Wo der persönliche Austausch nach wie vor besonders gefragt ist
Rund 52 Prozent der deutschen Unternehmen rücken die Digitalisierung von HR-Prozessen immer mehr in den Fokus. Gleichzeitig bleibt der persönliche Austausch in Situationen wie dem Onboarding, beim Recruiting oder dem Abschiedsgespräch weiterhin wichtig. Das geht aus einer Umfrage von SD Worx hervor; der Anbieter von Lohn- und Gehaltsabrechnungen befragte dazu im Februar/März 2022 sowohl 4.371 Arbeitgeber als auch 10.119 Mitarbeiter in Europa.
Mehr als die Hälfte der europäischen Unternehmen (53 Prozent) bemühen sich demnach verstärkt um die Digitalisierung ihrer Personalprozesse. Während Deutschland mit 52 Prozent dabei im europäischen Durchschnitt liegt, wird dem Thema Digitalisierung in Italien (61 Prozent), im Vereinigten Königreich und in Belgien (jeweils 59 Prozent) sowie in den Niederlanden (57 Prozent) eine noch höhere Priorität eingeräumt.
Die Umfrage bestätigt nicht nur, dass die Digitalisierung von HR-Prozessen zunimmt, sondern belegt auch, wie wichtig es für Unternehmen ist, ein optimales Gleichgewicht zwischen einer digitalen und persönlichen Ansprache zu finden. Dazu müssen gerade in Zeiten des hybriden Arbeitens sowohl die Bedürfnisse der Menschen berücksichtigt werden als auch die Gegebenheiten im Unternehmen.
Die Digitalisierung der Personalprozesse ist gerade im Finanzwesen, der Versicherungsbranche oder der Industrie (jeweils 60 Prozent) bereits heute relativ ausgeprägt - und auch im Nonprofit-Sektor (57 Prozent) sowie im Gesundheitswesen (58 Prozent) zeigt sich mittlerweile europaweit ein deutlicher Anstieg. Auch kleine und mittelständische Unternehmen haben die Relevanz der Entwicklung verstanden und setzen verstärkt (60 Prozent bzw. 61 Prozent) auf digitalisierte HR-Prozesse. In Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern liegt dieser Anteil sogar bei über 70 Prozent.
Die Arbeitnehmer sehen trotzdem noch viel ungenutztes Potenzial: Fast die Hälfte der befragten Deutschen (47 Prozent) gab beispielsweise an, dass die Digitalisierung an ihrem Arbeitsplatz verbessert werden muss. Auch die befragten italienischen (54 Prozent), spanischen (53 Prozent) und französischen (50 Prozent) Arbeitnehmer attestieren ihren Arbeitgebern noch Nachholbedarf. Die Digitalisierung von Prozessen ist insbesondere Wissensarbeitern (51 Prozent), Führungskräften (54 Prozent) und vernetzt arbeitenden Teams (52 Prozent) ein besonderes Anliegen. Insgesamt sind es vor allem die Arbeitnehmer unter 35 Jahren, die sich bessere digitale Prozesse an ihrem Arbeitsplatz wünschen.
HR-Abteilungen stehen daher zunehmend vor der Herausforderung, das Gleichgewicht zwischen dem richtigen Maß an Digitalisierung und der persönlichen Ansprache zu finden. Denn auch in Zukunft wollen die Menschen nicht in jedem Bereich ausschließlich auf digitalisierte Prozesse oder Tools setzen. Beim Onboarding, der Zusammenarbeit in Teams oder im Recruiting bevorzugt die Mehrzahl der Befragten weiterhin den direkten Kontakt mit Ansprechpartnern. Die Digitalisierung am Arbeitsplatz ist aber auch ein Generationenthema, wie die Umfrage belegt. Digital Natives, also Arbeitnehmer unter 25 Jahren, bevorzugen generell eher einen digitalen Ansatz – zum Beispiel bei der Einstellung (23 Prozent), Gehaltsabrechnungen (23 Prozent), der Überprüfung von Gesundheit und Wohlbefinden (21 Prozent) oder bei der Interaktion mit der HR-Abteilung (27 Prozent).
Die Digitalisierung von HR-Prozessen und eine persönliche Herangehensweise sollten sich also nicht gegenseitig ausschließen. Bei einer Beurteilung beispielsweise wollen die Mitarbeitern nicht nur ein Ergebnis auf dem Bildschirm sehen, sondern erwarten auch eine persönliche Erklärung. Dasselbe gilt für komplexere Fragen zu Verwaltungs- oder Personaldienstleistungen.
Gleichzeitig hat die Digitalisierung auf vielen Ebenen positive Auswirkungen: Dank Prozessautomatisierung und Unterstützung durch digitale Tools erhalten Mitarbeiter neue Möglichkeiten, ihre Zeit, Talente und Fähigkeiten optimal zu nutzen, beispielsweise durch die Online-Verwaltung von Personalprozessen. Ein Nebeneffekt ist, dass dadurch auch mehr Raum für den persönlichen Austausch entsteht, den die Mitarbeiter am meisten brauchen. Auf diese Weise ergänzen sich Digitalisierung und ein an menschlicher Interaktion orientierter Ansatz im Personalwesen sehr gut.
Bildquelle: SD Worx, Thinkstock / iStock