SAP kann Kunden nicht von der Cloud überzeugen

DSAG stellt die Vertrauensfrage

Der Investitionsreport 2024 der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG) belegt: Die IT- und SAP-Investitionsbudgets steigen weiter – allerdings bei weniger Unternehmen als noch im Jahr 2023. Gleichzeitig wächst die Investitionsbereitschaft in S/4 HANA, doch bei der S/4-Hana-Cloud-Strategie gibt es weiterhin Diskussionsbedarf.

  • Inwieweit sind die folgenden ERP-Lösungen für Ihre SAP-Investitionen in 2024 relevant?

  • Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG

    Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG: „Viele der befragten Unternehmen möchten mit ihren SAP-ERP-Systemen On-Premises bleiben. Sie sahen zum Zeitpunkt der Umfrage keine Vorteile einer Migration in die Cloud – und das Vertrauen in SAP fehlt hier teilweise auch.“

Gefragt nach den eingesetzten ERP-Lösungen, liegt weiterhin der Klassiker ECC (Business-Suite bzw. R/3 mit 68 Prozent (2023: 79 Prozent) deutlich in Führung vor S/4 Hana On-Premises mit 44 Prozent (2023: 41 Prozent). Die Nutzung von S/4 Hana in der Private Cloud oder Public Cloud hat insgesamt zugenommen. So setzen elf Prozent (2023: acht Prozent) hier auf die Private Cloud und sechs Prozent (2023: drei Prozent) auf die Public Cloud.

„Die Cloud-Betriebsmodelle für S/4 Hana spielen nach wie vor eine untergeordnete Rolle“, sagt Jens Hungershausen, Vorstandsvorsitzender der DSAG. „Das ist nicht überraschend, da Unternehmen beim Wechsel in die Cloud vor zahlreichen Herausforderungen stehen. Hier spielen sicher auch strategische Gründe, wie bereits getätigte Investitionen und Sicherheitsbedenken bei kritischen IT-Infrastrukturen eine Rolle.“

Diskussionsbedarf bei der Cloud-Strategie

Erstmals wurden die DSAG-Mitgliedsunternehmen in diesem Jahr danach gefragt, wie sie die S/4-Hana-Cloud-Strategie des Herstellers beurteilen. Dabei muss man berücksichtigen, dass die DSAG-Befragung teilweise bereits vor dem Launch des neuen Marketing-Programms „Rise with SAP Migration & Modernization“ stattgefunden hat, das Incentive-Maßnahmen beim Wechsel in die Cloud vorsieht. „Die befragten DSAG-Mitglieder sehen die S/4-Hana-Cloud-Strategie von SAP kritisch. Nur 13 Prozent der Befragten fällt ein positives, knapp die Hälfte ein negatives Urteil“, erläutert Hungershausen. Positiv seien Themen wie eine höhere Standardisierung, mehr Flexibilität und eine höhere Security worden. „Gleichzeitig möchten die Befragten sichergestellt sehen, dass On-Premises-Kunden auch die strategischen Innovationen in vollem Umfang konsumieren können.“

Auswirkungen auf die Investitionsbereitschaft in S/4 Hana insgesamt hat diese Einschätzung laut Hungershausen jedoch kaum. Gefragt nach der Relevanz der Business Suite für die SAP-Investitionen im Jahr 2024 planen vier Prozent der Unternehmen hohe Investitionen (2023: 6 Prozent) und 18 Prozent mittlere Investitionen (2023: 22 Prozent). Bei S/4 Hana geben 38 Prozent hohe Investitionen an (2023: 28 Prozent), mittlere Investitionen für 32 Prozent (2023: 38 Prozent). Auch wenn die Investitionen in S/4 Hana weiter zunehmen, hätte Hungershausen eine höhere Investitionsbereitschaft in S/4 Hana erwartet – „insbesondere mit Hinblick auf das Wartungsende 2027 und dem dadurch sehr knappen Zeitfenster für eine Migration.“

„Viele der befragten Unternehmen möchten mit ihren SAP-ERP-Systemen On-Premises bleiben“, diagnostiziert Hungershausen. „Sie sahen zum Zeitpunkt der Umfrage keine Vorteile einer Migration in die Cloud – und das Vertrauen in SAP fehlt hier teilweise auch.“ Zudem nennen die Befragten ein ungünstiges Kosten/Nutzen-Verhältnis, erhöhte Testaufwände eingeschränkte Erweiterungsmöglichkeiten sowie die hohe Abhängigkeit von SAP inklusive fehlender Ausstiegs-Möglichkeiten als Gründe für ihr Zögern. 

Grow with SAP spielt in der DSAG-Community aktuell keine große Rolle. 55 Prozent der Befragten geben an, das Angebot nicht nutzen zu wollen. „S/4 Hana Public Cloud ist für viele der Befragten keine Option. Grow with SAP wird eher als Angebot für Neukunden gesehen, die einen Greenfield-Ansatz wählen“, fasst Jens Hungershausen zusammen. 

Auch im Jahr 2024 steigen die IT- und SAP-Investitionsbudgets bei vielen Unternehmen. Allerdings bei weniger als noch im letzten Jahr. Bei 43 Prozent der befragten Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH) steigt das IT-Gesamtbudget, vor einem Jahr waren es noch 54 Prozent. Gleich bleibt es bei 36 Prozent (2023: 26 Prozent) und bei 18 Prozent sinkt es (2023: 15 Prozent). Bei den Investitionen in SAP lässt sich festhalten, dass nur nocj bei 46 Prozent der befragten Unternehmen das Budget steigt (2023: 52 Prozent), bei 32 Prozent unverändert bleibt (2023: 31 Prozent) und bei 19 Prozent sinkt (2023: 15 Prozent). Befragt wurden im Zeitraum vom 23. Januar bis 13. Februar 2024 haben 228 Personen, überwiegend aus Deutschland

„Der Anteil der Unternehmen, deren IT- und SAP-Investitionsbudgets gleich bleiben oder sinken, ist deutlich gestiegen“, sagt Hungershausen. „Die Marktbedingungen sind schwierig und unsicher. Dementsprechend ist nachvollziehbar, dass Unternehmen eher abwartend agieren.“

Bildquelle: DSAG

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