Neue Wege bei der Gefahrenabwehr

Cybersecurity auf der Cebit

Botnetze, Datenlecks, Ransomware, gehackte Passwörter und DDoS-Attacken – die Schäden durch Cyber-Angriffe auf Unternehmen, Forschungseinrichtungen, Behörden und Bürger belasten die deutsche Volkswirtschaft mit mehr als 50 Mrd. Euro pro Jahr. Der globale Hacker-Angriff auf Router, der gerade das Telekom-Netz schwer störte, macht überdeutlich, dass auch kompetente IT-Betreiber mit ausgeklügelten Schutzmaßnahmen nicht auf der sicheren Seite sind. Neue Strategien und Maßnahmen sind gefordert, um die Gefahren aus dem Internet abzuwehren.

Der aktuelle Lagebericht des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) offenbart eine neue Qualität der Gefährdung: Die zunehmende Vernetzung durch das Internet der Dinge, Industrie 4.0 und smarte Devices eröffnen Angreifern weitreichende Möglichkeiten, Informationen auszuspähen, Geschäfts- und Verwaltungsprozesse zu sabotieren oder sich auf andere Weise zu bereichern. Wie sich Institutionen und Unternehmen jeder Größenordnung dagegen schützen können, will daher die nächste Cebit zeigen, die vom 20. bis 24. März in Hannover stattfindet.

Erste Anlaufstelle ist der Messe-Schwerpunkt Business-Security in Halle 6 – mit Anbietern von Antivirus-Systemen, E-Mail-Sicherheit sowie Cloud- & Internet-Security bis hin zu Netzwerk-Sicherheit.

Sicherheit zum Frühstück

Neu ist ein messetäglicher Beratungs-Brunch der Firma BWS IT-Security Consulting. IT-Entscheider und Sicherheitsverantwortliche können am Stand in Halle 6 ihre eigenen Sicherheitsanforderungen formulieren und erhalten neben einer unabhängigen Beratung einen „Laufplan“ mit passgenauen Angeboten der im Cebit-Schwerpunkt Business-Security vertretenen Anbieter. Dazu gehören Hersteller und Distributoren wie Indevis, Kaspersky, Palo Alto Networks, Rohde und Schwarz, Secunet, Secusmart, Sophos, Symantec, Trend Micro und Wick Hill & Zycko. Diese Beratungsgespräche finden an jedem Messetag von 10 bis 12 Uhr statt.

Foren und Workshops für den Sicherheits-Check

Außerdem gibt es in Halle 6 zwei Vortragsforen besuchen: die „Security Plaza“ und die „Business Security Stage“. Beide Foren präsentieren an allen fünf Cebit-Tagen ein Vortragsprogramm mit einem angegliederten Ausstellungsbereich.

Auf der „Security Plaza“ berichten Experten über Sicherheitslücken und Security-Technologien bzw. Maßnahmen, um sich dagegen zu schützen. Themen sind unter anderem IT-Sicherheit für den Mittelstand, IT-Sicherheit in der Cloud und der Umgang mit Sicherheitslücken im Umfeld der Digitalisierung.

Auf der „Business Security Stage“ dreht sich alles um die „ganzheitliche IT-Sicherheit in Unternehmen“ – in Vorträgen, Podiumsdiskussionen und Live-Demos. Thematisiert wird unter anderem Datenschutz, Cloud-Security, Compliance, Zugriffs- und Identitätsmanagement, Endpoint-Security sowie Managed-Security-Services.

Security-Sprecher klären auf

Auch bei den „Global Conferences 2017“ steht auf der Messe das Thema Cyber-Sicherheit oben auf der Agenda. Ein prominenter Sprecher ist der Präsident des Bundeskriminalamtes Holger Münch, der Deutschland nach wie vor im Fadenkreuz des internationalen Terrors sieht. Münch fordert in diesem Zusammenhang eine bessere Vernetzung der Sicherheitsbehörden innerhalb Europas und einen entsprechenden Ausbau der Technik. „Wir brauchen eine cyberfähige Polizei, die sich ganz selbstverständlich in der digitalen Welt bewegt“, betonte Münch im November zum Auftakt der BKA-Herbsttagung 2016.

Ein weiterer Sprecher ist der 27-jährige Gründer und CEO von Malwarebytes, Marcin Kleczynski. Der Jungunternehmer wurde bereits 2014 in die Forbes-Liste der 30 führenden Unternehmer unter 30 Jahren aufgenommen. Sein kalifornisches IT-Sicherheitsunternehmen geht einen anderen Weg als herkömmliche Hersteller. In seiner Keynote erläutert Kleczynski, wie sich Cyberkriminelle mit Ransomware, PUPs („Potentially Unwanted Programs“) oder Social-Engineering immer wieder neue kreative Methoden ausdenken, um Nutzer und Unternehmen zu bedrohen und zu schädigen.

Ein ausgewiesener IT-Sicherheits-Experte ist Mikko Hypponen, Chief Research Officer des finnischen Sicherheits-Anbieters F-Secure. Hypponen hat sich vor allem als „Virenjäger“ einen Namen gemacht. Sein Team war für die Abschaltung des globalen Netzwerkes verantwortlich, welches vom „Sobig.F-Wurm“ genutzt wurde.  Hypponen war der erste, der die Welt vor dem „Sasser-Ausbruch“ gewarnt hatte, er benannte den berüchtigten „Storm Worm“ und führte klassifizierende Briefings über die Funktionsweise des „Stuxnet-Wurms“ durch.

Spannend dürfte auch der Vortrag von Marie Moe von der Norwegian University of Science and Technology sein, die ihren eigenen Herzschrittmacher hackte. Das Leben der IT-Sicherheitsforscherin ist seit einigen Jahren von der reibungslosen Funktion eines implantierten Herzschrittmachers abhängig. Seitdem sieht sich Moe als „Teil des Internet of Things“ und appelliert an die Hacker-Community, sich mehr um die Sicherheit der Geräte zu kümmern. 

Bei Stuart McClure, Geschäftsführer des US-amerikanischen Cybersecurity-Dienstleisters Cylance, steht die Früherkennung von möglichen Cyber-Angriffen im Fokus. Der ehemalige General Manager bei McAfee/Intel Security ist Entwickler des ersten auf Mathematik basierenden Ansatzes zur Erkennung und Abwehr von Gefahren und Hauptautor eines der erfolgreichsten Bücher über IT-Security: „Hacking Exposed“.

Die Cebit schrumpft weiter

Die Cebit in Hannover gilt immer noch als die weltweit größte IT-Messe; jedes Jahr locken derzeit gut 3.000 Aussteller rund 200.000 Besucher an. Gezeigt werden auch Technologien wie „Artificial Intelligence“, autonome Systeme, „Virtual & Augmented Reality“, humanoide Roboter und Drohnen; gerade das Themenfeld rund um Drohnen soll im kommenden Jahr deutlich ausgebaut werden. Mit dem Topthema „d!conomy – no limits“ soll die Messe die chancenorientierten Möglichkeiten der digitalen Transformation in den Mittelpunkt. Partnerland ist Japan.

Allerdings wird auch der Schrumpfkurs fortgesetzt, denn nach dem Aus für den Microsoft-Hauptstand in Halle 4 ist jetzt die Halle 13 vom Gelände- und Hallenplan für die Cebit 2017 verschwunden. In der sehr luftig belegten Halle 13 fand in diesem Jahr noch der „IoT Summit“ statt; die verbliebenen Aussteller sollen in Halle 12 umziehen, heißt es. Bleibt die Frage: Quo vadis, Cebit 2017?

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