Interview mit Claus Fischer, Geschäftsführer der Technogroup IT-Service GmbH, Hochheim

Die Baumeister moderner IT-Infrastrukturen

Die Planer und Macher der Technogroup IT-Service GmbH im Interview: „Für moderne IT-Infrastrukturen gibt es keine Patentrezepte!“

Die Macher der Technogroup (von links): Alfried Netzband, Claus Fischer und Gebhard Dieser

Die Macher der Technogroup (von links): Alfried Netzband, Claus Fischer und Gebhard Dieser

Die Technogroup wächst. 1990 von den Technikern Gebhard Dieser und Claus Fischer gegründet, hat sich das Unternehmen aus dem klassischen Projektgeschäft zu einem der führenden herstellerunabhängigen IT-Dienstleister im deutschsprachigen Raum entwickelt. Es ist bereits seit 1995 nach ISO zertifiziert und wickelt alle Abläufe prozessorientiert nach Itil-Standards ab.

Über 160 Mitarbeiter betreuen heute mehr als 1.800 Kunden; 2011 waren es noch 1.000 Kunden gewesen. Im letzten Jahr schlug ein Umsatzplus von knapp 16 Prozent auf 15,5 Mio. Euro zu Buche. Dieses Wachstum lässt die Firmenzentrale in Hochheim am Main bald aus allen Nähten platzen. Das verhindern die Planer und Macher der Technogroup mit einem Erweiterungsbau, der im September bezogen werden soll. Gleichzeitig stellen sie die Weichen für weiteres Wachstum, denn das ökologische und in Fertigbauweise konzipierte Gebäude verdoppelt die Gesamtfläche durch weitere 1.100 m2 für Büros, Schulungs-, Meetings- und Aufenthaltsräume.

Moderne Technik und räumliche Nähe sollen die bereichsübergreifende Arbeit von Technik und Verwaltung weiter verbessern, so dass professionelle Services zu jedem Zeitpunkt für hundertprozentige Systemverfügbarkeit der bei den Kunden eingesetzten Hard- und Software in den Rechenzentren sorgen. Tochterfirmen in Österreich und in der Schweiz sowie nunmehr 35 Servicestützpunkte schaffen dabei Kundennähe im wahrsten Sinne des Wortes. Kurze Wege garantieren gemeinsam mit 65.000 bevorrateten Ersatzteilen überdurchschnittlich schnelle Reaktionszeiten.

Gesellschafterkreis erweitert


Außerdem haben die beiden Eigentümer nach Jahren des Wachstums entschieden, den Gesellschafterkreis zu erweitern. Zunächst haben sie Mitte 2012 den langjährigen Leiter der Technik, Alfried Netzband, in die Geschäftsführung berufen. Außerdem soll jetzt die Caldec Beteiligungen GmbH, die zum 14. März eine Minderheitsbeteiligung erworben hat, als unternehmerisch erfahrener und starker Partner die nächste Wachstumsphase mitgestalten. Dazu wurde ein Beirat gegründet, in dem neben den Geschäftsführern auch die Caldec-Gesellschafter Florian Wendelstadt und Markus Metyas vertreten sind.

Caldec unterscheidet sich im Hinblick auf Langfristigkeit und mit seiner strategischen Mitarbeit von klassischen Beteiligungsfonds. „Künftig geht es um Internationalisierung und Expansion in neue Märkte“, erklärt Technogroup-Geschäftsführer Fischer. Dafür gebe es nun das nötige zusätzliche Know-how und auch Kapital. Im Interview mit DV-Dialog erläutert er, welche Trends mit Blick auf Wirtschaftlichkeit und Verfügbarbeit der IT im Mittelstand wichtig sind.

Längst „herstellerneutral“

In das Wartungsgeschäft eingestiegen ist die Technogroup 1990 mit den Schwerpunkten Mainframe und AS/400. Das heutige Power System i spielt folglich immer noch eine wichtige Rolle im Serviceportfolio der Hochheimer, die längst „herstellerneutral“ agieren und auch andere Syteme warten – etwa von HP, EMC, Cisco, Brocade oder Hitachi.

