Globalfoundries verkauft ehemalige IBM-Fabrik East Fishkill

Droht Knappheit bei Power9?

Der Chip-Hersteller Globalfoundries verkauft sein erst 2014 von IBM erworbenes Werk in East Fishkill für 430 Mio. Dollar an On Semiconductor, einen 1999 aus der Halbleitersparte von Motorola entstandenen Chiphersteller. Daraus resultiert die Frage: Wie stellt IBM die Versorgungssicherheit mit Power9-Systemen (und z14-Mainframes) nach 2022 sicher? Auf Anfrage von DV-Dialog hält IBM sich bedeckt.

Noch zu IBM-Zeiten: Impressionen aus der 300-mm-Chipfabrik in East Fishkill im Jahr 2011.

In der Fab 10 von Globalfoundries werden u.a. die aktuellen z14- und Power9-Prozessoren für IBM produziert. Fab 10 war im Jahr 2014 mit der Chipfabrik Essex Junction von IBM übernommen worden, wobei IBM keinen Kaufpreis kassiert hatte, sondern im Gegenteil noch 1,5 Mrd. Dollar an Globalfoundries zahlte. Als Gegenleistung soll Globalfoundries zehn Jahre lang Chips mit Power- und Mainframe-Prozessoren an IBM liefern.

Ob Globalfoundries diesen Vertrag noch erfüllen kann, scheint fraglich. Denn On zahlt zwar nur 100 Mio. Dollar sofort, den Rest im Jahr 2022. Dann aber geht Fab 10 komplett ins Eigentum von On über. Daraus resultieren viele Fragen: Liefert On Semiconductor ab 2022 die Power9- und z14-Prozessoren an IBM – oder eine andere Fabrik von Globalfoundries? Oder nimmt IBM Power9 und z14 bereits 2022 – eigentlich deutlich vor den sonst laut Roadmap üblichen Terminen – aus dem Verkaufsprogramm? Oder aber springt der neue Prozessor-Lieferant Samsung in die Bresche, der den Power10-Prozessor für die nächste Midrange-Generation liefern wird, die voraussichtlich 2021 auf den Markt kommen wird? Oder gibt es neue Verträge mit On Semiconductor?

Fragen über Fragen, auf die man sich Antworten von IBM wünschen würde. Auf Anfrage von DV-Dialog hieß es lapidar: „Wir haben zu diesem Thema nichts zu kommentieren.“ So bleibt nur die Ungewissheit – bis hin zu der entscheidenden Frage: Ist Hardware überhaupt noch strategisch für IBM? Die Zukunft wird es weisen. Nur eines ist gewiss: Die Planung langfristig stabiler Infrastrukturen mit IBM wird immer schwieriger. Da können die IBM-Manager noch so viel über „strategisch“ erzählen – die Fakten sprechen eine ganz andere Sprache.

Man möge sich erinnern: Nur wenige Tage vor Bekanntwerden des Verkaufs der x86-Serversparte an Lenovo taten die IBM-Manager mit Ankündigung der sechsten Servergeneration in EXA-Architektur noch alles, um die berechtigten Zweifel an ihrem Engagement für das System x zerstreuen und alle Verkaufsgerüchte zu entkräften.

Stellt man eine Liste potentielle Käufer der wachstumsschwachen Hardware-Sparte von IBM zusammen, ist die sehr kurz. Die Marktführer unter den Hardware-Herstellern, Dell und HPE dürften sich wenig dafür interessieren, eher schon die Chinesen Inspur, Huawei, Lenovo, Foxconn, Quanta oder auch Wistron. Hier spielen dann aber Sicherheitsaspekte der US-Regierung mit. Japanische Hersteller mit Mainframe-Erfahrung kommen ebenfalls in Betracht, also Fujitsu, Hitachi und NEC.

Am wahrscheinlichsten ist wohl ein Verkauf der Hardware-Sparte an Google, den Gründungspartner der Openpower Foundation und Hersteller des Power9-Servers Zaius. Aber auch Inspur, Wistron, Broadcom und Hitachi sind wichtige Mitglieder dieses im Jahr 2013 von IBM gegründeten Konsortiums, das eine offene Architektur auf Basis des Power-Mikroprozessors entwickelt. Den Verkaufserlös könnte IBM jedenfalls bestens gebrauchen – zur Refinanzierung der kostspieligen Übernahme von Red Hat. Dazu beigetragen hat erst jüngst der Verkauf der CRM-Sparte an den Investor Centerbridge.

Bildquelle: IBM

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