Strategische Weiterentwicklung während der SAP-Einführung

Epsotech auf der Reise zur Digitalisierung

Seit mehr als 60 Jahren entwickelt die Jülicher Epsotech-Gruppe Kunststoffprodukte für eine Vielzahl von Segmenten und Märkten – heute mehr als 3.000 Produkte, von Sitzverschalungen in Zügen bis hin zu Spielplatzgeräten. Jedes Jahr beliefert die Gruppe mehr als 2.500 Kunden weltweit und bündelt dabei die Stärken von sieben europäischen Produktionsstandorten und insgesamt rund 600 Mitarbeitern. Jetzt wird die Digitalisierung vorangetrieben.

Epsotech stellt mehr als 3.000 Kunststoffprodukte für eine Vielzahl von Segmenten und Märkten her, von Sitzverschalungen in Zügen und Bussen bis hin zu Spielplatzgeräten.

Die „Digitalisierungsreise“ des Mittelständlers begann im Jahr 2020; jetzt ist der erste Standort live gegangen – etwas später als ursprünglich geplant. Ziel war es, die Interaktion und Integration der unabhängigen Produktionsstandorte voranzutreiben, um als ein Unternehmen zu agieren und zu funktionieren.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass die Systemeinführung bei der Epsotech Germany zum Jahreswechsel 2021/ 2022 erfolgreich umgesetzt wurde“, wird jedenfalls Daniel Faller, Executive Director Group Finance & IT bei Epsotech und ERP-Projektleiter, in der Presseinformation des Unternehmens zitiert. „Unsere sieben Standorte bedienen unterschiedliche Produktsegmente – mit sieben verschiedenen ERP-Systemen. Beim Roll-out geht es darum, die vielen verschiedenen Systeme unter einem Dach zu vereinen. Doch damit nicht genug: Mindestens genauso wichtig ist die Transparenz von Kundenanforderungen, Einkauf und Produktionskapazitäten. Der erste wichtige Meilenstein auf dem Weg dorthin ist nun erreicht."

Mit der neuen ERP-Software soll eine Innovationsplattform geschaffen werden, um die Kompetenzen der einzelnen Standorte bündeln und die „Operational Excellence“ weiter steigern zu können. Das soll gelingen, weil die gesamte Wertschöpfungskette abgebildet wird und weil alle Managementinformationen in Echtzeit zur Verfügung stehen. Davon verspricht man sich einen Wettbewerbsvorteil und will das Unternehmen so fit machen für eine Zukunft, in der die Kundenanforderungen immer komplexer werden.

Unterschiedliche ERP-Systeme

Die Epsotech-Standorte bedienen unterschiedliche Produktsegmente und nutzen dabei – historisch bedingt – unterschiedliche ERP-Systeme. „Von Integration oder gar Digitalisierung konnte bis dato nicht die Rede sein“, so Projektleiter Daniel Faller. „Dies hat uns in wichtigen strategischen Weiterentwicklungen stark behindert.“

Um sich klar im Markt zu positionieren, steht bei Epsotech über allen Prozessen und Entwicklungen das Credo „we care about plastics“. Solch ein klares Verständnis der Zielprozesse bei allen Beteiligen ist die Basis für den Erfolg einer ERP-Einführung, denn die Sortierung der Prozesse und die Zuordnung zu IT-Lösungen ist eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche und auch beherrschbare IT-Ziellandschaft.

„Neben der Digitalisierungsoffensive verfolgen wir das strategische Ziel, ein vollständig recycelbares Portfolio anzubieten und nicht recycelbare Lösungen im Markt zu ersetzen“, ergänzt Marketing-Direktorin Carina Marotta. „Hier setzen wir auf dem Prinzip der Kreislaufwirtschaft auf und übernehmen die Vorreiterrolle beim Einsatz von Post-Consumer-Materialien“. Laut Faller ist die Voraussetzung hierzu „die Transparenz über die komplexen Stoff- und Werteflüsse einer Kreislaufwirtschaft. Die Digitalisierung der Produktion und Logistik ist also ein wichtiger ‚enabler’ für uns.“

