Interview mit Klaus Stöckert, CEO des Drittwartungs-Experten Technogroup

Der Guide durch den Geräte-Dschungel im Rechenzentrum

Seit Anfang August leitet Klaus Stöckert als neuer CEO und Vorsitzender der Geschäftsführung die Technogroup. Der IT- und Digitalisierungsexperte soll die Marktpräsenz des Drittwartungsanbieters weiter ausbauen. Wir befragten ihn zu seinen Zielen und Plänen mit der Technogroup.

  • Foto: Annika List

    Klaus Stöckert:„Ich möchte, dass die Mitarbeiter statt im Unternehmen mehr am Unternehmen arbeiten.“

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    Klaus Stöckert: „Immer mehr Unternehmen setzen auf Third-Party-Maintenance und planen die Übertragung ihrer Standardaufgaben wie die RZ-Wartung an externe Partner, um Zeit für Innovationen zu gewinnen und Kosten zu sparen.“

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    Klaus Stöckert: „Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, Big Data, künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit etc. ist und bleibt das Rechenzentrum das Herz des Ganzen.“

Ein aktueller Report von Gartner Research kommt zu dem Ergebnis, dass größere Unternehmen zunehmend Third-Party-Maintenance-Anbieter beauftragen, anstatt die Wartungsservices der Hersteller zu nutzen. Der Hauptvorteil: Die TPM-Anbieter bieten Service für sämtliche Hardware-­Systeme im Rechenzentrum aus einem Guss, sind also ein „Single Point of ­Contact (SPOC) bei allen Wartungs­fragen und etwaigen Hardware-Problemen.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 11-12/2019. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Dabei bieten manche TPM-Anbieter auch hybride Wartungskonzepte an, also Maintenance unter Einbeziehung des Hardware-Herstellers (Original Equipment Manufacturer, OEM). Das können etwa Microcode- und Firmware-Änderungen sein – oder Software-Patches für das Betriebssystem. Und dieses Angebot gilt bei entsprechender Größe des Kunden auch international, sei es über Partner, sei es über eigene Standorte. Als Anbieter spielen dabei nicht nur Global Player wie Reliant Technology oder Curvature eine Rolle, sondern auch deutsche, global tätige Unternehmen wie K&P Computer oder die Technogroup. Sie versprechen ihren Kunden außer dem herstellerübergreifenden Komplett­service auch deutliche Kosteneinsparungen im Vergleich zu OEM-Angeboten, besser auf den jeweiligen Kundenbedarf an­gepasste Services und schnellere Reaktionen auf kritische Störungen.

Gerade letzteres gewinnt an Bedeutung. „Im Zuge der digitalen Transformation werden nicht nur Daten, sondern auch IT-Infrastrukturen und RZ-Services immer wichtiger“, sagt Klaus Stöckert, der im August angetretene CEO des TPM-Experten Technogroup aus Hochheim.

Gegründet 1990 ist die Technogroup heute ein breit aufgestellter Multivendor-Dienstleister für Rechenzentren. Rund 4.700 Kunden greifen laut Stöckert auf das Servicenetz zurück, hinter dem ca. 290 Mitarbeiter stehen. Man arbeite weiter konsequent am Ausbau sowohl der internationalen Präsenz als auch des Leistungsangebotes. Erst Anfang 2019 war die Präsenz mit der Übernahme des Wartungsanbieters CPU Service auf Polen ausgeweitet worden – und im September stärkte man mit dem Kauf des Cisco- und Lancom-Partners BSW-Com aus Kerpen die Netzwerk­expertise.

Bei den Wartungskosten eines Data ­Center kann man laut Gartner Group bis zu 60 ­Prozent sparen. Warum, das macht eine aktuelle Studie der Techno­group deutlich: Demnach nutzen 68 Prozent der Firmen im eigenen RZ Hardware unterschied­licher Hersteller: 38 Prozent von zwei bis fünf, 47 Prozent sogar von noch mehr ­Herstellern. Bis zu sieben Hardware-­Hersteller in einem RZ machen die Wartung einfach komplex und teuer.