Die Technogroup verspricht darüber hinaus auch „budgetgerechte Lösungen für jeden Bedarf“. Wenn es etwa darum geht, für einen gewissen Zeitraum Speicherkapazitäten zu erweitern oder für ein Projekt mehr Performance bereitzustellen, ist auch eine Kurzzeitmiete der gewünschten Hardware möglich. Bei Budget­engpässen gibt es individuelle Leasing- oder Finanzierungsangebote.

Green IT ist für die Technogroup mehr als nur Energieeffizienz. Geschäftsführer Claus Fischer plädiert vor allem für Nachhaltigkeit und deshalb für längere Hardwarelebenszyklen bei den Kunden. Er empfiehlt durchaus den Einsatz gebrauchter Systeme. Mit Blick auf die Nachhaltigkeit feilt die Technogroup zudem ständig am Service; so wurde z.B. ein Elektro-Auto angeschafft, um damit Erfahrungen zu sammeln, wie die Techniker künftig energiesparend zum Kunden kommen.

„Mittelständler müssen nicht immer die neuesten Servermodelle einsetzen“, betont Fischer im Interview mit DV-Dialog. „Vielmehr sollten sie sich innovative Geräte in Ruhe anschauen und die ersten Erfahrungen anderer damit abwarten.“ Solche Erfahrungen kann er weitervermitteln, denn die Technogroup arbeitet auch für Outsourcing- und Cloud-Provider, die neue Technologien als „Early Adopter“ frühzeitig nutzen.

Herr Fischer, ein reibungsloser IT-Betrieb ohne Störungen ist heute im Mittelstand mehr gefragt denn je. Wie schätzen Sie den Status quo der Betriebssicherheit ein?

Claus Fischer: Das lässt sich so pauschal nicht sagen, denn da muss man differenzieren. Einerseits ist die Hardware im Fortschritt der Technik eher zuverlässiger geworden, andererseits wächst die Komplexität mit den Software-Anwendungen permanent – und damit auch die Störungsanfälligkeit.
Wenn wir das weite Feld der Open-Source-Lösungen, der Windows-Welt und jetzt auch der virtualisierten Cloud-Umgebungen betrachten, wird es mit Blick auf die Sicherheit sehr schnell sehr wolkig. Auf der anderen Seite bildet das Power System i, die iSeries oder AS/400 einen Gegenpol, der in puncto Zuverlässigkeit und Sicherheit klare Alleinstellungsmerkmale bietet.
Wie allen Systemen, die nicht Windows-basiert sind, kommt der AS/400 zugute, dass sie allein schon deshalb quasi von Natur aus gegen Außenangriffe wesentlich besser gewappnet ist. Die AS/400 gilt aber darüber hinaus mit Fug und Recht als das Hochsicherheitssystem unter allen Servern.

Gibt es Besonderheiten, wenn das Power System i im RZ zum Einsatz kommt?
Fischer:
Kann die Zugriffssicherheit gewährleistet werden, ist ein wichtiger Aspekt der Betriebs­sicherheit abgehakt. Im Bereich Funktions­tüchtigkeit und Zuverlässigkeit hat sich seit der Einführung der AS/400 im Jahr 1988 sehr viel getan. Die Systeme sind vor allem viel robuster geworden, etwa durch Redundanzen wie RAID-Platten oder doppelte Stromversorgung.
Außerdem kommt den IT-Chefs auch der Preisverfall bei den Servern zu Hilfe, denn dank der geringeren Anschaffungskosten können sie sich mehr Sicherheit erkaufen. Ein kleines System i, auf dem man die wichtigsten Anwendungen für den Notfall vorhalten kann, kostet ja nur noch 10.000 bis 20.000 Euro. Früher waren dann 150.000 DM oder mehr zu investieren.

Also leistet man sich zwei Server für den Fall, dass einer streikt ...
Fischer:
Genau. Nicht nur der Preis für Serverleistung ist in den letzten 25 Jahren extrem gesunken. Auch Wartung und Unterhalt (z.B. der Energieverbrauch) sind wesentlich güns­tiger geworden. Hier setzen spezielle Hochverfügbarkeitslösungen an, die weit über die reine Hardwarewartung und den Softwaresupport hinausgehen. Denn auch mit einem ausgetüftelten Wartungsvertrag erhält der Kunde noch längst keine Hochverfügbarkeit seiner IT, selbst bei genügend Redundanzen und garantierter Reparatur innerhalb kürzester Frist. Der Totalausfall eines Systems kann ja auch durch äußere Einflüsse bedingt sein, etwa durch einen Brand oder wie kürzlich durch das Hochwasser.

