Reta Award 2022 für Engelbert Strauss: COO Matthias Fischer nahm den Preis entgegen.
Warnschutz-Kleidung für Baustellen aus Biebergemünd
Produktion und Logistik sind in der CI-Factory intelligent vernetzt und vollständig digitalisiert.
Die mit Unterstützung des Intralogistik-Experten TGW errichtete und jüngst vom EHI mit dem Reta Award 2022 in der Kategorie „Best AI and Robotics Application“ ausgezeichnete CI-Factory steht für eine „gläserne Produktionsstätte“ sowie für ein Logistikdrehkreuz“ mit dem Ziel, die Individualisierung von Outfits auf ein neues Niveau zu heben. Das CI im Namen der Fabrik, die Abkürzung für „Corporate Identity“, soll verdeutlichen, dass an dieser Stelle auch das Image des Unternehmens in der Öffentlichkeit geprägt werden soll.
Bei der laufenden Modernisierung der logistischen Prozesse durch die Einführung eines standortübergreifenden Bestands- und Auftragsmanagements steht aktuell die Integration des Logistikstandorts Biebergemünd Mittelpunkt. Der soll künftig einen hohen Automatisierungsgrad erreichen, dank einer durchgängig digitalen Informations- und Prozesskette von Engelbert Strauss selbst entwickelten ERP-Systems bis hin zur Steuerungsebene. Ziel ist das intelligente Zusammenspiel aller Komponenten im Logistiknetz des Herstellers von Berufsbekleidung.
Bei Strauss sieht man in der IT den „Game Changer“, wobei man in allen Bereichen die Spielregeln selbst bestimmen will: vom ERP-System über den Web-Shop (der branchenübergreifend zu den fünf größten in Deutschland gehört) bis hin zur hochkomplexen Produktionssteuerung entwickelt Strauss alle Systeme selbst, so dass das insgesamt 200 Köpfe starke IT-Team an vielen spannenden Projekten arbeitet. Und das „IT works“, dafür sorgt das Infrastruktur-Team – und zwar mit voll automatisierten und virtualisierten Prozessen und den neuesten Technologien als Grundlage für eine reibungslose und sichere Performance auf allen Systemen und Plattformen.
Bei der Modernisierung der Logistik arbeitet Engelbert Strauss mit der Körber Supply Chain GmbH zusammen – und setzt auf deren Software-Suite K.Motion, vom „Distributed Order Management“-System (DOM) über das Warehouse-Management-System (WMS) bis hin zum Materialflusssystem (Warehouse Control System, WCS). Ziel ist die Echtzeit-Transparenz über die aktuellen Bestände an den verschiedenen Standorten, die übergreifende Koordination und Statusverfolgung der Logistikprozesse und eine effiziente operative Steuerung der komplexen Vorgänge in der hochgradig automatisierten Anlage.
Das Logistikzentrum soll im Laufe der nächsten drei Jahre sukzessive im laufenden Betrieb umgebaut werden. Den Kern bildet ein neu errichtetes Shuttle-Lager mit 16 Gassen und 25 Werkzeugmaschinen-Arbeitsplätzen. Die Kommissionierung erfolgt dann auch robotergestützt; beim Retourenhandling sollen zudem autonome mobile Roboter (AMR) zum Einsatz kommen.
Mit wachsendem Automatisierungsgrad und Durchsatz der Anlage steigen auch die Anforderungen an die Leistungsfähigkeit und Flexibilität der Prozesssteuerung, die das modular aufgebaute und für besonders komplexe Aufgaben ausgelegte Lager-Managementsystem von Körber übernimmt. Das Gesamtsystem aus moderner Lagertechnik und intelligenter Steuerung soll trotz größerer Lagerkapazität eine deutlich schnellere Ein- und Auslagerung, Kommissionierung und Retourenabwicklung ermöglichen.
Das Logistikzentrum in Biebergemünd wird derzeit in K.Motion DOM integriert, um mit der Mitte 2020 in Betrieb genommenen CI-Factory in Schüchtern sowie anderen kleineren dezentralen Lagerstandorten zu interagieren. Die Integration von WMS und DOM soll die Lücke zwischen dem bestehenden Warenwirtschaftssystem und den Lager- und Distributionsstandorten schließen. Deren Kapazitäten und Bestände werden dann in einem virtuellen Logistikdrehkreuz zusammengeführt. DOM aggregiert und verteilt dabei die Aufträge im Logistiknetz, um eine optimale Auslastung und gleichzeitig schnellstmögliche Kundenlieferungen zu ermöglichen.
Über die Auftragsmanagement-, Lagermanagement- und Materialflusssteuerungs-Systeme als Knotenpunkte können automatisierte Technologien in die Prozessabläufe eingebaut werden, um diese zu optimieren und außerdem die Mitarbeiter produktiver zu machen. Bei Engelbert Strauss soll die durchgängig digitale Lieferkette es ermöglichen, vielschichtige Prozesse in einer hochautomatisierten Anlage effizienter steuern und somit die Herausforderungen entlang der gesamten Supply-Chain besser zu bewältigen.
„Durch die zunehmenden Dynamiken entlang der Lieferkette gewinnt die ganzheitliche Logistikoptimierung zunehmend an Bedeutung“, sagte Matthias Fischer, COO bei Engelbert Strauss. Er setzt ganz bewusst „auf Lösungen, die über die Grenzen des Lagers hinausgehen und mehr Prozesstransparenz schaffen“, so dass dank moderner Software „die Logistikabläufe auch mit dem Unternehmenswachstum Schritt halten“ können.
Bis zu 50.000 Pakete pro Tag
In der CI-Factory, die im Vorfeld komplett mit einem Digitalen Zwilling aufgebaut wurde, konfiguriert die Kundschaft ihre maßgeschneiderte Arbeitskleidung und Sicherheitsschuhe individuell – und kann dabei aus 40.000 Produkten auswählen. Besonderes Highlight: In der gläsernen Schuhfabrik können pro Jahr bis zu 400.000 Paar Schuhe nach individuellen Corporate Design-Vorgaben hergestellt werden – und das zu Kosten einer Serienfertigung. Der Prozess wurde patentiert.
Weiterer Baustein ist das hochautomatisierte Logistikzentrum. An Spitzentagen verlassen bis zu 50.000 Pakete die CI-Factory auf ihrem Weg zu Kunden in ganz Europa. In das Leuchtturm-Projekt investierte Engelbert Strauss über 200 Mio. Euro. Das Konzept ist zudem für die vollautomatische Kommissionierung mit einem intelligenten Pickroboter ausgelegt, der auf Erkenntnissen aus den Bereichen „Künstliche Intelligenz“ sowie „Machine Learning“ basiert.
Der Hersteller für Berufsbekleidung erwirtschaftet den Großteil des Umsatzes, der 2019 erstmals die Milliardengrenze überschritten hat, bereits online und gehört so zu den Top Onlinehändlern in Deutschland. Das Familienunternehmen mit Sitz im hessischen Main-Kinzig-Kreis beschäftigt rund 1.600 Mitarbeiter und fertigt in 25 Ländern weltweit.
Bildquelle: Engelbert Strauss