Wie eine IBM Power7+ einer Power8 „davon-powert“

Das RAM-Wunder

Wie kann man mit einem Power7-Server locker einem Power8-System derselben Prozessorklasse „davon-powern“? Mit mehr Hauptspeicher. Wie, das verrät Ulrich Wilsch.

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  • Geschäftsführer Ulrich Wilsch, IBM-i-Fan der ersten Stunde

    Geschäftsführer Ulrich Wilsch, IBM-i-Fan der ersten Stunde

Wir schreiben das Jahr 2018. Ganz Europa ist beseelt vom Glauben an die unschlagbare Kraft der IBM Power8- & 9-Systeme…. Ganz Europa? Nein! Ein unbeugsames, querdenkendes IT-Unternehmen in Südgermanien hat da ganz andere, „rebellische“ Ansichten. Denn es behauptet, mit nichts weiter als einem Power7-Modell locker einem Power8-System derselben Prozessorklasse „davon-powern“ zu können.

Doch wer sind diese Party-Crasher, die sich erlauben, den Hype um Power8 und die Vorfreude auf den so heiß erwarteten  Power9-Launch zu stören? Adrenalingesteuerte Newcomer, die mit markigen Worten auf sich aufmerksam machen? Oder einge­schleuste Microsoft-Agenten, die mittels „alternativer Fakten“ das IBM-i-Imperium zu Fall bringen wollen?

Cut. Wir sind im Süden Münchens bei der Ulrich Wilsch GmbH, bei einem IT-Unternehmen, das seit mehr als 57 Jahren am Markt ist. Kaum einer brennt so sehr für die Plattform i wie der Geschäftsführer Ulrich Wilsch, IBM-i-Fan der ersten Stunde. So haben wir uns den Urheber jener ketzeri­schen Behauptung vom Beginn dieses Artikels nicht vorgestellt. Er lacht: „IT ist Evolution im Zeitraffer: Sie wandelt sich beständig. Und das schnell.“

Wilsch erzählt uns, wie gerade das Marktumfeld im Bereich IBM i gravierenden Änderungen unterworfen ist. „Das erfordert ein neues, ganzheitliches Denken“, so Wilsch. „Hardware ist für uns ein Mittel zum Zweck. Unser Anliegen ist es vielmehr, durch intelligente und nachhaltige Lösungen unseren Kunden einen echten Mehrwert zu schaffen. Da reicht es nicht, sich jedem Trend  anzuschließen.“

Performance-Probleme lösen

Ein Paradebeispiel ist für ihn dabei die Überzeugung vieler, die Anschaffung eines  Power8/9-Systems sei die einzige Möglichkeit, aktuelle Performance-Probleme zu lösen. Seien wir aber einmal ehrlich: Die meisten Mittelständler sind mit Power8 voll­kommen „über-ausgestattet“. Falls jedoch die vorhandene Hardware den drastisch gestiegenen Anforderungen der Anwendungen nicht mehr gerecht wird, wenn es zu störenden Datenstaus kommt, lautet die Standardantwort jedes IBM-Händlers: Migration zu einer Power8 oder bald Power 9. So könnte man denken.

Doch Wilsch tickt anders: „Statt immer mehr CPW ‚unter die Motorhaube zu bringen‘, sollte man den ‚Hubraum‘, also den Hauptspeicher, erwei­tern.“ Und dies eben nicht durch den Kauf der neuesten Power-Generation. Grund hierfür – und das ist den wenigsten bekannt- ist eine Begrenzung des Hauptspeichers, die in den Power7-, 8- und aller Voraussicht nach auch in Power9-Modellen zum Tragen kommt. In der Prozessorklasse P05 liegt diese Limitierung bei 64 GB. Performante Prozessoren werden so „ausgebremst“.

Die Bremse Hauptspeicher lösen

Wilsch schlägt einen Vergleich zum Rennsport: „Das ist, als ob Sie sich einen teuren Sportwagen mit viel PS kaufen würden, der Hersteller aber eine Blockade im Gaspedal eingebaut hätte.“ In der IT ein Dilemma, dem die meisten nur durch den Kauf einer neuen Power8/9 und dem Aufstieg in die deutlich teurere Prozessor­klasse P10 zu entkommen meinen. Doch Wilsch zeigt, wie es besser und günstiger geht.

In der Power 710 hat er ein Modell gefunden, das als einziges System der Prozessorklasse P05 nicht dieser Hauptspeicherbegrenzung unterworfen ist: Stattdessen ist es zu 256 GB fähig, also dem vierfachen eines Power8-Systems derselben Pro­zessor­klasse. Nicht umsonst spricht Wilsch von seinem „RAM-Wunder“. Die Zahlen sprechen für sich:

  • 256 GB RAM für 7.000 bis 28.000 CPW (1-4 Kerne) der Power 710 (in P05)
  • 64 GB RAM für 10.000 bis 39.000 CPW (1-4 Kerne) der Power8 in P05.

Kritiker könnten nun einwenden, dass die Leistung eines Kernes der 710 nur 7.000 CPW beträgt, die einer Power8 aber 10.000 CPW, was sich gerade beim Data Warehouse oder bei analytischen Datenbankabfragen (SQL) schmerzhaft bemerkbar machen könnte. Doch auch hierfür hat Wilsch eine Lösung: SMP. Drei einfache Buchstaben, hinter denen sich aber viel verbirgt, sind sie doch die Abkürzung für „DB2 Symmetric Multiprocessing“.