Was hat sich verändert in puncto IT-Sicherheit im Mittelstand?
Fischer: Es wird mehr in die bauliche Sicherheit und die Infrastruktur der Rechenzentren investiert. Früher stand die AS/400 vielleicht noch in einem Büro – und ein Buchhalter hatte die Sicherungsbänder gewechselt. Diese Zeiten sind passé, denn die Mittelständler haben längst erkannt, dass sie ohne funktio­nierende IT große Probleme bekommen. Heute sind die Server entweder in einem moder­nen Hochsicherheits-RZ bei einem Hosting- bzw. Outsourcingdienstleister untergebracht – oder das Unternehmen hat eine eigene RZ-Infrastruktur geschaffen, Stichwort Lampertz-Zelle.
Die Server stehen heute in klimatisierten Räumen mit viel stabilerer Stromversorgung. Das trägt ebenfalls zum störungsfreien IT-Betrieb bei. Ausfälle durch überhitzte Server kommen kaum noch vor, zumal wenn die Systeme entsprechend überwacht sind. Sollte sich ein Temperaturproblem anbahnen, dann bekommt der Adminis­trator eine entsprechende Warnung des Servers.

Was hat sich da im Lauf der Zeit verbessert? Die AS/400 war ja 1988 das erste Midrange-System mit Fernwartung überhaupt ...
Fischer:
Es gibt viel mehr Meldungen, die auch noch viel genauer sind. Das heißt für uns als Serviceprovider: Wir können agieren, bevor ein Problem zur Störung wird – und beispielsweise einen Klimatechniker rufen. Und droht eine echte Störung, können wir den Server vorher kontrolliert herunterfahren. Solche Automatismen sind bereits in moderne Server eingebaut: Wenn der erkennt, dass es nicht mehr weitergeht, kann er selbst automatisch ein kontrolliertes Shutdown einleiten, bevor er abstürzt. All das war früher nicht möglich.
So verhindern wir, dass die rote Lampe im RZ des Kunden angeht. Weil wir schon eingreifen, falls in der Nacht das grüne Licht zu flackern beginnt. Je nach Vertragssituation beheben wir das Problem direkt – oder wir geben dem Kunden entsprechende Hinweise.

Wann?
Fischer:
Unsere Techniker und die Ersatzteile sind rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche verfügbar. Ob ein Techniker aber noch nachts oder am Wochenende tatsächlich vor Ort kommt, hängt von der Dringlichkeit der Störung für den Kunden ab.
Man darf nicht vergessen: Der Kunde hat selbst zusätzlichen Aufwand, weil er einen Mitarbeiter aktivieren muss, der den Techniker in das Rechenzentrum lässt und ihn zum Gerät führt. Ist das geregelt, können wir sogar garantieren, dass ein Gerät innerhalb von vier oder sechs Stunden repariert ist, weil wir die Ersatzteile in der Region oder – falls es besonders zeitkritisch ist – beim Kunden selbst vorhalten.
Übrigens laufen moderne Server sogar bei einem technischen Defekt weiter, weil alle wichtigen Bauteile redundant ausgelegt sind; deshalb können wir sie sogar im laufenden Betrieb reparieren. Ein zweiter Defekt würde aber endgültig zum Absturz führen; also ist Eile geboten. Angesichts der Zuverlässigkeit der Systeme sagen uns manche IT-Chefs aber trotzdem: „Kommen Sie am Dienstagnachmittag; dann haben wir Zeit für die Techniker.“

