Unser Autor Florian Binder ist Principal Solution Consultant bei Pegasystems.
Beim ersten Ansatz handelt es sich um reine Entwicklungsplattformen. Der Low-Code-Gedanke ist weitestgehend auf den Prozess der Anwendungserstellung beschränkt. Entwickler erhalten visuelle Werkzeuge und grafische Modellierungsverfahren, mit denen sie Applikationen ohne klassische textbasierte Programmiersprachen nach dem Baukastenprinzip erstellen. Damit können Unternehmen ihre Entwickler unterstützen und entlasten, indem sie ihnen eine einfachere und schnellere Anwendungserstellung ermöglichen.
Ist der Entwicklungsprozess abgeschlossen, wird der Source-Code der Anwendungen erzeugt – und ab da herrschen wieder die Gesetzmäßigkeiten der klassischen IT. Um Bereitstellung, Wartung, Änderung und Weiterentwicklung der Applikationen kümmern sich die IT-Teams weiterhin auf herkömmlichem Weg. Tritt beispielsweise eine Sicherheitslücke in einer weit verbreiteten Komponente auf – so wie jüngst im Fall der beliebten Java-Bibliothek Log4j geschehen – müssen sie diese Lücke in sämtlichen betroffenen Anwendungen einzeln schließen.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2022. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.
Beim zweiten Ansatz handelt es sich dagegen um komplette Anwendungsplattformen. Damit können Nutzer in Eigenregie ihre Anwendungen ganzheitlich über den gesamten Lebenszyklus von Entwicklung über Test und Bereitstellung bis hin zum Produktivbetrieb betreuen. Diese Plattformen bringen nicht nur visuelle Tools zur Erstellung von Applikationen mit, sondern auch Scheduling, Governance und Verwaltung im Betrieb sowie unkomplizierte Optionen für zentrale Änderungen, Erweiterungen und die Skalierung.
Auf diese Weise können Nutzer z.B. einmal entwickelte Funktionen durch simple Konfiguration für andere Prozesse wiederverwenden. Anwendungen lassen sich so schnell und unkompliziert auch auf andere Unternehmensbereiche ausrollen. Um Aktualisierung und Wartung kümmern sich die Anbieter der Plattformen indem sie Updates und Sicherheits-Patches für die Gesamtplattformen bereitstellen. Diese werden dann automatisch in allen Anwendungen wirksam, die diese Komponenten verwenden. Dieser Ansatz richtet sich primär an technisch versierte Mitarbeiter in den Fachabteilungen, vor allem als Plattform für Fachanwendungen.
Mit Low-Code-Projektem wollen die Unternehmen es ihren Mitarbeitern in ihren Fachabteilungen ermöglichen, ohne tiefe Programmierkenntnisse Applikationen rasch zu entwickeln, zu betreuen und zu ändern. Das bekommen sie aber nicht mit jeder Low-Code-Plattform automatisch, weil manche Lösungen einen anderen Ansatz verfolgen. Beide Ansätze haben ihre spezifischen Stärken, je nachdem, was genau Unternehmen mit Low-Code erreichen wollen: Entwicklern eine schnellere und einfachere Erstellung weiterhin völlig autarker Anwendungen zu ermöglichen oder ihren Abteilungen ein Rundum-Komfort-Paket für Fachapplikationen zur Verfügung stellen.
Bildquelle: Pegasystems