Titelinterview mit den ITML-Geschäftsführern Willy Krießler und Tobias Wahner

Die ERP-Welt dreht sich heute schneller

Zahlreiche unterschiedliche Trends prägen den ERP-Markt allgemein und den SAP-Markt insbesondere. Kleinere ERP-Anbieter sehen sich überfordert mit der Fülle an technischen Innovationen, die für ERP-Anwendungen relevant sind. Denn Social Media, CRM oder Optimierung von Lieferkette und Logistik beispielsweise sind nicht nur Marketingthemen der Hersteller, sondern wirkliche Bedürfnisse der Kunden und der Anwender. Dazu kommen Cloud Computing oder In-Memory-Datenbanken, – mit gravierenden Auswirkungen auf den Betrieb von ERP-Systemen und die dafür nötigen Infrastrukturen. Nicht zu unterschätzen sind die Folgen mobiler Anwendungen für das ERP-System, denn Tablet und Smartphone halten Einzug in die Geschäftswelt und verändern die Bedienoberfläche radikal.

Die ITML-Geschäftsführer Willy Krießler (links) und Tobias Wahner

„Diesen Anforderungen können nur wenige große Anbieter mit entsprechender Kundenbasis in der gebotenen Kürze der Zeit Rechnung tragen“, meint ITML-Geschäftsführer Tobias Wahner. „Nur sie können die nötigen Investitionen in die eigene Entwicklung stemmen, nur sie haben genügend Partner, die ergänzend zum ERP-Kern veredelnde Add-ons beisteuern. Und zur Not haben sie die Finanzkraft, um sich fehlende Technologien durch eine Akquisition oder einen OEM-Vertrag kurzfristig zu beschaffen.“ Gleichzeitig stellt sein Kollege Willy Krießler fest, dass ERP-Standards in der Gunst der Kunden steigen. „Sie setzen mehr und mehr auf standardisierte Pakete, um ihre Projekte zu beschleunigen und die Risiken und Aufwände für die Software-Einführung zu senken“, beobachtet der Geschäftsführer des SAP-Partners aus Pforzheim. „In der Softwarewelt geht heute alles schneller als früher: Es dauert einerseits nicht mehr so lange, bis die Entscheidung für eine bestimmte Software fällt, andererseits verkürzt sich aber auch deren Nutzungsdauer.“ Für Kernfunktionen, wie Bestandsführung oder Finanzbuchhaltung, hält er Investi­tionszyklen von acht bis zehn Jahren immer noch für adäquat. Aber bei der Vielzahl von Add-ons, die diese Kernfunktionen ergänzen, sei heute eine Nutzungsdauer von etwa fünf Jahren üblich.

Legen Mittelständler heute nicht mehr so viel Wert auf eigene bzw. maßgeschneiderte IT-Lösungen wie früher?
Tobias Wahner: Im Zeitalter der Globalisierung will der Mittelstand von „größeren“ ERP-Lösungen profitieren. Demzufolge ist man auch offener geworden für Standards. Noch vor wenigen Jahren wollten sich die Mittelständler nicht in die Karten schauen lassen und sich vom Wettbewerb auch in der IT differenzieren. Da kam ein ERP-Paket schon allein deshalb nicht in Betracht, weil es bei der Konkurrenz bereits im Einsatz war.
Willy Krießler: Unternehmen differenzieren sich über die Produkte und Leistungen, die sie am Markt anbieten – und nicht über die ERP-Software, die sie dafür einsetzen. Software ist nur ein Mittel zum Zweck. Vielmehr kommt es darauf an, wie intelligent diese Software konfiguriert ist und wie intensiv die Mitarbeiter sie tatsächlich nutzen. Hier geht es um spezialisierte Branchenlösungen auf Basis der großen Standardpakete und um Templates, mit deren Hilfe sich ein hohes Maß an Individualisierung erreichen lässt. Wer auf etablierte Standards setzt, macht sich außerdem von eigenen IT-Mitarbeitern unabhängig und kann Ideen, die von außerhalb kommen, schneller adaptieren.

