Tüv Nord will Risiken der digitalen Transformation minimieren

Die digitalisierte Welt sicher machen

Beim Tüv Nord blickt man auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2018 zurück. Der Umsatz erhöhte sich um knapp 45 Mio. auf gut 1,2 Mrd. Euro, das Ebit stieg auf 80,2 Mio. Euro. „Mit der digitalen Vernetzung aller Lebensbereiche rückt die IT-Sicherheit immer weiter in den Fokus unserer Tätigkeiten“, sagte Dirk Stenkamp, Vorsitzender des Vorstands, auf der Bilanzpressekonferenz in Hannover.

  • Der digitale Prüfassistent ist eine Kombination aus App und Wissensdatenbank, die den sehr arbeitsintensiven Prüf- und Zertifizierungsprozess vereinfacht.

  • Digitale Fahrzeugbewertung per App: Live-Expert-Technologie in China im Einsatz.

Stenkamp will dafür sorgen, dass Industrieroboter, selbstfahrende Autos und die Stromversorgung „sicher funktionieren und gegen Cyberangriffe gehärtet sind.“ Im IT-Bereich wird daher das Stammgeschäft, die Prüfung und Zertifizierung von Hardware, IT-Infrastruktur und Anwendungssystemen, ausgebaut. Die 2018 neu gegründete Tochter Tüv Nord IT Secure Communications mit Sitz in Berlin hat bereits im ersten Jahr einen behördlichen Großauftrag im Bereich digitale Telekommunikations- und IT-Netze erhalten.

KI ergänzt das Wissen der Gutachter

Alle Geschäftsbereiche des Tüv Nord nutzen laut Stenkamp die digitale Transformation zur Entwicklung innovativer Kundenlösungen. Als Beispiel führt er das „Digital Monitoring System“ (DMS) an: Digital vernetzte Sensoren zeigen in Echtzeit an, wie hoch die mechanische Belastung stark beanspruchter Anlagen, wie zum Beispiel Kränen, ist.

Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt an einem Containerterminal im Hamburger Hafen kann die Technologie auch für die Windenergie oder an Straßenbrücken zum Einsatz kommen. „Mit DMS erkennen wir Materialermüdungen, bevor sie zu Schäden führen. Risiken zu minimieren heißt für uns, immer einen Schritt voraus zu sein und die Zukunft bereits heute sicher zu machen. Denn Sicherheit und Vertrauen bleiben auch in Zukunft die Basis allen Handelns“, sagte Stenkamp.

Mit innovativen Dienstleistungen will der Tüv Nord die Akzeptanz für die digitale Vernetzung der Industrie, Energieversorgung und Mobilität weltweit fördern:

  • gemeinsam mit dem Tüv-Verband wurde ein Trust-Center-Konzept zum Schutz digitaler Nutzer- und Fahrdaten beim (teil-)automatisierten Fahren vorgelegt.
  • Tüv IT, eine Tochter des Tüv Nord, hat in einem aufwändigen Prüfprozess maßgeblich zur bundesweit ersten Zertifizierung von „Smart Meter Gateways“ (das sind digitale Stromverbrauchszähler) durch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) beigetragen. Dabei geht es auch um den Schutz von Verbraucherdaten.
  • In der additiven Fertigung hat der Tüv Nord erstmals die physikalischen Eigenschaften der metallischen Ausgangsstoffe für den 3D-Druck messtechnisch charakterisiert und führt die gesetzlich geforderten Materialprüfungen durch.

Auch Künstliche Intelligenz (KI) soll künftig „elementarer Bestandteil“ der Services des Tüv Nord werden. „KI-Algorithmen nutzen das Wissen unserer Experten. In Verbindung mit dem gerichtsfesten Live-Expert-Video-Streaming wird der Einsatz von Tüv-Nord-Kompetenzen über Tausende von Kilometern hinweg möglich, so dass ein Gutachter nicht mehr zwingend physisch vor Ort sein muss“, kündigte Stenkamp an. Das bereits bei Fahrzeugen bewährte Live-Expert-System kommt künftig auch in der Industrie zum Einsatz.

Neue Dienste für 5G

Nach der Versteigerung der 5G-Frequenzen können Industrieunternehmen bei der Bundesnetzagentur in den kommenden Monaten eigene, lokale 5G-Frequenzen beantragen.

„Deutschland muss diese Schlüsseltechnologie schnellstmöglich einführen“ betont Dirk Stenkamp. „Nur mit einem leistungsstarken, flächendeckenden 5G-Netz bleiben wir beim Internet der Dinge, der vernetzten Produktion, in der Medizintechnik und beim autonomen Fahren international auf Augenhöhe.“

Die neu gegründete Gesellschaft Tüv Nord IT Secure Communications, die auf die Beratung für Telekommunikations- und IT-Netze spezialisiert ist, unterstütze daher auch Unternehmen, die sich für ein eigenes, lokales 5G-Netz entscheiden.

Die Digital Academy

„Mit unserer selbst entwickelten Methodik der Digital Academy treiben wir den Wandel im Unternehmen aktiv voran“, sagte Personalvorstand Harald Reutter. Aus diesem Befähigungsprogramm für Mitarbeitende seien bereits zwanzig Digitalisierungs-Projekte hervorgegangen. „Wir bilden Kolleginnen und Kollegen aus allen Geschäftsbereichen zu ‚Digital Experts‘ aus. Diese kehren anschließend in ihre operativen Gebiete zurück und entwickeln innovative Dienstleistungen und Prozesse. Das Programm stößt auch außerhalb des Konzerns auf hohes Interesse. Wir bieten es Unternehmen, Behörden und Organisationen mit maßgeschneiderten Inhalten an.“

Nachhaltigkeit stärken

Der Tüv Nord, 1869 von Fabrikbesitzer und Reeder als norddeutscher Dampfkessel-Überwachungsverein gründet, bekennt sich seit jeher zur Verantwortung für Menschen und Umwelt. Ab sofort gibt sie detailliert Auskunft über die ökonomischen, ökologischen und gesellschaftlichen Auswirkungen ihrer Geschäftstätigkeit und erläutert, wie Corporate Responsibility (CR) in die Unternehmensprozesse integriert wird.

In diesem Jahr feiert das Unternehmen folglich sein 150 jähriges Bestehen. Zu den Aktivitäten gehören eine zentrale Veranstaltung am 9. Mai in Hamburg und eine Roadshow an die bundesweit 25 größten Tüv-Nord-Standorte. „Was die ersten Ingenieure damals angetrieben hat, gilt bis heute für uns alle: ‚Wir leben Sicherheit!‘“, sagt Firmenchef Dirk Stenkamp. „Mit diesem Leitsatz ist Tüv Nord zu einem weltweit anerkannten Technologiedienstleister geworden. Im digitalen Zeitalter mit Hackerangriffen auf sensible und private Daten, mit Maschinen, die eigenständig lernen und selbstfahrenden Autos sind Vertrauen und Sicherheit durch neutrale Prüfer noch unverzichtbarer als in den vergangenen, bewegten 150 Jahren.“

Bildquelle: Frauke Schumann/Tüv Nord AG, Xiansheng Chen

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