DB2 Symmetric Multiprocessing

Dabei handelt es sich um ein günstiges IBM-Tool, mit dem es möglich wird, einzelne Datenbankoperationen auf mehreren Prozessoren gleichzeitig – also parallel – abarbeiten zu lassen. Im Klartext heißt das, dass die „Bearbeitungszeit“ einer SQL-Abfrage theoretisch um den Faktor gesenkt werden kann, die der Zahl der parallel zugewiesenen Prozessorkerne entspricht. Zwei parallel geschaltete Prozessoren verdoppeln also bei einer Query die Performance, bei einer Zuweisung von zwei weiteren Prozessoren verdoppelt sich diese Performance erneut – auf das vierfache der Leistung eines Prozessors.

Laut Wilsch werden diese theoretischen Werte leider nicht ganz erreicht, aber nach Aussagen seiner Kunden kommt man mit diesem Tool immerhin auf bis zu 160 Prozent der Leistung eines einzelnen Kerns. Das Beste: Der Kostenpunkt des Ganzen liegt gerade einmal bei 900 Euro für eine P05-Maschine.

Der Effekt: Aus zwei Power7+-Prozessorkernen kann man bis zu  11.000 CPW herausholen – und erreicht damit die  Leistung eines Power8-Kerns! Ein weiterer Bonus: SMP ist skalierbar und erlaubt, den Grad der benötigten Leistungssteigerung genau zu steuern. So können Systemressourcen fallspezifisch optimal nach Szenarien, Nutzern und Anwendungen justiert werden.

Ein geringer Grad an Parallelismus ermöglicht es, größere Mengen der Systemkapazitäten anderen Nutzern und Prozessen gleichzeitig zur Verfügung zu stellen; ein höherer Grad an SMP hingegen erlaubt, einzelnen Nutzern und Prozessen mehr Performance zuzuweisen.

Warum SMP dann nicht gleich bei einer Power8 anwenden? Hier lacht Ulrich Wilsch erneut und verweist auf den Beginn seiner Darstellung: Weil hier wiederum der Leistungsgewinn per SMP durch die erwähnte Begrenzung des Hauptspeichers auf 64 GB ausgebremst wird. Fazit: Nur mit jenem einen Power 710-Modell ohne Hauptspeicherbremse ist es möglich, in Verbindung mit SMP den teuren Aufstieg in die höhere Prozessorklasse P10 zu sparen.

Weniger kann auch mehr sein

Wilsch verweist auf  einen Kunden, dem er zu deutlich mehr Performance bei gleichzeitig hohen Kosteneinsparun­gen verholfen hat. Auch hier wurde die alte Hardware nicht mehr den ge­stiegenen Anforderungen gerecht. Das Besondere war, dass sich der Kunde bereits im Besitz einer leistungsstarken Maschine befand: Einer Power7 mit vier freigeschalteten Kernen in der höheren Prozessorklasse P10!

Doch auch hier trat die Stärke der Wilsch-Lösung zu Tage. So absurd es klingen mag: Gerade durch den Abstieg von Prozessorklasse P10 in P05 und den Austausch des Bestandssystems (Power7) gegen ein kleineres Power7-Modell wurde der Kunde fit für die Zukunft gemacht, denn dabei handelte es sich eben um das „RAM-Wunder“ ohne Hauptspeicherbegrenzung. So steht dem Kunden nicht nur doppelt so viel Hauptspeicher zur Verfügung, sondern mittels Freischaltung von SMP wird aus diesem nochmals mehr Leistung „herausgekitzelt“.

Beträchtliche Kostenersparnis

Die Kostenersparnis ist beträchtlich: Ein Blick auf die IBM-Preisliste im Bereich Software-Maintenance führt das deutlich vor Augen: Für seine vier Kerne in der Prozessorklasse P10 durfte der Kunde bislang knapp 19.600 Euro / Jahr zahlen. Dem gegenüber schlägt die P710 der Wilsch-Lösung in der Prozessorklasse P05 mit nur jährlich 6.400 Euro zu Buche; der Kunde kann sich also über eine jährliche Einsparung von 13.200 Euro freuen.

Berücksichtigt man die Anschaffungskosten der P710-Maschine von Wilsch, amortisiert sich die Wilsch-Lösung bereits nach zwei Jahren. Über einen Zeitraum von vier Jahren, einem rea­li­stischen Lebenszyklus für solche Systeme,  werden fast 30.000 Euro gespart.

Der lapidare Kommentar von Ulrich Wilsch hierzu: „Unsere Lösung mutet fast wie die Quadratur des Kreises an; aber es ist wie es ist: Der Kunde bekommt mehr Leistung für weniger Geld.“ Und als ob das nicht schon genug gewesen wäre, legte

Wilsch im eben beschriebenen Fall noch einen finalen „Home Run“ hin: Die so
produzierte Kosteneinsparung erlaubte es, die neu gewonnene Leistungsfähigkeit der Kundenhardware mit der Anschaffung von Storage der neuesten Generation (IBM V5020) weiter auszubauen!

Und so können sich die Mitarbeiter jenes rebellischen Unternehmens im Süden Germaniens am Ende des Tages zufrieden dem Festmahl hingeben. Denn sie wissen: Sie haben noch viele dieser kreativen Lösungen „auf Lager“….

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