Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG, stellt klar: „Eine Cloud-first-Strategie von SAP ist durchaus nachvollziehbar, eine Cloud-only-Strategie ist jedoch keine Option!“
Der Wandel ist dynamischer und komplexer geworden und stellt Unternehmen und Organisationen vor Herausforderungen. Umso bedenklicher findet die DSAG die aktuelle SAP-Strategie und fordert klipp und klar, dass der Konzern „die Tür zu Innovationen für alle Kunden wieder öffnen“ sollte und speziell den On-Premises-Kunden die neueste SAP-Innovationen zugänglich machen sollte.
Es geht laut DSAG um den digitalen Wandel, den technologischen Wandel mit dem Fokus u.a. auf KI, aber auch um den ökologischen und den ökonomischen Wandel. Alle Bereiche beeinflussen sich gegenseitig und fordern die Unternehmen, sich mit vielen Veränderungen gleichzeitig auseinanderzusetzen. Dementsprechend stellt sich die Frage: Wie „wunderbar wandelbar“ sind die Unternehmen, SAP und das Partner-Ökosystem? Auch eine aktuelle Umfrage* der DSAG und der Americas‘ SAP Users‘ Group (ASUG) liefert dazu Antworten.
Laut DSAG-Investitionsreport 2023 ist mehr als die Hälfte der knapp 500 Befragten noch nicht sehr weit mit der digitalen Transformation. Bezüglich der eingesetzten ERP-Lösungen wurde ermittelt, dass immer mehr Unternehmen auf S/4 Hana umsteigen, was auch mit dem Ende der Standardwartung für die Business Suite 2027 begründet wird.
Aber: Rund die Hälfte der befragten Unternehmen hat die Migration noch vor sich. Zudem sind viele der Umstellungen aktuell technische Migrationen – echte Transformationen sowie Cloud-ERP bleiben noch Zukunftsmusik.
„Vor dem Hintergrund der Ankündigung bei der SAP-Bilanzpressekonferenz im Juli dieses Jahres, dass maßgebliche Innovationen zukünftig nur noch Kunden mit einem Rise- oder Grow-Vertrag angeboten werden, wird es spannend zu beobachten, wie sich die Kunden hinsichtlich ihrer Transformationsprojekte entscheiden“, sagt Jens Hungershausen, DSAG-Vorstandsvorsitzender. „Wir werden mit SAP weiter im Austausch bleiben, um gemeinsam eine für alle Parteien zielführende Lösung zu erarbeiten.“
SAP arbeitet nach eigenen Angaben aktuell noch mit Hochdruck daran, dass die Cloud-Roadmaps abgearbeitet werden. „Das erschwert den Kunden den Wechsel zusätzlich, denn SAP muss sicherstellen, dass mit dem neuen Cloud-Portfolio sowohl funktional als auch technisch eine Alternative geboten wird“, kommentiert Hungershausen.
Beim technologischen Wandel hat sich KI einen Spitzenplatz unter den heiß diskutierten Themen gesichert. Die DSAG-Mitgliedsunternehmen sind aktuell bei innovativen Technologien aber noch zurückhaltend. Beim Investitionsreport 2022 hatten nur 12 Prozent Künstliche Intelligenz/Machine-Learning als ihren Top-Investitionsbereich genannt.
„Das Thema KI hat mit ChatGPT einen Aufmerksamkeitsschub bekommen“, so Hungershausen. Er geht deshalb davon aus, dass KI in der nächsten DSAG-Investitionsumfrage eine höhere Relevanz erhalten wird. „Um unsere Mitglieder hier zu unterstützen, haben wir ein KI-Positionspapier erarbeitet, das auch Empfehlungen gibt, worauf Unternehmen bei der Einführung und Nutzung achten sollten“, so Hungershausen weiter. Um den Einsatz von KI interessanter zu machen, seien aber auch „attraktive Anwendungsszenarien sowie faire und transparente Lizenz- sowie Nutzungsbedingungen“ wichtig, richtet er mahnende Worte an den Hersteller.
Im Zuge des ökologischen Wandels ist auch das Thema Nachhaltigkeit/Sustainability wichtiger geworden. Laut Investitionsreport 2023 bescheinigten 17 Prozent der Befragten dem Thema eine hohe Relevanz, 31 Prozent eine mittlere. Das heißt aber auch, dass noch knapp die Hälfte der Befragten dem Thema nur eine geringe oder keine Bedeutung einräumt.
„Wir gehen davon aus, dass es hier noch viel Potenzial bei den Anwenderunternehmen gibt. Das gilt z. B. auch für die Abbildung einer umfassenden Umweltberichterstattung mittels eines Green Ledger“, fasst Jens Hungershausen die Ergebnisse zusammen. Konkret fordert die DSAG in diesem Kontext von SAP, dass der Software-Hersteller den Kunden jeglicher Größe und unabhängig von deren Architektur – On-Premises, Cloud oder hybrid – ermöglicht, ihre Umweltberichterstattung durch ein Green Ledger abzubilden.
Um diesem facettenreichen Wandel konstruktiv und erfolgreich zu begegnen, müssen SAP, ihre Partner und andere Organisationen und Unternehmen gut und erfolgreich zusammenarbeiten. Wenig hilfreich in dem Zusammenhang war die erwähnte SAP-Ankündigung. Sie bedeutet zwar nicht, dass On-Premises-Lösungen generell nicht funktional weiterentwickelt werden. Aber On-Premises-Kunden bleiben z. B. große Innovationen wie KI und Green Ledger verwehrt. Gleiches gilt für größere Funktionsbausteine und Erweiterungen, die auf der Business Technology Platform (BTP) basieren.