Eine SAP-Implementierung ist kein IT-Projekt

„Eine SAP-Implementierung ist komplex – und insbesondere kein IT-Projekt“, so Daniel Faller. Das habe man zunächst einmal schmerzlich lernen müssen – und sich dann für die Projektbegleitung durch Admova Consulting entschieden. Admova, eine unabhängige Beratungsfirma mit Schwerpunkt Produktion und Logistik und Sitz in Bad Camberg, habe konkret aufzeigen können, welche Möglichkeiten die neue ERP-Landschaft eröffne, erinnert sich Michael Hangelmann, CEO der Epsotech-Gruppe. „Zudem konnten wir […] die für uns ebenfalls wichtigen Themen der Reorganisation und des Change-Management angehen.“

Im Zuge der ERP-Einführung haben die Berater zunächst gemeinsam mit ihrem Kunden die IT-Applikationsstrategie für die Gruppe neu entworfen. „Hierzu haben wir die Prozesse und IT-Anforderungen der Epsotech aufgenommen, zum Teil optimiert und den Anwendungsebenen der neu definierten Applikationsstrategie zugeordnet“, so Dr. Jens Rittscher, Partner bei Admova Consulting.

Die ERP-Ebene unterstützt wichtige Kernprozesse, die zur Führung eines Unternehmens notwendig sind: Finanzen, Controlling, Produktion, Logistik etc. Hier hatte sich Epsotech schon früh für SAP S/4 Hana entschieden. Die Digitalisierung der Produktion ist aufgrund der für die Kunststoffbranche typischerweise komplexen Produktionsprozesse nicht einfach in einem ERP-System abzubilden. Daher haben die Berater auch die Einführung eines MES/MDE-Systems empfohlen, das (in Echtzeit) Maschinen- und Verbrauchsdaten empfängt und aggregiert an SAP übergibt.

Die Digitalisierung der Logistik konnte wiederum im „Extended Warehouse Management“ SAP EWM mit Scanner-Applikationen gelöst werden. Analog ging man für weitere Prozessanforderungen vor. Die Sortierung der Anforderungen und die Zuordnung zu Lösungen hat sich eine wichtige Voraussetzung für eine erfolgreiche und auch beherrschbare Ziellandschaft erwiesen.

MES/MDE-System mit SAP-Anschluss

Bei der Suche nach einem geeigneten MES/MDE-System wurden Faller glücklicherweise in der Gruppe selbst fündig. „Man muss dem internen und externen Entwicklungsteam in Italien ein wirklich großes Kompliment machen. Mit Genesis hat die Epsotech ein auf die Produktionsabläufe ideal abgestimmtes MES/MDE-System geschaffen, mit hoher Integration in SAP – aus eigener Kraft“, so Dr. Rittscher. Die Daten aus Genesis in Kombination mit den erweiterten Analysemöglichkeiten einer S/4-Hana-Datenbank bilden den zentralen digitalen Kern für alle zukünftigen Digitalisierungsaktivitäten.

Nach dem Go-Live der Holding im September 2020 ist nun seit Januar 2022 der erste produzierende Standort – Epsotech Germany – live. Als internationales Unternehmen, das in mehreren Ländern tätig ist und diverse Industrien bedient, soll ein integriertes, einheitliches Systems etabliert werden, das laut Faller „auch als zentraler digitaler Kern für alle anderen Digitalisierungsaktivitäten dienen wird, die wir auf unserer Agenda haben“. In den nächsten zwei Jahren werde dieses System an allen europäischen Standorten implementiert.

Über Epsotech

1960 unter dem Namen Metzeler Plastics gegründet, produziert das Unternehmen aus Kunststoffgranulat eine große Vielfalt von Produkten, sei es die Sitzschale in Reisebus oder Zug, Teile der Karosserie von Elektrofahrzeugen oder von Innenverkleidung im Wohnwagen sowie ganz einfach Bauteile überall dort, wo Kunststoff aufgrund seiner Leichtigkeit, Langlebigkeit und Thermoformbarkeit Metall ersetzt. Auch im medizinischen Bereich, in Land- und Baumaschinen kommen die Bauteile zum Einsatz – längere Lebensdauer und geringer bis gar kein Wartungsaufwand sprechen für sich. Die seit 1988 im Verbund der Vita Group agierende Gesellschaft firmiert nach mehreren Eigentümerwechseln seit 2018 als Anbieter von Anbieter von Kunststoffplatten und -folien – englisch „Engineered Polymer Sheets" – kurz und knapp als Epsotech.

Bildquelle: Epsotech

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