Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder mahnt mehr verantwortungsvolle Nutzung von Daten an.
„Daten und ihrer verantwortungsvollen Nutzung kommt in der globalen Wirtschaft eine immer größere Bedeutung zu. Das reicht von der Analyse von Mobilitätsdaten im Verkehrssektor über die vorausschauende Wartung in Industrieunternehmen und Smart Farming in der Landwirtschaft bis hin zur bedarfsabhängigen Steuerung von Energiespeichern für eine nachhaltige Stromversorgung“, sagte Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder auf einer Pressekonferenz. „Wir können es uns als rohstoffarme Nation nicht leisten, Daten in Silos wegzuschließen und auf ihre verantwortungsvolle Nutzung zu verzichten. Deutschland kann mit einem konsequenten Schritt in die Datenökonomie wettbewerbsfähiger werden, das Risiko von Krisen verringern, Ressourcen schonen und zugleich die Lebensqualität erhöhen.“
Allerdings verzichtet derzeit die große Mehrheit (63 Prozent) der deutschen Unternehmen bisher darauf, Daten mit anderen Unternehmen zu teilen. Jeweils ein Fünftel bietet eigene Daten anderen zur Nutzung an (21 Prozent) oder nutzt selbst Daten Dritter (22 Prozent). Aber nur 8 Prozent teilen Daten mit anderen und setzen umgekehrt auch geteilte Daten anderer ein.
Als größte Hürden für den Datenaustausch gelten, dass Daten miteinander nicht kompatibel sind (50 Prozent) und dass es keinen passenden Partner für das Datenteilen gibt (45 Prozent). Jeweils rund ein Drittel der Unternehmen beklagt rechtliche Unsicherheiten (38 Prozent), Schwierigkeiten bei der Einigung mit Partnern (37 Prozent), die fehlende wirtschaftliche Attraktivität als Daten-Anbieter (36 Prozent) sowie Datenschutzvorgaben, die einen Datenaustausch nicht erlauben (35 Prozent). 29 Prozent erscheint die Nutzung von Daten anderer wirtschaftlich nicht attraktiv.
„Fehlende Kompatibilität, die schwierige Partnersuche sowie Rechtsunsicherheiten sind die größten Hürden auf dem Weg in die Data-Sharing-Economy. Die Entwicklung von Datenräumen, wie derzeit etwa im Mobilitätsbereich, können hier Abhilfe schaffen“, glaubt Rohleder. In einem Datenraum verständigen sich Unternehmen auf gemeinsame Regeln und Verfahren, die den dezentralen Zugriff auf Daten ermöglichen oder vereinfachen. Dann sind viele Fragen geklärt, zum Beispiel nach dem Schutz, nach dem Wert und nach der Verantwortung für die Qualität der Daten. Beispiele dafür sind das Automotive-Network Catena-X, der International Data Spaces (vormals Industrial Data Space, IDS) oder der gerade angekündigte European Health Data Space (EHDS).
Derzeit sind aber nur 3 Prozent der Unternehmen in solchen Datenräumen aktiv, weitere 15 Prozent planen dies. Im Mittelpunkt des Interesses stehen dabei die verbesserte Steuerung von Lieferketten, die Verringerung von Abhängigkeiten (78 Prozent) und die Erhöhung der Leistung von Produkten und Dienstleistungen (67 Prozent). Erst mit deutlichem Abstand folgen die Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen (47 Prozent), die Erfüllung von Transparenzpflichten (32 Prozent), die Messung des ökologischen Fußabdrucks (23 Prozent) und allgemein der Verbesserung des Herstellungsprozesses (19 Prozent). Rohleder mahnt zur Vorsicht bei Datenteilungspflichten und wünscht sich stattdessen mehr Anreize, beispielsweise durch die Entwicklung fairer Kompensationsmechanismen. „Wirtschaftlichkeit und Datenteilen dürfen kein Widerspruch sein“, so Rohleder. „Und selbstverständlich darf niemand gezwungen werden Geschäftsgeheimnisse zu teilen.“
Als größte Hürde bei der Entwicklung datengetriebener Geschäftsmodelle führte Rohleder den Datenschutz an. „In der digitalen Welt brauchen wir ein hohes Datenschutzniveau, das persönliche Daten sicher und umfassend schützt. Aber wir dürfen nicht alle Daten über einen Kamm scheren“, so Rohleder. „Wir brauchen in Europa und auch innerhalb Deutschlands vor allem einen einheitlichen Datenschutz mit einheitlichen Auslegungen. Dabei sollte auch stärker berücksichtigt werden, dass ein Verbot der Datennutzung immer häufiger bedeutet, dass wertvolle und sinnvolle Angebote in Deutschland nicht entwickelt und nicht vermarktet werden können.“
Bildquelle: Bitkom, T-Systems