Kent Mitchell, Zend Technologies

„DBi verbindet das Beste aus PHP- und AS/400-Welt!“

Interview mit Kent Mitchell, Senior Director of Product Management bei Zend Technologies, über die Open-Source-Software DBi

Kent Mitchell, Zend Technologies

Kent Mitchell, Senior Director of Product Management bei Zend Technologies

Herr Mitchell, was genau ist DBi? Ist es ein Produkt mit Preisschild?
Kent Mitchell:
DBi ist kein Produkt, sondern eine kostenfreie Open-Source-Software. Wir sprechen von einem „Drop-in“-Replacement für MySQL. Damit ist gemeint: Wir nehmen die Open-Source-Datenbank MySQL und passen sie an die Plattform IBM i an. Das ist möglich, weil MySQL kein Oracle-Produkt ist, sondern ebenfalls eine frei zugäng­liche Open-Source-Lösung.

Warum heißt MySQL für IBM i anders?
Mitchell:
Weil MySQL ein eingetragenes Warenzeichen von Oracle ist, mussten wir die Lösung umbenennen. Wir bieten DBi als vollständig getestete Lösung entweder mit unserem PHP-Framework für IBM i an, aber auch separat für AS/400-Anwender, die diese Datenbank für andere Zwecke als für PHP-Anwendungen nutzen möchten.
Wir machen übrigens alle Änderungen an MySQL, die wir im Laufe der Portierung, Tests und späteren Fehlerbehebung vornehmen, gleichfalls als Open Source publik. Damit stehen diese Änderungen auch der MySQL-Community zur Verfügung.

Wie schnell folgen Sie der MySQL-Entwicklung?
Mitchell:
Wir nehmen jeweils den Code von Standard-MySQL, passen ihn an die Plattform IBM i und PowerPC-Prozessoren an und liefern ihn nach dem erfolgreichen Abschluss der Testphase aus.
Bei Wartungsreleases wird das sehr schnell gehen; hier werden unsere MySQL-Experten nur ein oder zwei Monate brauchen. Da MySQL schon sehr stabil ist, sind solche Wartungsreleases relativ selten.
Auch bei komplett neuen Releases erwarte ich keine großartigen Verzögerungen. Die Portierung ist ja kein Hexenwerk, sondern es sind nur relativ wenig kleinere Anpassungen nötig. Oracle und Sun haben das in der Vergangenheit geschafft – und auch für uns wird das kein Problem sein. Die Codebasis ist fast identisch und eine Migrations-Suite vorhanden.

Wird das neue Release MySQL 5.5 das erste für DBi sein?
Mitchell:
Nein. Wir stellen aus Gründen der Rückwärtskompatibilität zunächst das bisherige MySQL zur Verfügung, das ja bereits von Oracle portiert worden war. Wir werden Version 5.5 bald liefern, doch zunächst wollen wir sicherstellen, dass die Anwender mit der gewohnten Version weiterarbeiten können und sich die Abläufe einspielen.

Wie viele PHP-Anwender nutzen heute MySQL mit IBM i?
Mitchell:
Das ist schwer zu sagen, denn es hängt davon ab, was genau sie mit PHP machen. Wenn sie von Grund auf neue Anwendungen entwickeln, werden sie tendenziell eher ihre DB2-Datenbank nutzen – auch weil IBM das empfiehlt und weil sie dann kein zweites Datenbankprodukt pflegen müssen.
Nutzen sie aber PHP-Software wie SugarCRM, die CMS-Lösungen Drupal bzw. Joomla oder die eCommerce-Software Magento, werden sie eher auf MySQL zurückgreifen, zumal manche dieser Standardlösungen DB2 gar nicht unterstützen.

Die genaue Zahl kann ich nicht einmal schätzen. Nur weiß ich, dass diese Zahl sehr groß sein muss. Das wird allein schon an dem Echo deutlich, das Oracles Entscheidung Ende vergangenen Jahres hervorgerufen hat, den Support für MySQL auf der Plattform einzustellen.

MySQL zurück auf IBM i

Als Oracle Ende vergangenen Jahres den Support für die OpenSource-Datenbank MySQL für Power-Prozessoren der IBM aufkündigte, war das Echo aus der AS/400-Welt gewaltig. Denn mit MySQL schien damals ein Eckpfeiler des sogenannten LAMP-Stack gefährdet, der plattformunabhängige OpenSource-Anwendungen wie Drupal, Joomla, SugarCRM oder Magento ohne größeren Aufwand auf diesem vor allem im Mittelstand populären IBM-Server nutzbar macht.

Abhilfe schaffen jetzt IBM und Zend, die im Zuge ihrer nunmehr verlängerten und erweiterten Partnerschaft einerseits wieder kommerziellen Support, andererseits mit DBi einen 1:1-Ersatz für MySQL auf IBM i ­bieten. Die Open-Source-Datenbank DBi, die den Bedürfnissen der AS/400-Community entsprechen soll, wird gemeinsam mit der Community Edition von Zend Server und neuen Erweiterungen für den DB2-Zugriff von IBM mit der Maschine mitgeliefert. Damit wird IBM i auch zur stabilen und sicheren Linux-Alternative für PHP-Entwickler.

Erhältlich werden soll DBi am Jahresende, gemeinsam mit dem neuen Release 5.5 von Zend Server als PHP-Laufzeitumgebung auf IBM i. MySQL war im Jahr 2006 gemeinsam mit dem damaligen Eigentümer Sun Microsystems auf IBM i portiert worden und wurde in 2009, dem Jahr der Sun-Übernahme durch Oracle, um das Feature IBMDB2I ergänzt. Damit fungiert die in das Betriebssystem integrierte DB2 als Datenbank-Engine für MySQL, so dass sogar Transaktionen implizit unterstützt werden. Zend bietet DBi entweder mit dem PHP-Framework für IBM i an, aber auch separat für alle, die DBi für andere Zwecke nutzen möchten.

www.zend.com

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