3D-Druck, Blockchain und KI noch Zukunftsmusik

Digitalisierung in der Logistik

Vier von fünf Unternehmen, die Waren transportieren, sehen Digitalisierung als größte Herausforderung in der Logistik an. Schwieriger ist es nur, mit den hohen Treibstoff- bzw. Energiepreisen und mit den Mautgebühren zurechtzukommen. Das ergab eine repräsentative Befragung von Bitkom Research bei 514 Unternehmen mit Logistikprozessen, die heute veröffentlicht wurde.

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Ob Routenplanung mit Künstlicher Intelligenz (KI), Warentransport mit autonomen Lkw und Drohnen oder Blockchain für eine transparente Lieferkette: Digitale Technologien werden die Logistik verändern, denn die große Mehrheit der deutschen Unternehmen, die Waren transportieren, sehen viele Vorteile digitaler Anwendungen in der Logistik und nutzen diese bereits oft in der Praxis. Aber nur eine Minderheit setzt heute schon auf neueste Technologien wie 3D-Druck, Blockchain oder KI.

Den Transport der Produkte beschleunigen

Digitalisierung hilft vor allem, den Transport der Produkte zu beschleunigen und die Logistikkosten langfristig zu senken. Gemäß der Bitkom-Befragung sagen fast vier von fünf der Unternehmen mit Logistikprozessen (79 Prozent), dass sie die Digitalisierung der Logistik aber auch vor Herausforderungen stellt; vor zwei Jahren waren es 74 Prozent. Nur Mautgebühren (80 Prozent) sowie Treibstoff- und Energiepreise (91 Prozent) werden häufiger als Herausforderungen genannt. Die Digitalisierung liegt damit vor hohen Personalkosten (72 Prozent) und fehlenden Fachkräften (70 Prozent) und wird auch deutlich häufiger genannt als Standortnachteile gegenüber ausländischen Wettbewerbern (45 Prozent).

„Die Digitalisierung bietet enorme Chancen für die Logistik“, sagte Bitkom-Geschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder. „Ein effizienter Transport von Rohstoffen, Bauteilen und Waren ist gleichermaßen betriebswirtschaftlich sinnvoll wie volkswirtschaftlich und ökologisch notwendig. Die Digitalisierung hilft den CO2-Ausstoß in der Logistik zu senken und das Klima zu schützen.“

Eine große Mehrheit sieht viele praktische Vorteile digitaler Technologien beim Warentransport: Beschleunigung des Transports (92 Prozent), langfristig sinkende Logistikkosten (85 Prozent) und weniger anfällige Transportketten (79 Prozent). Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) sind zudem überzeugt, dass digitale Technologien einen umweltschonenden Transport ermöglichen (69 Prozent) – das ist eine deutliche Zunahme zu 2017 mit 58 Prozent. Dagegen sagen nur 14 Prozent, digitale Technologien lohnen sich allein für größere Unternehmen und kein Unternehmen gibt an, digitale Technologien seien überflüssig.

Das Lager ist bereits heute digital

Schon heute setzen viele Unternehmen mit Logistikprozessen vor allem im Lager auf digitale Technologien. So nutzen vier von fünf Unternehmen mit Logistikprozessen (80 Prozent) Lagermanagement-Software oder planen aktuell den Einsatz, drei Viertel (72 Prozent) setzen Sensortechnologien wie RFID-Chips ein oder haben das vor, etwa um schnell eine Inventur durchführen zu können.

Jedes zweite Unternehmen hat elektronische Frachtbegleitdokumente (54 Prozent) oder Tablet-Computer und Smartphones (53 Prozent) statt Zettel und Klemmbrett im Lager eingeführt oder plant dies. Und rund jedes dritte Unternehmen hat bereits fahrerlose Staplersysteme (38 Prozent), Geräte mit Augmented Reality (35 Prozent) oder Lagerroboter (30 Prozent) im Einsatz oder in Planung.

„Vor allem Technologien, die schon einige Jahre auf dem Markt sind, sind in den Lagerhallen im Praxiseinsatz“, so Rohleder. „Wir sehen derzeit unter anderem ein sehr großes Interesse an elektronischen Frachtbegleitdokumenten. Hier bremsen nicht die Unternehmen, es bremst die Politik. Der Gesetzgeber zwingt die Logistiker, immer kiloschwere Aktenordner mit Papierformularen mitzuführen. Frachtpapiere gehören abgeschafft und durch den elektronischen Frachtbrief ersetzt.“

Digitale Plattformen kommen

Die große Mehrheit der Logistiker ist sich sicher: Die Digitalisierung wird den Warentransport in den kommenden Jahren grundlegend verändern. So erwarten sieben von zehn der Befragten (71 Prozent), dass bis 2030 KI-Systeme viele Aufgaben übernehmen werden, etwa bei der Planung von Routen. 59 Prozent sind überzeugt, dass Waren mit autonomen Lieferwagen zwischen Unternehmen transportiert werden und 42 Prozent gehen davon aus, dass die Waren mit autonomen Drohnen bis zum Endkunden geliefert werden.