Mobile und Social Business, Big Data und Business Intelligence, Cloud Computing und Hana – technische Hypes wie diese prägten die Cebit-Auftritte aller ERP-Hersteller. Welche dieser Trends sind heute schon „mittelstandskompatibel“ mit Blick auf Kosten, technische Reife und Akzeptanz durch die Anwender?
Krießler:
Bei den mobilen Anwendungen gibt es auf jeden Fall eine große Nachfrage, auch wenn sich viele mit der Umsetzung noch schwertun; es fehlen vielerorts noch die Strategien und Business Cases für die Einführung mobiler Endgeräte. Deshalb ist  unsere Strategieberatung sehr gefragt.
Wahner: In der Praxis gibt es vor allem zwei Szenarien für mobile Endgeräte im ERP-Einsatz. Das sind zum einen Massenszenarien wie die Reisekostenabrechnung, die Arbeitszeiterfassung oder das Ticketing, etwa im Projektmanagement oder in der IT-Abteilung. Zum anderen gibt es kleinere Anwendergruppen mit sehr spezifischen Anforderungen, etwa im Vertrieb oder im Management mit klassischen Themen aus dem Bereich der Außendienstanbindung.
Krießler: Auch in der Logistik oder im Kundendienst kann sich der Einsatz mobiler Endgeräte schnell bezahlt machen. Mobile Datenerfassung vermeidet beispielsweise Medienbrüche und senkt damit die Wahrscheinlichkeit von Erfassungsfehlern. Die Daten gelangen in Echtzeit direkt ins ERP-System und können somit schneller weiterverarbeitet werden. Außerdem haben die Mitarbeiter so die aktuellen Kunden- und Produktdaten ständig vor Ort, was Rückfragen erspart und viele Prozesse beschleunigt.

Türöffner für mobile Anwendungen sind ja oft iPhone und iPad. Inwieweit droht SAP hier eine Geräteabhängigkeit?
Krießler:
Ihre Unabhängigkeit demonstriert SAP auf der Serverseite eindrucksvoll. Welche Infrastruktur auch immer der Kunde hat, die ERP-Software läuft problemlos auf so unterschiedlichen Plattformen wie Windows, Linux, Unix oder AS/400. Auf der Seite der Endgeräte strebt man dasselbe an, mit der browserbasierten Webplattform HTML5 als gemeinsamen Nenner.
Wahner: Allerdings ist es bei den Endgeräten wie bei den Servern – alle haben ihre ganz spezifischen Stärken und Eigenschaften; der Bildschirm eines Smartphones ist natürlich viel kleiner als der eines Tablet-PCs, was die Interaktion maßgeblich beeinflusst. Wer beispielsweise die Kamera des iPhone nutzen will, kommt um native Funktionen des Gerätes nicht herum. Gefragt sind native Apps, ebenso bei Offlinefunktionen. Nicht immer und überall hat man eine Internetverbindung, will aber dennoch weiterarbeiten. Dafür bietet sich die SAP Mobile Platform (Anmerkung der Redaktion: vormals Sybase Unwired Platform) an, mit der Unternehmen ihre Backend-Datenquellen plattform­unabhängig mit allen wichtigen Gerätetypen verknüpfen können – einschließlich Blackberry, Windows Mobile, iOS und Android.
Krießler: So lassen sich mobile Anwendungen erstellen und verwalten, die eine sichere Verbindung aller wichtigen Gerätetypen zum SAP-System herstellen. Diese Anwendungen müssen dann aber noch optimiert werden, was für den Mittelstand durchaus zu kompliziert und aufwendig sein kann. Deshalb haben wir den Spin-off ITML Business Solutions gegründet. Diese Tochter mit Sitz in Hamburg bietet das Hosting mobiler Anwendungen und gemeinsam mit ITML auch deren Entwicklung an.

