17 Monate – die durchschnittliche Lebensdauer der Ransomware-Gruppen

Cyberangriffe verschärfen Lieferketten-Problematik

IBM Security veröffentlicht heute seinen alljährlichen X-Force Threat Intelligence Index. Dieser zeigt, dass der Einsatz von Ransomware und das Ausnutzen von Sicherheitslücken Unternehmen und ihren globalen Lieferketten im Jahr 2021 am meisten gefährdet haben; die Fertigungsindustrie war hierbei mit 23 Prozent aller Angriffe die weltweit am stärksten betroffene Branche. Europa ist demnach – nach Asien-Pazifik – die am zweitmeisten von Cyberangriffen betroffene Region.

Phishing war 2021 die häufigste Ursache für Cyberangriffe. IBM beobachtete zudem einen 33-prozentigen Anstieg solcher Angriffe, die Schwachstellen in ungepatchter Software ausnutzten. Dieses Einfallstor nutzten im Jahr 2021 weltweit 44 Prozent aller Ransomware-Attacken – mehr als jede andere Angriffsmethode. 

Der Report erläutert, wie Ransomware-Angreifer versuchten, globale Lieferketten zu unterbrechen. So löste die Fertigungsindustrie die Finanz- und Versicherungsdienstleister als bevorzugtes Angriffsziel ab. Das hat folgenden Grund: Angreifer setzten auf den Dominoeffekt, den Störungen bei Fertigungsunternehmen auf ihre nachgelagerten Lieferketten haben würden, um sie zur Zahlung des Lösegelds zu zwingen. Alarmierende 47 Prozent dieser Angriffe zielten auf IT-Schwachstellen ab, die die betroffenen Unternehmen noch nicht behoben hatten oder nicht beheben konnten. Das macht deutlich, dass Unternehmen dem Schwachstellenmanagement Priorität einräumen müssen.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse im diesjährigen Report: Ransomware-Gruppen trotzen Takedowns. Sie zeigten dabei trotz wachsender Erfolge beim Ausschalten einzelner Gruppen – Stichwort Emotet – keine Anzeichen für Schwäche. Laut dem Bericht beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Ransomware-Gruppe bis zur Ausschaltung oder Neuaufstellung 17 Monate. 

Strafverfolgungsbehörden können die Ransomware-Angreifer nicht nur aufhalten. Sie belasten sie durch die Verfolgung auch mit den Kosten, die für die Finanzierung ihrer Neuaufstellung oder den Wiederaufbau ihrer Infrastruktur erforderlich sind. Die Gruppe Revil zum Beispiel, die 2021 für 37 aller Ransomware-Angriffe verantwortlich war, bestand sogar vier Jahre lang und stellte sich immer wieder neu auf. Das deutet auf die Wahrscheinlichkeit hin, dass sie wieder auftaucht, obwohl sie Mitte 2021 durch eine internationale Polizeioperation ausgeschaltet wurde. ls Reaktion auf die verstärkte Bekämpfung durch die Strafverfolgungsbehörden aktivieren Ransomware-Gruppen möglicherweise ihre eigenen Disaster-Recovery-Pläne, vermuten die Security-Experten.

Weitere Erkenntnis: IT-Sicherheitslücken sind die größte Achillesferse von Unternehmen, denn ungepatchte IT-Schwachstellen waren bei Unternehmen in Europa, Asien sowie dem Mittleren Osten und Afrika im Jahr 2021 Ziel von fast jedem zweiten Angriff. Das zeigt, dass das Patchen von Schwachstellen das größte Sicherheitsproblem in den Unternehmen ist. Der Report zeigt auch einen 146-prozentigen Anstieg von neuem Linux-Ransomware-Code. Zudem nehmen die Angreifer verstärkt Docker ins Visier, vermutlich um Cloud-Umgebungen für böswillige Zwecke zu nutzen.  

„Cyberkriminelle sind normalerweise hinter Geld her. Mit Ransomware sind sie nun auf der Jagd nach Druckmitteln“, sagt Charles Henderson, Leiter von IBM X-Force. „Dies ist eine nicht-binäre Herausforderung. Die Angriffsfläche wird immer größer. Anstatt also davon auszugehen, dass alle Schwachstellen in ihrer Umgebung gepatcht sind, sollten Unternehmen davon ausgehen, dass sie kompromittiert sind, und ihr Schwachstellen-Management mit einer Zero-Trust-Strategie verbessern.“

Bildquelle: IBM

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