Neuer Mehrheitsaktionär Battery Ventures, neue Geschäftsführung

Ereignisreicher Sommer für Easy Software

Der Sommer bringt für die Easy Software AG, Mülheim an der Ruhr, viele Veränderungen. Die Aktienmehrheit will seit Ende Juli der technologieorientierte Investor Battery Ventures übernehmen, der seinen Sitz auf den karibischen Kaimaninseln hat. Die Geschäftsführung der Easy Software Deutschland GmbH änderte sich erneut. Und die Kundenveranstaltung Easy Word 2020 findet statt – und zwar am 29. September rein virtuell.

Die Geschäftsführung in Deutschland hat am 18. August Stefan Schmidt von Werner Höllrigl übernommen; der zweite Geschäftsführer ist Michael Reiserer, einer der Gründer der zugekauften Leipziger Apinauten GmbH. Er hatte den Job bereits zu Jahresbeginn von Alfred Pfaff übernommen.

Mit Pfaff, Höllrigl und Richard Luckow hatte Easy im März 2019 eine neuformierte Geschäftsführung für den deutschen Markt etabliert. Von dieser Geschäftsführung ist nach den Querelen um die Eigentumsverhältnisse und nach all den Turbulenzen auf der Chefetage niemand mehr im Unternehmen, denn auch Luckow hat Easy verlassen – als erster des Geschäftsführer-Trios nach fast 20 Jahren im Unternehmen bereits im Juni 2019. Mittlerweile arbeitet er bei der xSuite Group.

Trotz all dieser Turbulenzen und Querelen meldete der 1990 gegründete Pionier für Archivsoftware am 26. August für das 1. Halbjahr „gute Geschäfte“. Der Umsatz in dem Zeitraum schrumpfte zwar „wegen erschwerter wirtschaftlicher Umstände“ leicht, von 24,8 Mio. im Vorjahr auf 24,3 Mio. Euro (-1,8 Prozent). Das Ebitda, der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, verbesserte sich im ersten Halbjahr 2020 um 45 Prozent von 2 Mio. auf EUR 2,9 Mio. Euro; auch ohne Sondereffekte wäre das Halbjahres-Ebitda um 15 Prozent verbessert worden.

Dabei operiert Easy weiter in den roten Zahlen; allerdings wurde der Verlust deutlich gesenkt, von 415.000 auf 89.000 Euro. Man habe 63 Neukunden gewinnen können, heißt es; die Rede ist von mittlerweile insgesamt über 13.600 Installationen der Software. Easy ist weltweit in 60 Ländern aktiv und verfügt derzeit über ein Netzwerk von rund 100 Partnern im In- und Ausland. Im Geschäftsjahr 2019 stand ein Gruppenumsatz von 50,6 Mio. Euro zu Buche.

Oliver Krautscheid, der den im März krachend gefeuerten Easy-Vorstand Dieter Weißhaar abgelöst hat, sieht für das Unternehmen einen langfristigen Wachstumstrend dank der digitalen Produkte. Allerdings seien die volkswirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie noch nicht voll verarbeitet und absehbar. Der Branchenverband Bitkom prognostiziert für 2020 einen Rückgang an IT-Bedarf von rund 5 Prozent. Im Rahmen dieser Umfrage gaben 40 Prozent der Unternehmen an, dass Digitalisierungsprojekte wegen Kurzarbeit und zur Liquiditätsschonung verschoben werden sollen.

Eine aktualisierte Prognose gab Krautscheid nicht ab; im Geschäftsbericht wird im Jahr 2020 weiterhin ein Gruppenumsatz zwischen 49 bis 54 Mio. Euro erwartet. Krautscheid sieht also trotz Corona weiter die auf ein Wachstum im einstelligen Prozent-Bereich.

Am 24. Juli hatte die Investmentgesellschaft Battery Ventures ein Übernahmeangebot in Höhe von 11,50 Euro in bar für jede Easy-Aktie angekündigt, was eine Prämie von rund 100 Prozent auf den damaligen Kurs der Aktie und einen Firmenwert von 74 Mio. Euro bedeutet. Man hatte sich zuvor bereits mit den beiden größten Easy-Aktionären, der Deutschen Balaton AG und der Global Derivative Trading GmbH (hinter der Derivate-Händler Thorsten Wagner steht), unwiderruflich auf die Annahme des Übernahmeangebots geeinigt; beide Aktionäre halten gemeinsam mehr als 60 Prozent der Easy-Aktien.

Voraussetzung für den Vollzug des Übernahmeangebots wird eine Mindestannahmequote von 75 Prozent sowie die kartellrechtliche Freigabe sein; letztere wurde unter dem Aktenzeichen B7-156/20 beim Bundeskartellamt bereits beantragt.

Beide Großaktionäre hatten auch den spektakulären Rauswurf Weißhaars und seine Ablösung durch Krautscheid initiiert. Übrigens hatte ja auch Balaton schon Anfang 2019 ein Übernahmeangebot für Easy Software vorgelegt, aber nur 4,90 Euro pro Aktie geboten. Vorstand und Aufsichtsrat sowie Arbeitnehmervertreter der Easy Software empfahlen seinerzeit den Aktionären, die Offerte nicht anzunehmen, sie sei zu niedrig. Mittlerweile sind Vorstand und Aufsichtsrat personell anders besetzt als damals.

Mittlerweile steht auch fest, dass die Kundenveranstaltung Easy Word 2020 stattfindet – und zwar am 29. September rein virtuell. Geplant ist ein Programm mit über 50 Slots für Procurement-to-Pay, HR, Materialmanagement, DMS sowie Cloud-Services, digitale Plattformen und Applikationen.

Bildquelle: Thinkstock / iStock

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