Wie ist denn der State of the Art bei den Kunden? Sind die meisten auf aktueller Power7-Technologie – oder treffen Sie noch ältere Hardware an?
Fischer:
Power5 finden wir noch sehr oft vor. Das ist auch eine Frage der Philosophie des IT-Chefs: Setzt er immer auf aktuellste Hardware oder lässt er auch einmal eine Systemgeneration aus? Wir empfehlen unseren Kunden, immer nur jede zweite Hardwaregeneration zu nutzen, da längere Nutzungszyklen Kosten sparen. Das geht nicht immer, sondern hängt von den Anwendungen ab; manchmal erzwingen Probleme bei Performance oder Interoperabilität den Wechsel auf aktuelle Hardware. Aber auch umgekehrt wird ein Schuh daraus, denn es gibt auch bestens bewährte Anwendungen, die der Kunde einfach nur unverändert weiter betreiben will. Hier gibt es keinerlei Notwendigkeit, in die Hardware zu investieren, nur weil der Hersteller etwas Neues zu bieten hat. Gerade für solche Anwendungen kann sich unser Support lohnen, denn der unterstützt sogar „End of Live“-Systeme, die aus der Wartung des Herstellers gefallen sind. Anders als ihre Kunden haben die Hersteller kein Interesse daran, dass uralte Server weiter genutzt werden, denn sie wollen ja neue Geräte verkaufen. Deshalb üben sie auch einen gewissen Druck aus.
 
Und wie federn Sie diesen Druck ab?
Fischer:
Indem wir für eingefrorene Systeme unsere Wartungsgarantie für ein definiertes Zeitfenster geben, beispielsweise für drei oder fünf Jahre. Die Hersteller machen ihren Kunden oft Angst mit Ausfallszenarien, in denen Ersatzteile oder Skills für die alten Schätzchen fehlen. Diese Angst ist unbegründet. Wir besorgen die Ersatzteile und haben auch die Experten für Hard- und Software an Bord. Die IT-Chefs sollten sich am besten gar nicht in eine Zwangslage manövrieren lassen, sondern sich frühzeitig Gedanken machen, wie sie ihre Hardware­landschaft weiterentwickeln wollen.
Anders als beim Auto, bei dem Verschleißteile wie Reifen oder Bremsen regelmäßig ausgetauscht werden müssen, altern IT-Systeme in klimatisierten Räumen kaum. Natürlich gibt es anfällige Mechanik bei Platten- oder Bandlaufwerken und bei Druckern. Aber die Elektronik der Server ist wesentlich langlebiger, als es die Hersteller angeben.

Was passiert, wenn ein Gerät vom Hersteller ausgemustert wird?
Fischer:
Bevor der Hersteller den Support einstellt, entwickeln wir gemeinsam mit dem Kunden einen Plan, wie er das System noch länger sinnvoll nutzen kann. Wenn irgendjemand irgendwo im Unternehmen noch ein uraltes System/36 betreibt, das er noch ein halbes Jahr von uns gewartet haben möchte, dann machen wir das nicht, denn dafür haben selbst wir nicht mehr die Skills und Ersatzteile. Die nötigen Vorinvestitionen wären uns zu groß.
Langjährigen Kunden aber, die beispielsweise ihre AS/400-Anwendungen einfrieren und die Systeme noch bis 2018 oder länger unverändert betreiben wollen, helfen wir natürlich. Dafür haben wir die nötige Expertise im Haus. Und unser Einkauf kann aufgrund seiner Erfahrung genau abschätzen, wie wir die Ersatzteilversorgung bis Vertragsende garantieren können.

Übernehmen Sie auch den Komplettservice für abgekündigte Server plus Betriebssystem?
Fischer:
Natürlich bieten wir Hardware- und Softwaresupport aus einer Hand. Damit kann ein Mittelständler z.B. auch Spitzen abfangen, falls sein Administrator urlaubs- oder krankheitsbedingt fehlt, Feierabend hat oder mit einem Umstellungsprojekt voll ausgelastet ist. Dann können wir – z.B. nachts, am Wochenende oder während der Ferien – anstelle des Administrators den Serverbetrieb überwachen und steuern. Wir wollen nicht in die Anwendungen hinein –  und wir sind auch kein Hoster, der die Server seiner Kunden ins eigene Rechenzentrum holt.
Allerdings arbeiten wir mit Partnern zusammen, die diesen Service anbieten. Da gibt es genügend Profis, die Rechenzentren professionell betreiben; wir unterhalten unser eigenes RZ ausschließlich für Test- und Schulungszwecke.