DSAG-Chef Hungershausen stellt die Position der DSAG klar: „Wir befürworten die Nutzung der Cloud und wissen, dass Innovationen heute maßgeblich auf Cloud-Technologie bereitgestellt werden müssen. Aber wichtig dabei ist die Freiheit für jedes einzelne Unternehmen, selbst entscheiden zu können, auf welchem Weg es diese Innovationen nutzt.“ Daraus leitet er die DSAG-Forderung an SAP ab, klare Entwicklungspfade aufzuzeigen, die den Unternehmen den reibungslosen Übergang in die Cloud und zur nächsten ERP-Generation ermöglichen, ohne getätigte Investitionen zu gefährden.
Konkret heißt das: Alle Innovationen für die S/4 Hana Private Cloud müssen mit identischem Leistungsumfang auch für S/4 Hana On-Premises zur Verfügung gestellt werden, so Hungershausen weiter. Und: „Eine Cloud-first-Strategie von SAP ist durchaus nachvollziehbar, eine Cloud-only-Strategie ist jedoch keine Option!“
Wie Beteiligte die tägliche Kooperation zwischen SAP, den Kunden und Partnern generell jeweils einschätzen, beleuchtet eine aktuelle Umfrage der DSAG und der Americas‘ SAP Users‘ Group (ASUG). Laut der Erhebung sind 53 Prozent der befragten Unternehmen im deutschsprachigen Raum sehr zufrieden und zufrieden mit der Zusammenarbeit mit SAP. Unzufrieden und sehr unzufrieden sind 17 Prozent. 29 Prozent sind weder zufrieden noch unzufrieden.
„Dieses Ergebnis ist etwas differenziert zu betrachten, da diese Umfrage vor der Ankündigung von SAP zum Thema Innovationen in der Cloud abgeschlossen wurde. Stand heute wäre hier sicher ein anderes Ergebnis zu verzeichnen“, kommentiert Jens Hungershausen.
Der Aussage, dass die SAP-Strategie zu den Bedürfnissen der Unternehmen bzw. Organisationen passt, stimmen 29 Prozent völlig zu und zu. 38 Prozent stimmen nicht und überhaupt nicht zu, 30 Prozent sind indifferent. „Bei der Bewertung der SAP-Strategie lässt sich eine gewisse Parallele ziehen zu der Frage nach der Zufriedenheit mit der SAP-Branchenstrategie im Investitionsreport 2023. Diese wurde ebenfalls von rund einem Drittel der Befragten positiv bewertet“, kommentiert Hungershausen. Unter den befragten Partnern stimmen 41 Prozent völlig zu und zu, dass die SAP-Strategie zu den Bedürfnissen der Kunden passt, 27 Prozent stimmen dem nicht und überhaupt nicht zu.
Das Umfrageergebnis zur SAP-Strategie verdeutlicht, dass die Produktstrategien und Preismodelle noch transparenter werden müssen. Preismetriken gilt es zu vereinfachen, Lizenzkosten komplett offenzulegen und Lösungsoptionen übersichtlicher darzustellen. Auch die Produktqualität ist ein häufig adressierter Punkt der DSAG, besonders in Bezug auf neue Lösungen und gesetzliche Anforderungen.
„Insgesamt wäre es wichtig, dass SAP-Strategie und -Entwicklung deutlicher Hand in Hand gehen mit den Kundenbedürfnissen. Hier könnte hilfreich sein, wenn Kunden und Partner bereits in der Entwicklung früher und intensiver eingebunden werden. Darüber hinaus gilt es, hybriden Cloud- und On-Premises-Szenarien bzw. heterogenen SAP- und Non-SAP-Szenarien noch stärker Rechnung zu tragen“, fasst Jens Hungershausen zusammen.
Aus offenen Fragen zur Verbesserung der Zusammenarbeit mit SAP ergab sich z. B., dass die Servicequalität von SAP ein Upgrade erfahren sollte. So braucht es für die Kunden und Partner mehr qualifizierte Ansprechpersonen und bessere Reaktions- und Korrekturzeiten z. B. bei Fehlermeldungen.
Schließlich sollte die Kundenorientierung sowohl bei der Preis- als auch der Produktstrategie deutlich verbessert werden. Die Bedürfnisse von Kunden und Partnern müssen mehr in den Mittelpunkt rücken, Roadmaps nachhaltiger werden, und die Zusammenarbeit besser geregelt werden inklusive fairer und tragfähiger Lizenzmodelle. Das sei laut Hungershausen die Grundlage, um das gegenseitige Vertrauen zwischen Anwenderunternehmen, Partnern und SAP weiter zu stärken, um gemeinsam den Wandel zu meistern.
Forderungen an SAP im Überblick
Klare Entwicklungspfade für den reibungslose Übergang in die Cloud und die nächste ERP-Generation
Alle Innovationen für S/4 Hana Private Cloud müssen mit identischem Leistungsumfang auch in S/4 Hana On-Premises verfügbar sein
Ein klares “Ja” zur Cloud-first-Strategie, ein klares “Nein“ zu Cloud-only
Transparentere Produktstrategie und Preismodelle sowie stärkere Kundenorientierung
Bessere Produkt- und Servicequalität
Bildquelle: DSAG