Klaus Stöckert hat als neuer CEO bei dem Hochheimer Anbieter für Third-Party-Maintenance (TPM) Dr. Ralf Dingeldein abgelöst und bringt jahre­lange Erfahrung als Manager und CEO an der Schnittstelle zwischen der Informations- und Telekommunikationstechnologie mit, z.B. als CEO von Unify Deutschland (ehemals Siemens Enterprise Telecommunications). Der IT- und Digitalisierungsexperte Stöckert soll die Marktpräsenz des Drittwartungsanbieters weiter ausbauen. Wir befragten ihn zu seinen Zielen und Plänen mit der Technogroup.

Herr Stöckert, Sie bringen viel Führungserfahrung mit, allerdings aus Konzernen wie Siemens, Unify oder Atos. Was reizt Sie, nun einen Mittelständler wie die Technogroup zu führen?
Klaus Stöckert
: Ich habe mich in den letzten 18 Monaten viel mit Führung und Vertrieb im Mittelstand beschäftigt. Das sind zwei wichtige Themen in Bezug auf die Digitalisierung in Unternehmen. Was den Mittelstand ausmacht, ist die Nähe zu den Menschen – den Kunden, den Partnern und besonders den Mitarbeitern. Dieses Persönliche verbunden mit hoher ­Professionalität und Flexibilität, wie ich sie bei Technogroup erlebe, finde ich sehr reizvoll.

Sie positionieren sich als Experte für Digitalisierung und Change-Management. Was wollen Sie bei der Technogroup ändern – und was soll so bleiben wie bisher?
Stöckert
: Die Technogroup ist ein erfolgreiches Unternehmen. Wir sind Marktführer für Third-Party-Maintenance – kurz TPM – in der D/A/CH-Region. Wir haben tolle Expertise und zeichnen uns durch hohe Kundenzufrieden­heit aus. Ich erlebe bei Technogroup auch eine besondere Unternehmenskultur, die durch Offenheit, Authentizität und Teamgeist geprägt ist. Meine unternehmerische Verantwortung dabei ist, die erfolgreiche fast 30-jährige Geschichte der Technogroup fortzuschreiben, unser Portfolio weiter zu entwickeln und herstellerübergreifende Wartung im „Data Center“ noch stärker bei Unternehmen zu etablieren.

Als Management-Coach bieten Sie auch langfristige Services inklusive Interimsmanagement an. Ist ihre Aufgabe als CEO der Technogroup so ein Job auf Zeit, bis ein passender Nachfolger für Dr. Dingeldein gefunden ist – oder ist es für Sie mehr eine Berufung mit langfristiger Perspektive?
Stöckert
: Diese Aufgabe ist für mich eine Berufung. Sie ist die Motivation, die vielen guten Dinge bei Technogroup strategisch weiterzuentwickeln, damit wir unseren Kunden und Partnern auch zukünftig den Service anbieten, den sie für ihre strategische Weiterentwicklung brauchen.

Wie haben Sie die ersten 100 Tage in Ihrer neuen Rolle als CEO der Technogroup gestaltet? Wo haben Sie die Prioritäten gesetzt?
Stöckert
: Mir ging es in erster Linie darum, unsere Mitarbeiter, unsere Kunden und Partner kennenzulernen. Wir sind ein tolles und professionelles Team, das sich leidenschaftlich für unsere Kunden einsetzt. Das haben mir auch unsere Kunden und Geschäftspartner bestätigt. Im Weiteren geht es mir darum, neue Marktzugänge zu identifizieren. Unser Fokus ist, weiteres profitables Wachstum zu erzielen.

