Pascal Leppich, Senior Sales Consultant & Business Development bei Arvato Systems
Petra Bögle, Head of Business Integration bei Dachser
Wie unsere letzte Expertenbefragung deutlich machte, gibt es bei der Schaffung einer „Single Source of Truth“ unterschiedlichste Ansätze, um die zahllosen ERP-Silos der an einer Lieferkette beteiligten Unternehmen und Behörden möglichst gut zu verbinden (siehe DV-Dialog 1-4/2024, Seite 10f).
Pascal Leppich, Senior Sales Consultant & Business Development bei Arvato Systems, empfiehlt hierzu die Nutzung cloudbasierter IT-Plattformen. „Diese vernetzen erfahrungsgemäß die Akteure der Lieferkette für spezifische Anwendungsfälle sehr effizient unter Nutzung zentraler und standardisierter Schnittstellen, um den konsistenten Austausch relevanter Daten in Echtzeit zu gewährleisten und einen gemeinsamen sicheren Datenraum zu schaffen“, so Leppich.
Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2024. Das kostenfreie E-Paper finden Sie hier.
Es gibt bereits spannende Beispiele am Markt, wie etwa das Cloud4Log-Kooperationsprojekt von Bundesvereinigung Logistik (BVL) und GS1 zur digitalen Abbildung von Lieferscheinen oder auch das SAP Business Netzwerk, das die Zusammenarbeit vom Einkauf bis zur Abrechnung optimiert. Darüber hinaus verweist Leppich auf neue innovative und vielversprechende Ansätze, die in den Startlöchern stehen: „Im Rahmen der europäischen Gaia-X-Initiative entstehen Datenräume, unter anderem als Mobilitätsplattform für den Güterverkehr, welche den Akteuren den übergreifenden Datenaustausch unter der Berücksichtigung europäischer Datenschutzrichtlinien ermöglichen.“
Petra Bögle, Head of Business Integration beim Logistikunternehmen Dachser, macht auf den entscheidenden Faktor aufmerksam: „Digitalisierung bedeutet Vernetzung – und das geht nur gemeinsam!“ Kein Logistikunternehmen könne in der Lieferkette autark agieren, sondern arbeite mit Partnern, Kunden, Behörden etc. zusammen. „Das funktioniert umso effizienter, je mehr digitale Verbindungen und Datenintegrationen es auf Basis etablierter Standards gibt, denn es sind oft nicht-kompatible Insellösungen, die die pragmatische Vernetzung von Partnern verhindern“, berichtet Bögle aus Praxis. „Unsere Mission ist es, der integrierteste Logistikdienstleister weltweit zu werden. Dafür setzen wir auf Standards auf, um eine umfassende Connectivity zu den Systemen unserer Kunden und Partner zu bieten und mit eigenen Daten und Logiken einen USP zu schaffen – natürlich unter besonderer Berücksichtigung der IT-Sicherheit.“
Für die Kunden der Spedition soll der Datentransfer so unkompliziert wie möglich sein, nennt Bögle den dritten Erfolgsfaktor neben Standards und Sicherheit: „Als Vorreiter für digitale Logistik-Prozesse passen wir uns an die agile digitale Außenwelt an und ergänzen unseren standardisierten Ansatz, wo es sinnvoll ist, mit individuellen Lösungen. In diesem Zusammenhang wollen wir im Rahmen der ‚Open Logistics Foundation‘ auf Open-Source-Basis gemeinsam Commodity-Tools schaffen, die von jedem Akteur der Logistikbranche genutzt und weiter entwickelt werden können. Ein aktuelles Beispiel ist der elektronische Frachtbrief, kurz eCMR. Auf diese Weise entstehen De-Facto-Standards, die einerseits die gesamte Branche weiterbringen und andererseits Ressourcen für die Entwicklung von Innovationen frei machen.“
Bildquelle: Dachser, Arvato Systems