GI fordert mehr Transparenz bei der Entwicklung eines „Bundesclients“

Ein Schritt in Richtung Selbstschutz möglich

Die Gesellschaft für Informatik (GI) fordert mehr Transparenz bei der Entwicklung des sogenannten Bundesclients. Denn dieser standardisierte IT-Arbeitsplatz auf Windows-10-Basis, der bereits ab 2019 ersten Behörden zur Verfügung stehen soll, setzt größere Änderungen im Betriebssystem voraus. Er soll sich übrigens nicht nur für den Desktop, sondern auch für die mobile Nutzung eignen.

Prof. Dr. Hannes Federrath, GI

Prof. Dr. Hannes Federrath von der Universität Hamburg ist seit Jahresbeginn Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V. (GI)

Um den Einsatz von Windows 10 rechtskonform und sicher zu gestalten, wollen das Informationstechnikzentrum Bund (ITZ Bund) und die BWI GmbH als IT-Dienstleister der Bundeswehr einen speziellen „Bundesclient“ entwickeln – und zwar unter Einbeziehung des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik sowie der Bundesdatenschutzbeauftragten. Aufgrund der bekannten Datenschutz-Problematik von Windows 10 fordert der Präsidiumsarbeitskreis „Datenschutz und IT-Sicherheit“ der GI aber dennoch die Klärung einiger dringender Fragen, um eventuelle kostspielige und rechtlich bedenkliche Fehlentwicklungen zu vermeiden.

Prof. Dr. Hannes Federrath, frisch gewählter Präsident der Gesellschaft für Informatik e.V.: „Bevor ein Bundesclient entwickelt wird, muss in jedem Fall die Datenschutzkonformität eines solchen Systems sichergestellt sein. Nur durch Transparenz kann wirkliches Vertrauen in die IT-Sicherheit entstehen und gleichzeitig sichergestellt werden, dass deutsche und europäische Daten- und Geheimschutzgesetze eingehalten werden. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung stellt hohe Anforderungen an die IT-Sicherheit, die wir derzeit nicht vollständig umgesetzt sehen.“

Das Bayerische Landesamt für Datenschutzaufsicht (BayLDA) hat ja bereits festgestellt, dass eine mit der Datenschutz-Gesetzgebung kompatible Einstellung von Windows 10 nach derzeitigem Kenntnisstand selbst für die Enterprise-Version nicht sicher zu gewährleisten ist. Aus Datenschutz-Sicht fordert die GI daher, „auf die Verwendung des Clients, der auf dieser technischen Basis für die Behörden des Bundes entwickelt werden soll, zu verzichten, solange nicht sichergestellt werden kann, dass durch seine Entwicklung die gesetzlichen Anforderungen an den Datenschutz tatsächlich erfüllt werden“.

Darüber hinaus fordert die Gesellschaft für Informatik, den geplanten Bundesclient nicht nur für Behörden bereitzustellen, sondern auch der Bevölkerung und Unternehmen. „Eine solche Lösung kann auch ein wichtiger Schritt in Richtung Selbstschutz von Firmen und Bürgern vor Web-Profiling und Industriespionage sein“, sagt Federrath, der als neu gewählter GI-Präsident seit Januar 2018 der größten Fachgesellschaft für Informatik Deutschlands vorsteht.

Die vollständige Stellungnahme des Präsidiumsarbeitskreises „Datenschutz und IT-Sicherheit“ kann hier heruntergeladen werden.

Bildquelle: Kathrin Richter, Trendsetter - GI e.V.



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