Cloud-Dienste in Zeiten digitalisierter Geschäftsmodelle

Ein Dschungel voller Cloud-Lösungen

Die Masse der Cloud-­Anbieter samt ihrer vielfältigen Cloud-Modelle verlangt nach einer durchdachten Strategie, soll der Weg in die Cloud gelingen. Unternehmen müssen ihre Cloud-Strategie auf die jeweiligen Bedürfnisse ihres Unternehmens anpassen, um die Potentiale der Cloud voll ausschöpfen zu können.

  • Markus Hahn, Logicalis

    Unser Autor Markus Hahn ist Direktor „Practice Data Center“ bei der Logicalis GmbH.

Von zentraler Bedeutung sind hierbei die folgenden Fragen: Welche ist die beste Lösung für unser Vorhaben? Muss die vorhandene Infrastruktur für die Cloud optimiert werden? Welche Herausforderungen wollen wir mit der Cloud lösen? Sind unsere Daten in der Cloud sicher? Und: Die Einführung welcher Cloud-Dienste macht für unser digitalisiertes Business momentan überhaupt Sinn?

Cloud: Ein Begriff, viele Applikationen

Eine im letzten Jahr erschienene Bitkom-Studie ergab, dass 2018 bereits drei von vier Unternehmen (73 Prozent) Rechenleistungen aus der Cloud nutzten. Die Möglichkeiten sind dabei vielfältig. Jedes Unternehmen steht vor unterschiedlichen Herausforderungen, die sich mit der Cloud meistern lassen. Drei exemplarische Anwendungsfälle: Data-Tiering, Disaster-Recovery und Hybrid-Cloud.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2020. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Um Speicherplatz und Geschwindigkeit zu erhöhen und gleich­zeitig Betriebskosten zu verringern, ist es sinnvoll, die Daten nach häufig abgerufenen (heißen) Daten und weniger oft benötigten (kalten) Daten zu kategorisieren – und letztere auszulagern, kurz: Data Tiering. Die Cloud kann dabei als zusätzlicher, kosteneffiziente Speicher für die kalten Daten fungieren; das spart Kosten für teure Speichersysteme. Die heißen Daten, die schnell verfügbar sein müssen, lagern derweil im On-Premises-Rechenzentrum auf einem schnellem Flash- oder SDD-Speicher als Primär-Storage. 

Automatisches Tiering inklusive Zero-Touch-Management gestaltet den Prozess effizienter: Indem Daten dynamisch klassifiziert und je nach Zugriffshäufigkeit zwischen den einzelnen Storage-Systemen bewegt werden, verringert sich der Zeitaufwand für das Storage-Management enorm. Die Auslagerung der kalten Daten erhöht zudem die Performance und verkürzt das tägliche Back-Up.

Disaster Recovery – im Notfall schnell reagieren

Disaster-Recovery-as-a-Service (DRaaS) kann Daten und IT-Services retten. Bei einem Notfall (wie einem Hackerangriff oder einer Naturkatastrophe) werden DRaaS-Services genutzt, um die schnelle Recovery zu ermöglichen. Dazu bietet die Cloud sowohl Storage, virtuelle Server als auch IT-Strukturen, die im Ernstfall in das reale Rechenzentrum gespiegelt werden. Der Vorteil: Die Bereitstellung zusätzlicher Hard- und Software on-premises ist für die Absicherung nicht notwendig. Dadurch ist diese Form von DRaaS insbesondere für kleinere und mittlere Unternehmen geeignet, die über begrenzte Ressourcen für eigene Notfallmaßnahmen und -strukturen verfügen.

Aber auch für mittlere und große Unternehmen, die oft bereits über zwei synchron gespiegelte On-Premises-Rechenzentren an verschiedenen Standorten verfügen, macht DRaaS durchaus Sinn. Sie können zur besseren Absicherung mit einem dritten „virtuellen“ Standort in der Cloud ihre Daten nicht nur weitaus kostengünstiger wiederherstellen; sie werden diese selbst dann nicht verlieren, sollte die komplette reale IT-Infrastruktur einen Zusammenbruch erleiden.

In puncto Einrichtung gilt je nach Datenmenge und Netzanbindung: Unternehmen können gespielte Festplatten an Cloud-Provider schicken, die die Daten dann in die Cloud migrieren. Alternativ kann der Datentransfer auch via Hyperscaler erfolgen; dazu werden die Daten über eine Appliance in die Cloud verschoben.

Hybrid-Cloud – weltweit auf lokale Daten zugreifen

Fast alle Unternehmen (90 Prozent), die Cloud-Anwendungen nutzen oder planen, gaben in der Bitkom-Studie an, dass für sie die Konformität der Cloud-Lösung mit der DSGVO unverzichtbar ist. Und unbestritten: Die Sicherheit der Daten steht bei der Cloud-Migration an erster Stelle.

Die Hybrid-Cloud bietet genau das – und noch mehr. Als Mischform vereint sie die Vorteile von Private- und Public-Cloud: Einerseits erfüllt sie die Anforderungen an Compliance für datenschutz-kritische Anwendungen, andererseits ermöglicht sie die volle Flexibilität öffentlich zugänglicher Cloud-Lösungen. Die Daten werden dabei lokal gehostet, User können über Web-Applikationen dennoch geräte-, zeit- und ortsunabhängig auf die Anwendungen zugreifen.

Bezieht man eine Netzwerkverbindung wie VPN (Virtual Private Network) oder MPLS (Multiprotocol Label Switching) direkt über einen Telekommunikationsanbieter, können User vollumfänglich von den Leistungen der hybriden Cloud profitieren – das Cloud-basierte Rechenzentrum agiert dann wie ein zweites reales Rechenzentrum. Das spart Zeit (schnelle Zugriffszeiten für die User) und Kosten (bedarfsgerechte Skalierbarkeit).

Höhere Effizienz, weniger Aufwand

 

Die Frage ist nicht länger, ob Unternehmen eine Cloud-Lösung benötigen, sondern vielmehr, welche Lösung für sie die geeignetste ist. Denn automatisierte Cloud-Lösungen sorgen sowohl für eine effektivere und kostengünstigere Nutzung der Daten als auch für eine schnellere Reaktionszeit in Krisenfällen. Darüber hinaus verringern sie den Management-Aufwand für die IT-Fachkräfte, die den Fokus wieder auf strategische Aufgaben legen können. Der profitable und sichere Weg in die Cloud gelingt aber nur mit einer durchdachten Cloud-Strategie. Hier können externe Dienstleister beraten und zusammen mit dem Unternehmen die individuell passende Lösung finden.

Bildquelle: Logicalis, Getty Images / iStock / Getty Images Plus

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