Ihr Management-Credo lautet neudeutsch „Leadership“, also „Führen von vorne“ – und als Transformations- und Digitalisierungsexperte sehen Sie den Menschen im Mittelpunkt der Digitalisierung. Was bedeutet dieses Credo für Technogroup als TPM-Anbieter, bei dem es ja viel um Hardware und IT-Infrastruktur geht?
Stöckert
: Das Herz unseres Unternehmens sind unsere Mitarbeiter. Ihr Einsatz und ihr Know-how aller gängigen Hersteller und Systeme im „Data Center“ ist der echte Mehrwert für unsere Services. Das macht Technogroup zu einem einzigartigen Lösungsanbieter. Mein Ziel ist, diese Stärke zu fördern und Mitarbeiter zu Mitgestaltern zu machen.

Wie wollen Sie die Mitarbeiter der Technogroup zu Mitgestaltern des Wandels machen? Oder sind sie das schon?
Stöckert
: Es gibt hier nicht die eine Lösung. Es ist mehr die Kombination zwischen Vertrauen, Freiraum, Verantwortung, Dialog, Förderung von Innovationen und Flexibilität. Damit dies erfolgt, braucht es eine offene Unternehmenskultur. Hier hat die Technogroup in der Vergangenheit eine Menge richtig gemacht. Ich möchte, dass die Mitarbeiter statt im Unternehmen mehr am Unternehmen arbeiten.

Haben Sie die Kunden der Technogroup bereits näher kennen gelernt? Wie gehen Sie dabei vor?
Stöckert
: Ich habe über 200 Kunden und Partner angeschrieben. Und das in Deutschland, Österreich, der Schweiz und in Polen – den Ländern, in denen wir mit unseren Niederlassungen vertreten sind. Mit einigen von ihnen habe ich mich schon persönlich ausgetauscht – bei bilateralen Gesprächen oder auf Veranstaltungen wie dem zehnjährigen Jubiläum von Technogroup Österreich. Ich bin auch sehr in den sozialen Medien aktiv und auf Linkedín und Xing schon mit einigen Kunden und Partnern vernetzt.

Die Kunden sind ja mit Sicherheit in sehr unterschiedlichen Stadien der Digitalisierung. Wo sehen Sie die größten Chancen der Technogroup, die Kunden abzuholen und bei der Digitalisierung durch Services gezielt zu unterstützen?
Stöckert
: Unser Slogan „keep IT running“ bringt es auf den Punkt. Gerade im Zeitalter der Digitalisierung, Big Data, künstlicher Intelligenz, IT-Sicherheit etc. ist und bleibt das Rechenzentrum das Herz des Ganzen. Ohne eine funktionierende, hochverfügbare und zugleich wirtschaftliche Infrastruktur kann sich unsere Wirtschaft nicht weiter entwickeln.
Mit unserem Multivendor-Service und weiteren Lösungen sorgen wir dafür, dass unsere Kunden heute, aber auch morgen, ruhig schlafen und ihre strategischen Projekte angehen können. Unsere neue Studie „Data Center Maintenance“ bestätigt diesen Ansatz. Immer mehr Unternehmen setzen auf Third-Party-Maintenance und planen die Übertragung ihrer Standardaufgaben wie die RZ-Wartung an externe Partner, um Zeit für Innovationen zu gewinnen und Kosten zu sparen.

Digitalisierung setzt ja möglichst hochverfügbare und sichere IT-Infrastrukturen voraus. Wo ergeben sich dank der Digitalisierung neue Optionen für die Technogroup?
Stöckert
: Vor allem durch Services, die Hardware-Wartung ergänzen – zum Beispiel durch unsere Monitoring-Lösung. Sie erhöht die Verfügbarkeit der Systeme und der IT-­Infrastruktur. Das Besondere daran ist, dass wir als ­Multivendor-Dienstleister mit dieser Lösung in der Lage sind, nahezu alle Hersteller und ­Systemwelten in ein Monitoring zu integrieren und in zentralen Dashboards abzubilden.
Ein weiteres Beispiel sind unsere Netzwerkservices. Wir haben erst kürzlich den Netzwerkspezialisten BSW-Com übernommen. Damit erweitern wir unser Angebot nicht nur um die Netzwerkkomponenten im Rechenzentrum, sondern auch um die modernen Networking und Collaboration Services für den Ausbau der zukunftsweisenden digitalen Arbeitsplätze.