Ein anderes Beispiel für ERP-Innovationen ist Hana: ITML nutzt die In-Memory-Datenbank bereits produktiv mit der Business Suite. Warum so schnell – und wofür?
Krießler:
Das Thema Hana beschäftigt uns in der Tat sehr stark, weil die Beschleunigung durch In-Memory-Computing der Erwartungshaltung der Anwender – insbesondere auch der mobilen Nutzer – gerecht wird. Die User sind nicht mehr bereit auf Ergebnisse zu warten. Das ERP-System muss also auf Knopfdruck liefern; lange Batchläufe, die manchmal auch erst in der Nacht oder gar am Wochenende gestartet werden dürfen, sind dadurch inakzeptabel.
Wahner: Der Anwender, der zu Hause von seiner App auf dem Smartphone direkt die gewünschten Informationen erhält, erwartet das völlig zu Recht auch in der Geschäftswelt. Da ist der IT-Chef gefordert, dem mit Hana und anderen neuen Technologien die Mittel dafür zur Verfügung stehen. Gleichzeitig eröffnet ihm Hana aber auch völlig neue Anwendungsbereiche.

Können Sie dafür ein Beispiel nennen?
Wahner:
Wir haben vor vielen Jahren bei einem Automobilzulieferer SAP eingeführt, der damals schon in der Produktion seine Prozessdaten sehr detailliert aufgenommen hat. Für die Auswertung und Verarbeitung dieser Prozessdaten hat er eigene Anwendungen entwickelt, die nicht auf SAP basierten, sondern über Schnittstellen damit verbandelt wurden. Kam es in der Produktion der Bauteile zu Problemen, war die Ursachenforschung oft knifflig und zeitraubend, weil z. B. noch ergänzende Stammdaten aus dem SAP System zusammengesucht werden mussten. So etwas lässt sich mit Hana viel eleganter und vor allem schneller lösen.
Krießler: Anwendungsfelder von Hana sehen wir aber nicht nur in ergänzenden Analysefunktionen, sondern durchaus auch in ERP-Kernanwendungen. Nehmen Sie zum Beispiel die Simulationsfunktionen, die SAP vor etlichen Jahren für das Supply Chain Management geschaffen hat. Ursprünglich als Advanced Planner & Optimizer, kurz APO, vermarktet, wird das Produkt heute als SAP SCM angeboten. Es wäre auch für den Mittelstand interessant, gilt aber als teuer, weil die dafür vom ERP-System benötigte Menge an Detaildaten zu umfangreich ist.
Simulationen auf Basis dieser Daten erfordern bisher Batchläufe; dank Hana können diese Datenmengen künftig online im Hauptspeicher ausgewertet werden, was die Planung verbessert und die Reaktionszeiten verkürzt. Zudem vermindert Hana sowohl die Komplexität als auch das Risiko der Projekte deutlich. Die große Masse der Daten direkt im Hauptspeicher zu verarbeiten kann so aber auch in vielen anderen Anwendungsbereichen einen großen Innovationsschub bringen.

Welche Vorgehensweisen gibt es bei der Einführung von Hana?
Wahner:
Dafür gibt es drei Szenarien. Erstens kann man das komplette ERP-System auf der Hana-Suite betreiben, was bei Neuinstallation durchaus sinnvoll sein kann. Hat ein Kunde schon SAP im Einsatz, wird in den meisten Fällen die Installation einer angedockten Hana-Engine für neue Anwendungen der Königsweg sein; dafür hat SAP tolle Mechanismen entwickelt, die das einfach machen. Beispielsweise gibt es Modellierungswerkzeuge, mit denen sich die benötigten ERP-Daten sehr schnell ermitteln und bereitstellen lassen. Das dritte Szenario betrifft die Beschleunigung etablierter Anwendungen im Bereich Business Intelligence; dafür liefert SAP ja schon länger Lösungen und war damit im vergangenen Jahr sehr erfolgreich.

