Kalkuliertes Risiko: KI steigert die Produktivität der Mitarbeiter

Einführung von Relex-GPT

Die finnische Software-Schmiede Relex Solutions, deren Supply-Chain- und Einzelhandels-Planungssoftware bei Unternehmen wie Rossmann, Douglas, dm, Galexis oder Rewe genutzt wird, hat ein neues KI-Tool entwickelt, das die gleichen KI-Modelle wie ChatGPT nutzt, allerdings in einem sicheren Unternehmensumfeld und mit Zugang zur Wissensbasis der Finnen. Eine Beta-Version steht der Online-Community bereits zur Verfügung.

  • Tommi Vilkamo, Direktor der Relex Labs, will nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die von Kunden und Partnern mit KI unterstützen.

Relex-GPT dient als „Knowledge Hub“, der den Zugang zu Informationen über die Produkte des Softwarehersteller ebenso vereinfachen soll wie die Arbeitsabläufe über einzelne Teams hinweg. Neben dem sofortigen Abrufen und Zusammenfassen von Informationen verdeutlicht das Tool Konzepte und beantwortet komplexe Fragen. Es kann so bei der Ideenfindung und Forschung helfen und die Entwicklung von Problemlösungen durch die Zusammenführung relevanter Daten beschleunigen.

„Unsere ersten Anwender konnten die Produktivität steigern, banale Tätigkeiten reduzieren und sich auf sinnvollere und strategische Aufgaben konzentrieren“, sagt Tommi Vilkamo, Direktor der Relex Labs. Man sei bestrebt, nicht nur die eigenen Mitarbeiter, sondern auch die von Kunden und Partnern damit zu unterstützen.

Die ersten Ergebnisse des internen Einsatzes von KI-Tools wie ChatGPT, Github Copilot und Relex-GPT seien „beeindruckend“, heißt es. Eine interne Umfrage prognostiziert eine durchschnittliche Produktivitätssteigerung von 40 Prozent — bei bestimmten Aufgaben sogar bis zu 100 Prozent. Die Anwendungen dieser KI-Tools sind demnach vielfältig, schreibt der Hersteller: „Sie tragen zur Software-Entwicklung bei, indem sie Code generieren, Tests verwalten und Fehler beheben; sie helfen bei der Erstellung und Bearbeitung von Dokumenten und verbessern die kulturübergreifende Kommunikation durch Übersetzungen und Sprachverfeinerungen für E-Mails und Präsentationen.“

Das Tool soll künftig das Online-Angebot für Relex-Anwender erweitern, weil sie sofort Antworten auf ihre Fragen erhalten und sich über die besten Praktiken im Zusammenhang mit den Produkten austauschen können. Beabsichtigt ist, das neue KI-Tool in die Produktpalette zu integrieren, um die Benutzerfreundlichkeit noch weiter zu verbessern, sobald das Feedback der Anwendergemeinschaft vorliegt.

Während viele Unternehmen zögern, KI-Technologien in ihre Organisationen zu integrieren, greifen der finnische Hersteller diese Technologie jetzt auf, um seine Teams zu befähigen, deren transformative Fähigkeiten frühzeitig zu nutzen. Terhi Rekilä, Senior Legal Counsel & Governance and Regulatory Risk Manager bei Relex, bewertet die KI-Technologien wie folgt: „Wenn man sich mit Chancen und Risiken befasst, sollte man das gesamte Bild betrachten. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, Kontrollen und Ausgewogenheit zu schaffen, um die Risiken zu mindern, indem wir jedes KI-Tool aus Sicherheits-, Datenschutz- und rechtlicher Sicht bewerten. Auf diese Weise ist es möglich, die Vorteile der KI zu nutzen, die geschäftlichen Risiken zu vermeiden, wie zum Beispiel von Early-Adopters abgehängt zu werden, und potenzielle Bedrohungen zu mindern. Der Einsatz von KI ist nicht risikofrei, aber kein Unternehmen ist risikofrei.“

Laut CISO Camillo Särs berücksichtige man proaktiv verschiedene Risiken im Zusammenhang mit der KI-Nutzung. Gemeinsam mit Kunden sei eine KI-Nutzungsrichtlinie erstellt worden, um unnötige Risiken zu vermeiden. „Wir haben alle Risiken zusammen mit unseren Teams für Rechts-, Datenschutz- und Informationssicherheit gründlich analysiert, so Särs. „Die Schlussfolgerung war klar und deutlich: Die Vorteile überwiegen bei weitem die Risiken.“

„Natürlich“ werde die KI auch auf die Einhaltung einschlägiger Gesetze und Vorschriften z.B. im Gesundheits- und Finanzwesen geprüft, sagte Vilkamo auf Anfrage von DV-Dialog. „Einer unserer Werte lautet: Der Kunde ist ein Freund, und es ist kein Akt der Freundschaft, jemandem rechtliche oder regulatorische Probleme zu bereiten. Deshalb nehmen wir rechtliche und regulatorische Fragen in allen Ländern, in denen wir tätig sind, ernst.“

Es gilt zwar viele schwierige Fragen zu beantworten, wie genau große Sprachmodelle und generative KI-Systeme reguliert werden sollten, aber Systeme wie Relex-GPT hält Vilkamo aus rechtlicher und regulatorischer Sicht für weitgehend harmlos. Nach dem von der Europäischen Union geplanten neuen KI-Gesetz würde diese Software beispielsweise als begrenztes Risiko eingestuft werden, so Vilkamo weiter. „Die geplante Gesetzgebung würde keine zusätzlichen Maßnahmen nach sich ziehen, die wir nicht ohnehin schon ergreifen würden – wie etwa die Information der Nutzer darüber, dass sie mit KI interagieren.“

Vilkamo gibt allen Kunden, die über die Einführung dieser KI nachdenken, auch zwei Ratschläge mit auf den Weg: „Wer es mit der Integration von KI in sein Kerngeschäft ernst meint, für den ist es unverzichtbar, die sich entwickelnde rechtliche und regulatorische Landschaft zu verfolgen und sich auf Partner zu verlassen, die dasselbe tun. Außerdem ist es sinnvoll, das Risikoniveau im Auge zu behalten. So gibt es durchaus Möglichkeiten, die Belegschaft zu motivieren – und zwar bevor man in solche Anwendungsszenarien investiert, die in Zukunft zunehmend reguliert werden.“

Bildquelle: Getty Images / Stock / Getty Images Plus, Relex Solutions

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