Großhändler tauscht SAP-Plattform IBM i gegen Microsoft Azure

Enders wagt sich in die Cloud

Die Enders GmbH, ein Großhändler für Fleischerei- und Gastronomiebedarf mit Sitz im mittelhessischen Reiskirchen, entschied sich 2018 für die Verlagerung ihrer umfangreichen SAP-Landschaft sowie aller anderen Serversysteme in die Microsoft-Cloud Azure. Wie der involvierte Pforzheimer Projektpartner Abtis jetzt meldet, gelang diese Migration – und entlastet die interne IT-Abteilung. Nebenbei konnten auch die Total Cost of Ownership gesenkt werden.

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Neben der Unternehmenszentrale in Reiskirchen unterhält Enders neun weitere Standorte in Deutschland sowie drei internationale Niederlassungen – und beliefert mit eigener Logistik deutschlandweit Tag für Tag mehr als 1.000 Kunden mit Food- und Bedarfsartikeln. In einem klassischen Mittelstands-Set-up betrieb der Großhändler bisher zwei Rechenzentren für die rund zwanzig SAP-Systeme auf Basis von IBM Power i sowie eine umfangreiche IT-Landschaft weiterer Applikations- und Terminalserver. Als Clients kommen – außer im Außendienst – Terminals zum Einsatz.

Konfrontiert mit einem notwendigen Wechsel der Hardware für die Nutzung von SAP Hana, traf der langjährige Nutzer der IBM-Plattform AS/400 bzw. jetzt IBM i im Jahr 2018 eine radikale und mutige Entscheidung: Alle zentralen Systeme und Server sollten in die Cloud auf Microsoft Azure verlagert werden. Durch die vollständige Ablösung der System-i-Plattform und der Server-Infrastruktur sollte der Administrationsaufwand deutlich reduziert und so mehr Zeit für innovative Projekte mit den Fachabteilungen geschaffen werden. Nach dem Wechsel in die Cloud sollte mindestens die gleiche – wenn nicht eine deutliche bessere – Servicequalität erreicht werden und die TCO niedriger sein als beim Betrieb im eigenen RZ.

Vom System i in die Cloud – Auflösung des internen RZ

Gleichzeitig sollten neue Technologien wie Hana in der Cloud schneller bzw. flexibler genutzt werden können und Synergien zur vorhandenen Windows-Landschaft geschaffen werden. Dazu waren 14 produktive SAP-Systeme zuzüglich der Test- und Entwicklungssysteme, 15 Terminalserver sowie einige Applikationsserver ohne wesentliche Unterbrechungen für das Tagesgeschäft der Fachabteilungen in die Cloud zu migrieren. Und: Das Projekt musste wegen des Auslaufens von Leasing- und Lizenzverträgen in einem eng umrissenen Zeitplan zu definierten Stichtagen erfolgreich abgeschlossen sein.

Ziel war es, die interne IT von der Last des Infrastruktur-Betriebs zu befreien und mehr Zeit für innovative Projekte mit den Fachabteilungen zu schaffen. Durch Verlagerung der Systeme und Server in die Cloud sollte die Servicequalität nicht leiden, die TCO allerdings niedriger als beim eigenen RZ-Betrieb sein.

Gleichzeitig sollten neue Technologien wie Hana in der Cloud schneller und flexibler genutzt werden können und auch Synergien zur vorhandenen Windows- und Office-Landschaft geschaffen werden. Das Auslaufen bestehender Verträge schuf einen eng umrissenen Zeitplan mit definierten Stichtagen, zu denen das Projekt umgesetzt sein musste.

Neuland betreten

Als Anfang 2018 der Wechsel anstand, war der Betrieb von Hana in der Public Cloud noch weitgehend Neuland. Nach einer gründlichen Sondierung des Marktes fiel die Entscheidung zugunsten Microsoft Azure, weil diese Hana-Plattform in der Zertifizierung durch SAP am weitesten fortgeschritten war und eine Vorabfreigabe seitens SAP in Aussicht stand. So konnten alle Vorgaben seitens SAP mit den Möglichkeiten auf Azure in Einklang gebracht werden. Da hier Neuland betreten wurde, bezog der IT-Dienstleister Abtis auch die Experten des SAP-on-Azure-Teams von Microsoft in die Planung mit ein. Ein wichtiger Aspekt mit Blick auf die erhofften Einsparungen war außerdem die Optimierung der Lizenzierung insbesondere im Bereich der „Reserved Instances“.

„Abtis war unser Lotse in der Microsoft-Welt“, erklärt in einem Referenzbericht CIO Matthias Kneissl, der im Januar 2018 angetreten und im Februar 2020 zur Unternehmensberatung Ernst & Young gewechselt ist. „Der ausgesprochen gute Draht zu Microsoft hat uns in diesem Projekt sehr geholfen, weil wir immer schnellen Zugriff auf die benötigte Detailexpertise bei Microsoft hatten.“

Migration an den Wochenenden

Nach gewissenhafter Planung stand das Migrationskonzept für die SAP-Landschaft und wurde durch gründliche Tests validiert. Die eigentliche Migration wurde in Tranchen von jeweils ein bis zwei produktiven Systemen samt Entwicklungs- und Testinstanzen teilweise am Wochenende durchgeführt. Eine Hürde war aufgrund der Datenmenge der eigentliche Upload der gepackten Datenbanken über die gegebenen Leitungskapazitäten in die Cloud. Durch den Upload direkt am Netzknoten konnte das Problem gelöst werden.

Pünktlich zum gewünschten Stichtag Anfang April 2018 waren alle SAP-Systeme erfolgreich auf Hana on Microsoft Azure verlagert und operativ im Einsatz. Anfängliche Netzwerkprobleme unter Reallast konnten zügig ausgeräumt werden. Anschließend wurden sukzessive auch die weiteren Applikations- und Terminalserver migriert. Hilfreich war es, dass im Enders-Team bereits umfangreiche Erfahrung bei der Migration von SAP-Systemen vorhanden war.

Von der Verlagerung der SAP-Landschaft nach Hana on Azure und von der vollständigen Migration aller anderen Serversysteme in diese Microsoft-Cloud erwartet man sich bei der Enders GmbH mehr Sicherheit, besseren SLAs sowie eine höhere DSGVO-Compliance bei erheblicher Kostenreduktion. Die skalierbare Cloud-Infrastruktur sorgt für mehr Flexibilität und schnellere Verfügbarkeit neuer Technologien und Produktversionen. Darüber hinaus gewinnt man durch die Umwidmung der RZ-Flächen für andere Zwecke zusätzlichen Raum. Last not least kann das IT-Team dank einer deutlichen Entlastung nun innovative Projekte für die Fachabteilungen angehen.

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