Gibt es Daumenregeln zu den Kosten von Suite on Hana?
Wahner:
Zweifellos ist für die Beschleunigung des ERP-Betriebs ein Aufpreis zu zahlen, denn Hauptspeicher ist nun einmal teurer als Plattenspeicher. Bei den Lizenzkosten ist zu bedenken, dass SAP seit Jahresbeginn Suite on Hana mit einem sehr mittelstandsfreundlichen Lizenz­modell anbietet, so dass es auf Softwareseite keine elementaren Mehrkosten gibt.
Krießler: Abhängig vom Datenvolumen ist natürlich ein IT-System als Plattform nötig, das eine entsprechende Hauptspeicherkapazität aufweist. Wir sprechen von einem Kostenfaktor 3, der bei Hardware zu Buche schlägt, da sehr schnelle Platten notwendig sind. Hier spielt uns die Technologie der Solid State Discs in die Karten; damit lässt sich asynchron sehr schnell ein Log der im Hauptspeicher verarbeiteten Daten auf die Platten schreiben, so dass wie bei klassischen Datenbanken das Verlustrisiko von Daten sehr klein ist. Da aber Hardware bei den Gesamtkosten eines ERP-Projektes nur eine untergeordnete Rolle spielt, stellen wir bei Hana-Projekten den Nutzen in den Vordergrund.

Betreut ITML schon Kunden, die Suite on Hana einsetzen?
Krießler:
Noch nicht. Sie dürfen ja nicht vergessen, dass die Ankündigung erst Anfang Januar erfolgte. Wir analysieren derzeit gemeinsam mit einigen Kunden den wirtschaftlichen Nutzen des Hana-Einsatzes im Produktionsumfeld. Erste Verträge, z.B. mit Q-Partners, sind bereits unterzeichnet, etwa über mobile Hana-Szenarien.
Wahner: Bei Neuinstallationen von SAP ist Hana auf jeden Fall im Gespräch, allein schon aus Gründen der Datenbanklizenzierung. Die Hana-Lizenzpolitik räumt dem Kunden die Option ein, alle drei Datenbankprodukte der SAP einzusetzen – und das auch parallel; also neben Hana auch die ehemaligen Sybase-Produkte rund um den Adaptive Server Enterprise (ASE) sowie Max DB. Hier hat SAP nun endlich selbst eine skalierbare Datenbanklösung und muss Oracle nicht länger mit durchfüttern. Mit diesem Vorhaben hält SAP ja auch nicht hinter dem Berg.

Die meisten SAP-Kunden setzen heute Oracle-Datenbanken ein, sehr viele auch DB2 oder Microsofts SQL Server. Müssen die künftig Einschränkungen bei der Funktionalität oder beim Support befürchten?
Krießler:
Nein. Klar ist allerdings, dass SAP bei neuen Anwendungsszenarien und Neukunden eindeutig Hana favorisiert. Manche innovative SAP-Anwendung wird künftig zuerst nur auf Hana laufen und erst später auf anderen Datenbanken.

Welche Prioritäten setzen Mittelständler bei der Modernisierung bzw. Erweiterung ihrer ERP-Anwendungen aus technischer Sicht?
Wahner:
Im Mittelstand finden wir oft eine über lange Jahre gewachsene IT-Infrastruktur aus vielen Systemen, die über Schnittstellen mehr oder weniger gut verbunden sind. Dann kann es sein, das die Bestandszahlen in der Materialwirtschaft sich von denen in der Finanzbuchhaltung unterscheiden. Das führt dann zu einem höheren Aufwand für Administration und Abstimmung.
Das Fundament des Ganzen bildet oft ein Sammelsurium aus Rechnern diverser Hersteller mit unterschiedlichen Betriebssystemen und Datenbanken – und das auch noch mit verschiedenen Versionen und Releaseständen. Da können schon Updates einer Datenbankversion problematisch sein.
Wir liefern daher schon seit vielen Jahren unsere SAP-Systeme in virtualisierten Umgebungen aus. Damit ermöglichen wir es unseren Kunden, ihre Betriebsprozesse deutlich einfacher und schlanker zu gestalten und SAP ERP als stabiles Fundament für alle wichtigen Prozesse zu nutzen. Bei den Kernprozessen muss sich SAP längst hinter keinem anderen Hersteller mehr verstecken, so dass die „Best of Breed“-Gedanken längst keine Rolle mehr spielen.

Welche Prioritäten haben Ihre Kunden, wenn es um den funktionalen Ausbau vorhandener ERP-Systeme geht?
Wahner:
Da ist zu differenzieren zwischen Bestandskunden, die bereits SAP ERP im Einsatz haben, und Neukunden, die sich erstmals damit beschäftigen. Neukunden interessieren sich vor allem für die Unterstützung des After-Sales-Managements, des klassischen Vertriebs und der operativen Produktionsabwicklung; im Finanzwesen glaubt man einer SAP offenbar, dass alle wichtigen Funktionen gut abgedeckt sind.
Krießler: Bei Bestandskunden ist das Bild uneinheitlich. Manche sind innovativ und nutzen sehr früh neue Funktionen, die SAP als „Enhancement Packages“ im Rahmen des Wartungsvertrages regelmäßig ergänzt. Zwar war dieser Fundus den Kunden ein, zwei Jahre verschlossen, doch mittlerweile bieten die Enhancement Packages wieder eine beachtliche Funktionsvielfalt und versprechen klare Vorteile, beispielsweise bei der Prüfung auf Materialverfügbarkeit.
Bei der Einführung ergänzender Module bewährt sich der jetzt von SAP favorisierte Paketeinsatz. Früher wussten die Kunden beispielsweise bei Logistikprojekten nicht, wie genau ihre funktionalen Anforderungen abgedeckt sind und welcher Partner das Metier beherrscht. Das damit verbundene Projektrisiko hat SAP durch Standardisierung und ihren Paketansatz abgemildert.
Wahner: Dazu kommen die Rapid Deployment Solutions, die wesentlich weiter gehen als die von früher bekannten „Best Practices“, weil jetzt Funktionsumfang und Implementierungsaufwand fix vorgegeben sind. Klar: Am Anfang muss man genau hinschauen, ob das Paket ausreicht. Falls ja, ist es deutlich schneller, günstiger und risikoärmer zu implementieren. Zumal die Partner sich für die RDS-Pakete zertifizieren lassen müssen und die Qualität sichergestellt ist.
Für SAP-Bestandskunden bieten wir auch Workshops an, um mithilfe einer Systemanalyse auf Funktionen hinzuweisen, die zwar im ERP-System vorhanden, aber noch gar nicht oder nicht gut genutzt sind. Wir sprechen da von verborgenen Schätzen, die es zu heben gilt. Auf Basis des Kundenfeedbacks und unserer SAP-Kenntnis machen wir nach dem Workshop Verbesserungsvorschläge.

Worauf ist zu achten, wenn auch Lösungen jenseits des SAP-Standards zum Einsatz kommen, wie Sie die ja auch selbst mit den ITML > Solutions anbieten?
Wahner:
Zuallererst natürlich darauf, dass diese Lösung bzw. die Schnittstelle zertifiziert ist. Im nächsten Schritt kommt es darauf an, dass diese Zusatzlösung auf dem gleichen Server wie SAP ERP läuft; so hält man die Total Cost of Ownership niedrig. Dann kommt es auch darauf an, ob der Anbieter dieser Zusatzlösung auch die SAP-Welt kennt; sonst gibt es z.B. bei Releasewechseln manchmal böse Überraschungen.