Inwiefern gewinnt durch die Digitali-sierung auch der klassische TPM-Ansatz an Bedeutung, einen „Single Point of Contact“ für die Wartung zu schaffen?
Stöckert
: Diese Entwicklung ist ganz eindeutig erkennbar. In unserer neuen Studie geben 38 Prozent der Befragten an, in ihrem Rechenzentrum Hardware-Komponenten von zwei bis fünf Herstellern im Einsatz zu haben. 29 Prozent haben zwischen 5 und 7 Hersteller im Einsatz und immerhin 18 Prozent mehr als 7 Hersteller.
Diese Realität erinnert an einen klassischen „Geräte-Dschungel“. Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass 71 Prozent der Befragten die Optimierung der Prozesse durch ein „Single Point of Contact“ als Alternative zu den einzelnen Serviceverträgen ansehen.

TPM adressiert ja das Thema „Nachhaltigkeit“, das in der Gesellschaft rapide an Bedeutung gewinnt, weil die längere Nutzung von IT-Equipment nicht nur wirtschaftlich sinnvoll sein kann, sondern auf jeden Fall ressourcenschonend ist. Andererseits sind ältere IT-Systeme häufiger weniger leistungsfähig und energiehungriger. Mit welchen Argumenten beraten Sie einen IT-Leiter, der zwischen Modernisieren und Bewahren abwägen muss? Energiesparen durch „Green IT“ könnte ja auch sinnvoll sein …
Stöckert
: Im IT-Bereich ist ein längerer Betrieb immer nachhaltiger als ein Austausch. Denn die möglichen Energieeinsparungen von Neu­systemen fallen im Vergleich zu den verwendeten Rohstoffen kaum ins Gewicht. Wir können auch ältere Systeme erweitern oder gegen gebrauchte leistungsfähigere Systeme aus­tauschen, falls die Rechenpower nicht mehr ausreicht. Auch unterstützen wir unsere Kunden mit dem Recycling der Systeme.

Für altbewährte IT-Technologien, zum Beispiel IBM-Mainframes oder die AS/400, gibt es nicht nur kaum noch Ersatzteile, sondern auch immer weniger Experten, die sich damit auskennen. Wie kommt die Technogroup mit dieser Problematik zurecht, wenn hier TPM-Services gefragt sind?
Stöckert
: Vor solchen Herausforderungen stehen in der Tat viele Unternehmen. Wir sind Spezialisten für verschiedene Systeme im Rechenzentrum und legen viel Wert darauf, das Wissen innerhalb der Technogroup durch Trainings in unserem Schulungscenter und praktische Einsätze zu erweitern. Von diesem Wissen des Professional Services sowie der IT-Experten vor Ort profitieren schließlich unsere Kunden und Partner.

Ihre persönliche Homepage steht unter der Überschrift: „Digitalisierung beginnt im Kopf – nicht im Internet“. Was meinen Sie damit – und was heißt das für die IT-Chefs?
Stöckert
: Ich meine damit, dass die Veränderungs­bereitschaft im Kopf beginnt und viel Spaß macht, wenn man diese Chance für sich, seine Mitarbeiter und damit für das Unternehmen nutzt. Digitalisierung ist kein IT-Projekt, sondern vielmehr ein kultureller Wandel. Um dorthin zu gelangen, müssen Unternehmen sich nicht nur über die Technologien Gedanken machen, sondern auch über Services, Prozesse etc.
Vereinfachung und Standardisierung spielen dabei eine wichtige Rolle, um die frei werdenden Ressourcen produktiv im Sinne der Kunden einsetzen zu können. Der IT-Bereich als Treiber der Innovationen und interner Dienstleister muss daher versuchen, sich auf die strategischen Aufgaben und Projekte zu fokussieren. Wir helfen gerne dabei und unterstützen bei den wichtigen Standardaufgaben wie Wartung.

Herr Stöckert, vielen Dank für das Interview!

Fotos: Annika List

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