Von KI über Robotics und Future Mobility bis zu Blockchain

Das waren Highlights der Cebit 2018

Mit einer Freifläche in der Größe von zehn Fußballfeldern bot die neue Cebit erstmals neben den traditionellen Hallen auch viel Platz für Konzerte, Veranstaltungen und Präsentationen – etwa für die stehende Surf-Welle von Intel, für Roboter und autonome Fahrzeuge oder für das Riesenrad der SAP.

  • Cebit 2018

  • Jan Delay, Cebit 2018

    Jan Delay hatte in Hannover geschätzt 10.000 Zuhörer, war aber natürlich auch schon viel besser besucht.

  • Jan Delay, Cebit 2018

    Jan Delay: „Ich sehe, ihr seid noch alle ein bisschen im Business-Mode!“

  • Marc Raibert, Gründer und CEO der amerikanischen Firma Boston Dynamics

    Marc Raibert, Gründer und CEO der amerikanischen Firma Boston Dynamics

  • iBM, Cebit 2018

    Autonomes Fahren am IBM-Stand

  • Show mit HolodeckVR in Halle 26/Stand E51.

    Show mit HolodeckVR in Halle 26/Stand E51.

Die Enttäuschten unter den Ausstellern und Besuchern, die es auch gab, sagen: Die Fußballfelder hätten wir nicht gebraucht, sondern mehr Frequenz in den Hallen und attraktivere Stände statt der klassischen Standard-Boxen und der vielen lieblosen Gemeinschaftsstände. Wobei man sagen muss: Attraktive, spektakuläre Exponate gab es durchaus.

Die Premiere der neuen Cebit ist auch deshalb aus Sicht der Veranstalter gelungen: Mehr als 2.800 beteiligte Unternehmen, mehr als 600 Sprecher auf zehn Bühnen und 370 Startups machten Hannover aus ihrer Sicht „für fünf Tage zum Hotspot der Digitalisierung“.

Schon bei der „Welcome Night“ am 11. Juni gab Bitkom-Präsident Achim Berg das Tempo vor: „Wir bewegen uns in faszinierenden Zeiten. Das Machbare überholt das Denkbare in riesigen Schritten!“ Als weithin sichtbares Wahrzeichen dieser Bewegung diente ein 60 Meter hohes Riesenrad von SAP mit 40 Gondeln, die nicht nur einen einzigartigen Blick auf den Jahrmarkt der Digitalisierung boten, sondern auch konkrete Anwendungsbeispiele für KI, IoT & Co.

Topthema Künstliche Intelligenz

Selbstlernende Systeme waren ein Leuchtturmthema der Cebit. So zeigte HPE, wie Computer in kürzester Zeit Millionen von Krankheitssymptomen aus unterschiedlichen Quellen vergleichen können, um die optimale Medikation für einen Patienten zu finden. Bei IBM konnten die Besucher einen smarten Assistenten mit Sprachsteuerung, Kameras und Sensoren kennenlernen, der den deutschen Astronauten Alexander Gerst bei seiner Mission auf der Raumstation ISS unterstützt.

Auch der digitale Workspace profitiert von KI-Technologien: Assistenten wie Alexa oder Chatbots, die auf Zuruf reagieren, erleichtern die Bedienung vieler neuer Software-Tools. Zudem präsentierten viele Aussteller Lösungen mit 360-Grad-Output für komplette Prozesse. Ein wichtiges Thema ist dabei auch die Datensicherheit. Weil gefährliche Angriffe häufig von Mitarbeiterarbeitsplätzen ausgehen, stellten mehrere Aussteller automatisierte Security-Konzepte vor.

KI und Robotics

Besonders beeindruckend wirkt Künstliche Intelligenz, wenn sie von einem Wesen mit menschenähnlicher Anmutung präsentiert wird: Der humanoide Roboter „Pepper“ von Softbank Robotics, den so mancher Besucher allerdings schon „satt“ hatte, reagiert auf menschliche Gefühlsregungen und kann Fragen zu Produkten oder Dienstleistungen beantworten.

An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft stellten Forschungseinrichtungen auf der Messe ihre neuesten Entwicklungen vor. So präsentierte das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) den Roboter „Armar-6“, der menschlichen Kollegen beispielsweise mit der Bohrmaschine zur Hand geht, aber auch den Gebrauch neuer Werkzeuge durch Beobachtung erlernt.

Wie Mensch und Roboter effizient und sicher in einer Industrie-4.0-Produktion zusammenarbeiten können, demonstrierte das „Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz“ (DFKI). Ein besonderes Cebit-Highlight war die Keynote von Marc Raibert, Gründer und CEO der amerikanischen Firma Boston Dynamics. Was in diesem Bereich derzeit möglich ist, zeigte er mit einem vierbeinigen Roboterhund, der sich autonom durch unwegsames Gelände bewegen kann.

Das „Internet of Things“

Mit der 5G-Technologie steht der mobile Datenfunk vor einem Performancesprung. Datenkommunikation in Echtzeit macht viele IoT-Anwendungen überhaupt erst realisierbar. So konnten die Besucher bei Vodafone erleben, wie per 5G-Funk verbundene Roboter voneinander lernen können, obwohl sie viele hundert Kilometer voneinander entfernt sind. Selbst mit Sensoren ausgerüstete Lkw-Reifen werden künftig ein Teil des Internet of Things, wenn der Flottenbetreiber aus der Ferne Temperatur und Druck mit einer App überwachen kann.

Auch die Themen „Predictive Maintenance“ und „Smart City“ spielten in Hannover eine wichtige Rolle. So stellte Huawei ein intelligentes Nervensystem für Metropolen vor, um die wachsende Verkehrs- und Umweltbelastung zu verringern. Und ein Showcase der Software AG machte deutlich, wie sich die Abfallentsorgung und die Reparatur defekter Straßenlampen verbessern lässt – mit smarten Sensoren an den Mülltonnen und vernetzten Beleuchtungskonzepten.

In Zukunft ist „Mobility“ gefragt

Smarte Mobilitätskonzepte standen in der Halle 25 im Fokus. Hier feierte Volkswagen mit dem Roboterauto „Sedric Active“ eine Weltpremiere. Schon in wenigen Jahren will der Konzern die Vision von der „Mobilität auf Knopfdruck“ umsetzen. Neben dem autonomen Fahren ging es auch um Themen wie Quanten-Computing und Carsharing.

Während sich der ADAC im Rahmen der Startup-Plattform Scale 11 als Gastgeber für junge Firmen aus der Mobilitätsbranche positionierte, zeigte die Deutsche Bahn den Regionalzug der Zukunft mit multimedialen Fahrgast-Services und „Intelligenz an der Bahnsteigkante“. Innovative Ideen zur Elektromobilität waren bei e.Go und Ionity zu sehen: ein autonom fahrender Elektrobus und eine Virtual-Reality-Reise in die E-Mobility der Zukunft.

Drohen und unbemannte Systeme

Neben Showcases zu Themen wie „Autonomes Fliegen“ oder „Drohnen im Einsatz für den Tierschutz“ sowie der spektakulären Intel-Show gab es zu den angesagten Flugrobotern Expertenrat und Hintergrundinfos. Außerdem war das erste Drohnen-Taxi, das eine Verkehrszulassung für bemannte Flüge erhalten hat, bei Intel zu bestaunen: der „Volocopter“.

Heiß diskutiert wurde auch die Blockchain. Mehrere Unternehmen zeigten, dass sich diese Technologie ebenso für den sicheren Datenaustausch im IoT eignet wie für den Handel mit erneuerbarer Energie oder für Carsharing-Dienste. Dass sogar Verwaltungen von der Blockchain profitieren können, demonstrierte Materna mit dem Konzept einer ständig aktuellen Feinstaubkarte mit Bürgerbeteiligung. Einen Showcase der etwas anderen Art gab’s bei DXC Technology: Dort mixte ein Roboter Drinks, die über eine Blockchain-basierte Bestellkette geordert wurden.

Top-Speaker und Influencer

So viele spannende Vorträge wie in diesem Jahr bot die Cebit noch nie: Von Netzpionier Jaron Lanier, der die Geschäftsmodelle der größten Internetkonzerne anprangerte, über die Memory-Hackerin Julia Shaw, die verriet, wie sich menschliche Erinnerungen manipulieren lassen, bis zum Security-Experten Mikka Hypponen, der die neue Qualität von Cyberattacken unterstrich („Wir müssen sensible Daten nicht nur wie in einem Tresor vor unerlaubten Zugriffen schützen. Wir brauchen auch Bewegungsmelder innerhalb des Tresors.“).

Anregungen en masse lieferte auch die Gründerplattform Scale11; in Halle 27 trafen mehr als 350 junge Unternehmen aus 40 Nationen auf etablierte Big Player und Investoren. Den „Innovation Award 2018“ gewann das deutsche Startup AIPARK; die gleichnamige App zeigt Autofahrern freie Parkflächen auf einer dynamischen Karte.

Show-Acts am Abend

Die neue Cebit verstand sich aber nicht nur als Business-Veranstaltung, sondern auch als Festival für alle: mit Open-air-Konzerten unter anderem von Jan Delay, Mando Diao und den Giant Rooks, Performances und DJ-Sets. „Der neue Dreiklang aus Expo, Konferenz und Networking-Event in Festival-Atmosphäre“ sollte laut Messe-Chef Oliver Frese „begeisternde Einblicke in die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft“ bieten.

Die Show-Acts am Abend wurden laut Frese auch von rund 11.000 Menschen mit sogenannten „Fireside-Tickets“ für 15 Euro besucht, die ab 17 Uhr zum Eintritt berechtigten. Diese Tickets werden bei den 120.000 Messebesuchern mitgezählt; ihre Inhaber waren aber wohl kaum an irgendeinem Messestand.

Ebenso mitgezählt sind die zahllosen Freitickets, die den Ausstellern mit der Standfläche mitverkauft worden sind: Fünf registrierte e-Tickets pro qm Standfläche sind bei Hauptausstellern, bis zu 30 bei Mitausstellern bereits im Beteiligungspreis enthalten. Weitere e-Tickets kosten jeweils 10 Euro. Auch das war noch gelebte alte Cebit-Praxis. Und das bedeutet, dass die Aussteller (die 120.000 qm gekauft hatten) mehr als 600.000 Freitickets an ihre Kunden und Interessenten verschickt haben dürften.

600.000 Freitickets im Umlauf

Nicht mehr gebraucht von der alten Cebit wurden die großen Hallen im Norden – die Messe verteilte sich auf nur noch auf elf Gebäude. Warum? Weil die Hallen jetzt das Festivalgelände einrahmen sollen, so der Veranstalter. Es ist aber wohl klar: Falls es mehr Aussteller gegeben hätte, wären mehr Flächen verkauft und mehr Hallen belegt worden, denn das ist schließlich das Geschäft der Deutschen Messe AG.

Breite Gänge in den Hallen, riesige abgesperrte Bereiche und „großzügige“ Flächen mit blau-grünen Teppichen und einigen verlorenen Birken, Tischen und Sitzgelegenheiten sowie opulente Vortragsareale – das waren weitere Folgen der mangelnden Nachfrage. Und schlecht getarnte Relikte der „alten Cebit“.

Bildquelle: Deutsche Messe

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