Können Sie das vielleicht am Beispiel Ihrer CRM-Lösung verdeutlichen? Welche Vorteile bietet diese im Vergleich zum CRM-Standard der SAP, aber auch gegenüber Salesforce.com oder SugarCRM?
Wahner: Alle Lösungen, die Sie erwähnt haben, sind per Schnittstelle an SAP ERP angebunden, während unsere Lösung in den ERP-Kern von SAP eingebettet ist. So macht es für uns keinen Unterschied, ob der Kunde mit Daten aus dem Controlling Liquiditätsanalysen machen will oder einen Adressstamm braucht.
Außerdem zeichnet sich die Software durch Anpassbarkeit aus, so dass der Kunde flexibel bleibt. Das heißt: Wir können sehr große CRM-Systeme zügig realisieren. Aber auch wenn der Kunde ein schlankes Einführungsprojekt mit wenigen Tagen Dauer wünscht, kann er das CRM-System später problemlos ausbauen und dabei ganz individuelle Anwendungen umsetzen. Wie man gern sagt: Oft kommt der Appetit ja erst beim Essen.
Krießler: Unternehmen, die bisher keine CRM-Lösung im Einsatz haben, müssen zunächst das Fundament schaffen. Beispielsweise, indem sie die Adressen strukturiert verwalten und ihre Verkaufsressourcen gezielt planen. Im weiteren Verlauf geht es dann darum, auch ihren Kunden den Produktkatalog zugänglich zu machen; da sehen wir eine große Stärke unserer Lösung.
Wahner: Dank der Integration ins ERP-System haben wir meistens die IT-Abteilung auf unserer Seite, denn das ist für sie eine bekannte Welt. Da kann die IT-Abteilung selbst Anpassungen vornehmen; außerdem senkt die Einheitlichkeit die Betreuungskosten, wenn der Kunde die Ressourcen hat. Falls nicht, bieten wir mit dem Extended Support die Alternative, dass der Kunde seine interne Hotline an uns übergibt.

Support war ja in der jüngeren Vergangenheit ein durchaus heikles Thema in der SAP-Welt. Wie verhält sich da ITML?
Krießler:
Wir fanden die Marktkommunikation der SAP hier sehr unglücklich. Das ist schade. Denn wenn man sieht, was die SAP gemeinsam mit ihren Partnern an Leistungen liefert, dann sollte man nicht einzig und allein auf die Kosten schauen, sondern auch den Mehrwert beachten. Letztlich ist SAP dann im Vergleich mit den großen Playern im ERP-Markt sogar der günstigste Anbieter.
Wahner: SAP bietet eine große Spannbreite unterschiedlichster Supportformen. ITML unterstützt alle Szenarien im Rahmen der Vorgaben des SAP-Wartungsvertrages, angefangen vom günstigen Mindestmaß bis zum High-Level-Support mit proaktiver Steuerung des Kunden. Wir helfen Kunden weiter, die nur einen Bestandserhalt wünschen und wenig Aufwand betreiben wollen, aber auch solchen Kunden, die gar keine bzw. nur eine sehr kleine IT-Abteilung haben und sich schnell weiterentwickeln wollen oder einen sehr intensiven Support wünschen. Denn bieten wir zusätzlich zum Enterprise Support oder sogar Enterprise Plus Support weitere Services an; beispielsweise überwachen wir die Systeme und kümmern uns dann auch um etwaige Probleme mit der Oracle-Datenbank.
Krießler: Ich möchte nicht unerwähnt lassen, dass SAP zuletzt freiwillig auf die Möglichkeit verzichtet hat, die Wartungspreise zu erhöhen. Das kam sogar für uns überraschend, ist aber ein richtiges und wichtiges Signal, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen. Das sollte neben all der Kritik auch einmal in der Zeitung stehen. Denn das Potential ist groß, an die Bestandskunden neue Lösungen zu verkaufen, die SAP in den vergangenen drei Jahren geschaffen hat.

www.itml.de

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