisches Hallenlayout“ eine Weiterentwicklung für das Modul „Cross Docking Center“ seines TMS Winsped. Die aktuelle Version bildet Transportmittelwechsel im Hub grafisch ab, soll die Abwicklung von Teil- und Sammelladungstransporten vereinfachen und ist seit April in dem Modul verfügbar. Zur Optimierung der innerbetrieblichen Transporte stellt die ICS Group als Neuheit ihr Transportleitsystem (TLS) vor. Das Software-Modul ist als Web-Applikation verfügbar und soll neben effizienter Ressourcenplanung bei innerbetrieblichen Transporten die digitale Transformation fördern.

Kombinierte Funktionen diverser Module bietet das Softwarehaus Ortec nun mit der neuen Optimierungslösung „Routing and Dispatch“. ORD vereint die Kapazitäts-, Touren- und Ressourcen-Planung mit Disposition sowie Versand und ermöglicht es, kleinere Kommissionieraufträge als größere Lieferaufträgen etwa für Filialbelieferungen zu bündeln. Zudem wurde die Laderaumoptimierung „Load Optimization (OLO) als SaaS-Lösung (Software as a Service) vorgestellt. Die Ehrhardt+Partner-Gruppe präsentierte mit Greenplan eine neue Software zur Routenberechnung und Tourenplanung, die in die Supply-Chain-Execution-Suite EPG One eingebunden ist. Mit Analyse tageszeitabhängiger Verkehrsflussgeschwindigkeiten soll sich dabei die Einhaltung der vereinbarten Lieferzeiten auf mehr als 97 Prozent steigern lassen.

Digitale Lkw-Disposition

Deutliche Optimierungspotenziale bei der digitalen Lkw-Disposition verspricht auch die Opheo Solutions GmbH: Vorausschauende Planung (Predictive Planning) und Lkw-Disposition aus der Cloud sind neue Aspekte ihres KI-basierten Tourenoptimierungssystems. Mit der neuen Generation der Disponenten-Plattform Tislog Office Infodesk 5 und einer Cloud-Suite für das Fuhrparkmanagement will die TIS GmbH insbesondere kleineren Transportunternehmen den Einstieg in digitale Prozesssteuerung ermöglichen. Zur Koordinierung aufwendiger Prozesse auf dem Werksgelände präsentierte Leogistics erstmals eine neue Planungssoftware für das Yard-Management, die einen hybriden Ansatz von fest installiertem On-Premise- und Cloud-basiertem System verfolgt.

Hybride Software-Architekturen, etwa mit ERP-Kern und angereichert durch Cloud-Lösungen, werden immer öfter nachgefragt. Um flexibel auf Ereignisse reagieren zu können, die außerhalb der eigenen Kontrolle liegen, werden nicht selten Daten benötigt, die in der Cloud liegen. Sie müssen mit schnellem Zugriff aktiviert, in das unternehmenseigene IT-Netzwerk eingespielt und dort verarbeitet werden können. SAP beispielsweise kam mit automatisierten Lösungen im Bereich des Lager- und Transportmanagements sowie einer Lösung für die regelkonforme Zoll- und Außenwirtschaft nach Stuttgart.

Im SAP-Umfeld agierten mehrere Aussteller mit zusätzlichen Subsystemen, Modulen und Applikationen, so etwa Logiplus mit dem LP EasyWarehouseManager und einem neuen Add-On zur Integration verschiedener Automatisierungs-Hardware für die Echtzeit-Steuerung aus SAP EWM. Die Flexus AG stellte eine mobile Verlade-App für SAP EWM vor, mit der sich Verladeprozesse digitalisieren und Ladungsträger eindeutig und fehlerfrei erfassen lassen. Fotodokumentation, Unterschriftenerfassung und die Erstellung digitaler Versandpapiere werden automatisch in das SAP-System integriert.

Ausweitung der Cloud-Angebote

Neben der Ausweitung ihrer Cloud-Angebote verstärken die Softwareentwickler ihre Bemühungen, mit ihren Systemen und Applikationen Instrumente für Datenanalysen verfügbar zu machen. Dabei werden Systeme und Datenaustausch noch stärker vernetzt und KI-Logiken in das WMS integriert. Das soll belastbare Prognosen für den Ressourceneinsatz und Prozessoptimierungen ermöglichen. So zeigte etwa Softwareentwickler die TUP GmbH unter der Bezeichnung TUP.AI neue KI-Lösungen, die in die WMS eingebunden werden. Sie sollen Daten der Intralogistik analysieren sowie den operativen Arbeitsbetrieb unterstützen und optimieren.

Datenanalyse steht auch im Mittelpunkt der neuesten Entwicklungen, die die Paari GmbH für ihre Software Titan.Libra jüngst aufgelegt hat. Sie ermöglichen dem Aufgabenmanagement unter anderem neue Auswertungen durch Dashboards und individuell anpassbare Bedieneroberflächen. Die Hüngsberg GmbH hat mit Blick auf vernetzten Datenaustausch eine Lücke bei kleineren Unternehmen identifiziert. Webdax ist ein dafür neu entwickeltes EDI-Portal; für diese Cloud-Lösung ist lediglich ein Computer mit Internetanbindung erforderlich, so dass auch Unternehmen ohne ERP- oder EDI-System mit ihren Geschäftspartnern Dokumente austauschen können.

Die Box ID Systems GmbH stellte ein Management- und Analysesystem für das Daten- und Bestandsmanagement in der Logistik vor. Kern ist eine Data-Intelligence-Plattform, die als Cloud-Dienst angeboten wird. Sie soll es ermöglichen, eine beliebig hohe Menge an mobilen Tracking-Devices mit zusätzlichen weiteren Datenquellen etwa aus ERP-Systemen zu fusionieren, zu aggregieren und automatisiert auszuwerten.

Die Robert Bosch GmbH kam gemeinsam mit dem US-Cloudanbieter Amazon Web Services (AWS) und der Plattform Logistics Operating System, kurz Bosch L.OS, nach Stuttgart, die Logistik- und Speditionsunternehmen ab Mitte des Jahres auch in Deutschland angeboten wird. Ohne eigene, ressourcen- und kostenintensive IT-Projekte sollen Transport- und Logistikunternehmen damit Möglichkeiten der Digitalisierung stärker nutzen können.

Die eingetragene Genossenschaft Logenios zeigte ein Logistik-Gateway, das in Echtzeit den Informationsfluss zwischen allen Beteiligten einer Supply-Chain unterstützt. Ein „File Converter“ macht dabei aus statischen Daten verwertbare Informationen, die jeder Akteur – vom Versender über die Logistikdienstleister und Speditionen bis zum Transportunternehmer und Empfänger – erhält und direkt in sein eigene ERP-, TMS- oder Telematik-System überführen kann.

Übrigens: Die nächste Logimat findet vom 19. bis 21. März 2024 statt, wieder auf dem Messegelände in Stuttgart direkt am Flughafen.

Bildquelle: Logimat

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