Drei Viertel (76 Prozent) sagen, dass Plattformanbieter in zehn Jahren bedeutende Player in der Logistikbranche sein werden; vor einem Jahr lag der Anteil mit 66 Prozent noch deutlich darunter. Dennoch sagt jeder Dritte (32 Prozent), dass digitale Plattformen für das eigene Unternehmen aktuell kein Thema sind. Jeder Vierte (23 Prozent) gibt an, dass Plattformen gerade erst diskutiert werden. Immerhin jedes fünfte Unternehmen (19 Prozent) plant, selbst eine digitale Plattform anzubieten oder zu nutzen und jedes vierte (23 Prozent) hat diesen Schritt bereits hinter sich.

Eine kleine Minderheit nutzt KI oder Blockchain

Doch trotz der weit verbreiteten Erkenntnis, welche bedeutende Rolle gerade neuere digitale Technologien haben, sind die Unternehmen in der Praxis aktuell eher zurückhaltend. So setzen gerade einmal 20 Prozent Datenanalysen ein, nur etwas mehr (21 Prozent) plant dies aktuell. Lediglich jedes zehnte Unternehmen (10 Prozent) nutzt Software für vorausschauende Wartung, 15 Prozent planen dies. Und ebenfalls nur 10 Prozent nutzen 3D-Druck, 8 Prozent sind derzeit in der Planungsphase.

Eine kleine Minderheit von 6 Prozent nutzt KI, kaum mehr (8 Prozent) planen dies. Blockchain ist sogar nur bei 4 Prozent im Einsatz, weitere 3 Prozent wollen die Technologie einsetzen. Und auf Drohnen setzen aktuell 2 Prozent, 4 Prozent wollen dies bald tun. „Künstliche Intelligenz und Blockchain haben das Potenzial, die Logistik nicht nur effizienter zu machen, sondern komplett zu verändern“, glaubt Rohleder. Allerdings scheint die neue Technologie noch nicht praxisreif und/oder zu kostspielig zu sein.

Digitalkompetenz gefragt

Rund jeder Zweite beklagt allgemein hohe Investitionskosten (53 Prozent) und die Gefahr der Spionage, etwa von Betriebsdaten (47 Prozent). Rund jeder Vierte sieht einen Nachteil in einem möglichen Verlust von Arbeitsplätzen (27 Prozent) und dem steigenden Bedarf an höher qualifizierten Fachkräften (26 Prozent). Rohleder: „Deutsche Logistikunternehmen sind nicht nur international führend, die Logistik ist auch ein bedeutender Arbeitgeber. Die Arbeit wird sich in den kommenden Jahren stark verändern.“

So sind mehr als zwei Drittel der Unternehmen (67 Prozent) überzeugt, dass Beschäftigte in der Logistik künftig weniger einfache Tätigkeiten verrichten, aber dafür mehr Entscheidungen treffen werden. Und jeder Zweite (54 Prozent) sagt, dass Roboter und andere technische Hilfsmittel den Großteil der körperlichen Arbeit übernehmen werden.

Drei Viertel (72 Prozent) sind sicher, dass die Logistik auch in zehn Jahren ein attraktiver Arbeitgeber für Berufseinsteiger ist. Mit Blick auf die Anzahl der Arbeitsplätze in der Logistik sagen 70 Prozent, dass es in zehn Jahren in ihrem Unternehmen weniger Logistik-Jobs mit unterstützender Tätigkeit geben wird, nur 8 Prozent rechnen hier mit einem Anstieg.

Gleichzeitig sagen aber sogar 80 Prozent, dass die Anzahl der Arbeitsplätze für Fachkräfte mit entsprechender Ausbildung steigen wird, gerade einmal 1 Prozent erwartet hier einen Rückgang. Rohleder: „Wenn wir über Arbeit 4.0 in der Logistik sprechen, dann sprechen wir vor allem über Qualifizierung. Hier ist neben der Aus- vor allem die Weiterbildung gefordert. Sie muss Digitalkompetenz vermitteln.“

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