Die Entwicklung der Servertechnologie und neue Service-Angebote der Hersteller verbessern die Verfügbarkeit der IT-Systeme.
Worin sehen Sie die wichtigsten Trends für die Mittelständler?
Fischer:
Wir sind da sehr nah am Ball, weil wir auch die Systeme sehr großer Kunden betreuen, die eng mit den Herstellern kooperieren und teilweise im Pilotbetrieb auch die Entwicklung dieser Produkte mit beeinflussen. Allerdings übernehmen wir die Wartung der Systeme ja erst nach Ablauf der Garantiezeit, also in der Regel nach zwölf Monaten. Dann sind die Kinderkrankheiten meistens schon überwunden und die Systeme stabil.
Deshalb ist das System i für uns eine tolle Sache. Das ist eine stabile Technologie, die seit 25 Jahren kontinuierlich weiterentwickelt wird. Da gibt es keine Sprünge, sondern vielmehr jede Menge Erfahrung und eine große Nachfrage nach unseren Services.

Wie sollte eine gute IT-Infrastruktur heute aussehen?
Fischer:
Dafür gibt es kein Patentrezept. Die Wünsche und Möglichkeiten der Kunden sind ebenso vielfältig wie ihre Ziele und ihre Ausgangslage. Eine Modernisierungsstrategie kann man nicht von der Stange kaufen; wir ent­wickeln sie vielmehr in intensiven Diskussionen mit den Kunden jedes Mal individuell ganz neu.
Dabei arbeiten wir völlig herstellerneutral. Ob der Kunde eine AS/400 hat oder den Server eines anderen Herstellers, ist uns letztlich egal. Das sollte allein von seinen Anwendungen und Anforderungen abhängen. Wir verfügen über Know-how im Umfeld aller gängigen Systemplattformen und können den Kunden beraten, welche Vor- und Nachteile ein Wechsel mit sich bringen würde und welche Kosten er nach sich zieht, sowohl beim Umstieg als auch später im Betrieb.

Tendieren die Kunden heute eher dazu, ihre Systeme selbst zu betreiben oder auszulagern an einen Provider beziehungsweise „in die Cloud“?
Fischer:
Alle reden heute über die Cloud – und man kann das Thema auch gar nicht wegdiskutieren. Ein Mittelständler, der in die Cloud gehen will, muss sich aber genau überlegen, mit welchem Provider er das macht. Wenn er seine Daten schon aus dem Haus gibt, muss er ja mindestens wissen, wo sie gespeichert werden. Das ist das Allerwichtigste. Das macht allein die aktuelle Diskussion um Snowdon und die Wirtschaftsspionage der Geheimdienste wieder überdeutlich.
Die Auseinandersetzung damit, wo genau in der Cloud sich die Daten befinden, habe ich in den letzten Jahren noch allzuoft vermisst. In den Tiefen der Cloud gibt es ja beim Provider irgendwo auch wieder Server und Speicher, um die Daten zu verarbeiten. Die können in Amerika stehen, in Deutschland, Irland oder auch in Indonesien. Das ist nicht nur mit Blick auf die Rechtslage in diesen Staaten ein großer Unterschied, sondern auch bei den Arbeits- und Umweltbedingungen. Die Unterschiede im Umgang mit den Kundendaten können beträchtlich sein. Wir wissen das, da wir auch für etliche Cloud-Provider Supportleistungen erbringen.
Die Provider garantieren zwar allesamt Datensicherheit, doch ihre Kunden haben die Daten nicht mehr unter ihrer Kontrolle. Da können unerwartete Dinge geschehen – allein schon, weil die Daten durch ein Überseekabel transportiert werden, das abgehört wird. Daher macht es vielleicht auch Sinn, mit einem kleinen regionalen Cloud-Provider zusammenzuarbeiten, den man gut kennt und dem man vertrauen kann.

Sehen Sie noch andere Risiken beim Weg in die Cloud?
Fischer:
Anders als beim eigenen RZ kennt man nicht die Kostenstrukturen von morgen. Was ist, wenn der Mittelstand irgendwann keine eigene IT-Expertise mehr hat und die Outsourcer die Preisschraube andrehen? Der Weg zurück ist immer schwierig; das wissen wir, weil wir schon etliche Kunden unterstützt haben, die ihre ausgelagerten Daten und Anwendungen aus den unterschiedlichsten Gründen wieder ins eigene Haus zurückgeholt haben.

Herr Fischer, vielen Dank für das Interview!

©2019Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok