Nach gescheitertem SAP-Projekt: Lidl baut eigene Warenwirtschaft

Der Charme der Eigenentwicklung

Der Discounter Lidl investiert einen dreistelligen Millionenbetrag in sein neues Warenwirtschaftssystem, genannt Wawi Nexus. Das wird wieder eine Individualentwicklung sein, nachdem ein zwischenzeitliches Modernisisierungsprojekt auf Basis von Standardsoftware gescheitert war. Das cloudbasierte System soll das Onlinegeschäft besser mit den stationären Filialen verknüpfen, wie die „Lebensmittel Zeitung“ berichtet.

Bildquelle: Lidl

Sieben Jahre und geschätzt 500 Mio. Euro hatte die zur Schwarz Gruppe gehörende Handelskette bereits in die Ablösung ihrer aus den 90er Jahren stammenden Eigenentwicklung „Wawi“ durch das „Elektronische Lidl-Warenwirtschaftsinformationssystem“ Investiert, als das ehrgeizige SAP-Projekt „Elwis“ 2018 gestoppt wurde. Elwis basierte auf dem SAP-Paket Retail powered by Hana sowie der Integrations-Middleware Webmethods der Software AG. Das größte IT-Transformationsprojekt der Firmengeschichte wurde sang- und klanglos beerdigt, obwohl die Neckarsulmer das neue System bereits in vier Ländern eingeführt hatten.

Unterschätzte Qualitäten der Eigenentwicklung

Ein globales Template war bereits 2015 fertig – und Lidl ging mit einem Piloten in Österreich produktiv. Weil aber „die ursprünglich definierten strategischen Ziele nicht mit vertretbaren Aufwand“ erreichbar seien, wie die Lidl-Chefs jetzt erkannt haben, hieß die Zukunft wieder Wawi. „In der Kosten/Nutzen-Abwägung spricht alles für die Weiterentwicklung der Wawi“, schrieben die Manager der Belegschaft.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2024. Das kostenfreie E-Paper finden Sie hier.

Nachdem die vier bereits auf SAP umgestellten Länder, zuletzt 2023 Lidl USA, wieder auf Wawi „zurückgeholt“ worden sind, wird Wawi nun von Grund auf neu entwickelt – um dann mit Wawi Nexus die Warenwirtschaft zu revolutionieren. Es wird bewusst auf Standardsoftware verzichtet, um eine maßgeschneiderte Lösung zu implementieren, die den künftigen Anforderungen besser gerecht wird.

Wawi Nexus soll auch die App Lidl Plus und digitale Preisschilder unterstützen. Bei der Entwicklung arbeiten die Schwesterfirma Schwarz Digits und das Hamburger Technologieunternehmen Freiheit mit, das als Pionier der Entwicklung sehr großer Systeme auf Basis von Internettechnologien Erfahrungen mit ähnlichen Systemen gesammelt hat, etwa bei Edekas mobilem Warenwirtschaftssystem Nemo.

Entwickelt wird Wawi Nexus auf Basis auf Basis der firmen­eigenen Cloud Stackit. Es soll in zwei Jahren fertig sein, Wawi bis zum Jahr 2030 komplett ersetzen und über 120 Prozesse entlang der kompletten Lieferkette unterstützen. Ein Team aus 70 Lidl-Spezialisten und eine dreistellige Zahl an Entwicklern von Freiheit sind in das Projekt involviert; das Team soll weiter wachsen.

Bildquelle: Lidl

©2026Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok