Sichere Langzeitspeicherung großer Datenmengen zu niedrigen Kosten

Die Ultrium9-Datenkassette von Fujifilm ist da

Ein Jahr nach der Veröffentlichung der 9. Generation des LTO-Standards für Magnetbandspeicher bringt Fujifilm heute die passenden Ultrium9-Datenkassetten auf den Markt. Gedacht für Backup und Archivierung großer Datenbestände, speichert die Kassette bis zu 18 TB (45 TB für komprimierte Daten) – also nicht wie bisher üblich die doppelte Kapazität der Vorgängergeneration (12 TB), sondern 50 Prozent mehr. Auch die OEMs HPE, Quantum und IBM haben Ultrium9-Medien angekündigt; die Preise für eine Kassette bewegen sich zwischen 365 und 400 Dollar.

Die neue Ultrium9-Datenkassette von Fujifilm.

Enthält ein über 1 km langes, ultradünnes (nur 5,2 μm) Magnetband: Die neue Ultrium9-Datenkassette von Fujifilm.

Das Band der neuen LTO9-Cartridge ist mit Magnetpartikeln aus Bariumferrit beschichtet; es ist 12,65 mm breit, nur 5,2 μm „dick“ und über einen Kilometer lang (1.035 m). Die mit Fujifilms firmeneigener Technologie „Nanocubic“ in Nanogröße granulierten Partikel lassen sich höchst gleichmäßig auf der Bandoberfläche verteilen, um dann eine äußerst glatte und gleichzeitig ultradünne Magnetschicht mit minimalen Unebenheiten zu bilden. So erlaubt das neue Band eine Hochgeschwindigkeits-Datenübertragung von – abhängig von der Antriebsschnittstelle – bis zu 400 MB/s für nicht komprimierte Daten.

Die Datenaufzeichnungsdichte wurde ebenfalls verbessert, um 8.960 Datenspuren auf dem 12,65 mm breiten Band aufzuzeichnen, die von 32 Spurköpfen im Serpentinenformat gelesen werden. Die LTO9-Spezifikation war am 9. September veröffentlicht worden; die ursprünglich für Anfang 2021 geplante Markteinführung war immer wieder verschoben worden.

LTO9 bietet hochwertige Rücklesesignale und eine niedrige Fehlerrate. Darüber hinaus wurde das Materialdesign für eine hochpräzise Tracking-Leistung und die Betriebslebensdauer der Magnetköpfe in den Bandlaufwerken optimiert, was gleichzeitig auch die Zuverlässigkeit und Stabilität beim Lesen und Schreiben von Daten erhöhen soll. Ein beschleunigter Lebensdauertest des „Tape Storage Technical Committee“ der „Japan Electronics and Information Technology Industries Association“ (JEITA) hat gezeigt, dass Magnetbänder mit BaFe-Magnetpartikeln stabile magnetische Eigenschaften für mehr als 50 Jahre beibehalten.

Die neuen Cartridges werden mit wiederbeschreibbaren Bändern oder auch als Worm-Typ angeboten, bei dem die Daten nur einmal geschrieben werden, um Datenmanipulationen oder versehentliches Löschen zu verhindern. Außerdem gibt es Eco- und Library-Packs der wiederbeschreibbaren Kassetten in einer Minimalverpackung, die auf die Verwendung von einzelnen Plastikhüllen verzichtet. Zum Preis macht Fujifilm noch keine Angaben; laut Händler EDP Vertriebs GmbH liegt der Einkaufspreis bei ca. 169 €. Mit der Zeit werden die LTO8-Preise voraussichtlich fallen, wie es zuvor bei Generationswechseln auch bei LTO7 und LTO6 der Fall war.

Fujifilm positioniert das Magnetband nicht nur als eine sichere und kostengünstige Alternative bei der Langzeitspeicherung von Daten, sondern verweist auch auf die deutlich geringere Umweltbelastung. Weil Magnetbänder großteils offline bleiben und zur Datenspeicherung nicht ständig eingeschaltet sein müssen, werden die während ihres Lebenszyklus entstehenden CO2-Emissionen im Vergleich zu Festplattenlaufwerken (HDDs) um 95 reduziert. Das ergab jedenfalls die Studie „Improving Information Technology Sustainability with Modern Tape Storage“ von Brad Johns Consulting; demnach entstehen bei der Speicherung von 100 Petabyte Daten über zehn Jahre bei der Speicherung auf Magnetband 95 Prozent weniger CO2-Emissionen (ca. 2.400 Tonnen) als bei der Speicherung auf Festplatten. Dieser „Air Gap" dient per se auch als Schutz von Cyberangriffen, der das Risiko von Datenbeschädigungen oder -verlusten senkt.

Fujifilm sieht ein wachsendes Einsatzfeld der Cartridges bei „Big Data“, denn die weltweit erzeugte Datenmenge ist in den letzten Jahren mit der Einführung von 5G-Netzwerken und hochauflösenden 4K/8K-Videos, der Entwicklung von IoT, Informations- und Kommunikationstechnologie und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz für Big-Data-Analysen exponentiell gestiegen. Dazu gehören auch „kalte Daten“, d. h. Daten, die vor langer Zeit erzeugt wurden, auf die nur selten zugegriffen wird und die schätzungsweise mehr als 80 Prozent aller Daten ausmachen.

Die Nutzung gesammelter Daten, einschließlich kalter Daten, nimmt für die Entwicklung von Technologien der nächsten Generation rapide zu, und damit auch der Bedarf an einer zuverlässigen und kostengünstigen Langzeitspeicherung solcher Daten für die künftige Nutzung. Der hohe Stromverbrauch für die Nutzung und Speicherung großer Datenmengen führt jedoch zu einem Anstieg der CO2-Emissionen. Große Rechenzentren und Privatunternehmen setzen aktiv auf erneuerbare Energien, um ihren Strombedarf zu decken, oder bauen eine Dateninfrastruktur mit minimalem Stromverbrauch auf, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, der eines der wichtigsten gesellschaftlichen Probleme darstellt. Bei EDP können übrigens auch schon Ultrium9-Kassetten von HPE bestellt werden. IBM hat die Ultrium9-Medien für den 10. September avisiert

Wie das LTO-Konsortium heute mitteilt, hat auch Sony die Compliance-Tests für LTO/Ultrium-Medien der Generation 9 erfolgreich abgeschlossen. Ob Sony aber auch Ultrium9-Kassetten herstellen und/oder verkaufen wird, war bisher nicht zu erfahren.

Bildquelle: Fujifilm

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