Thyssenkrupp modernisiert die „Supply Chain“

ERP-System füttert KI

Im Rahmen der „Digitalisierungsoffensive“ von Thyssenkrupp Materials Services bildet das neue ERP-System „Desca“ den Motor: Denn die Daten, die nun aus allen Bereichen der Wertschöpfungskette darin zusammenlaufen, sind das Futter für „Alfred“, das Anfang 2019 eingeführte, selbstentwickelte KI-System des Werkstoffhändlers. Zudem kommuniziert Desca mit „Toii“, der IIoT-Plattform des Unternehmens, über die sämtliche Anlagen weltweit miteinander vernetzt werden.

  • Anders als herkömmliche ERP-Systeme ermöglicht Desca eine flexible Integration von Daten aus verschiedenen internen und externen Quellen.

  • Industrie-4.0-Umgebungen sollen die Komplexität in globalen Produktionsverbünden erheblich reduzieren.

  • Vorreiter bei Desca: Patrick Marous, CEO von Thyssenkrupp Aerospace

  • Auftragsinformationen mit den Bearbeitungsdaten aus dem vernetzten Maschinenpark abzugleichen und künftig auch in Echtzeit abzurufen, ist für Branchen mit hohen Anforderungen an eine flexible Supply Chain interessant, etwa für die Luftfahrtindustrie.

Desca steht für „Digital Extended Supply Chain Accelerator“ und „ist ein wichtiger Baustein in der strategischen Weiterentwicklung der Handelsparte“, heißt es in der Pressemitteilung. Mit dem Ansatz „Materials as a Service“ will der größte Werkstoffhändler der westlichen Welt nicht nur den Zugang zu globalen Versorgungsmärkten gewährleisten, sondern auch eigenes Prozesswissen in Form von maßgeschneiderten Supply-Chain-Lösungen an seine Kunden weitergeben.

Materials as a Service

Das neue ERP-System basiert auf SAP Hana. „Es wurde auf Basis des SAP-Standards um spezifische Anforderungen für unser Geschäft weiterentwickelt – wie beispielsweise dynamische Prozesse in der Metallverarbeitung“, erklärte Pressesprecherin Katharina Nordmeyer auf Anfrage von DV-Dialog. „Die Logiken hinter den Anforderungen sind in Satellitensystemen integriert, die über moderne Webtechnologie mit Desca vernetzt sind.“

„Die smarte Vernetzung von Daten ist der Schlüssel zu mehr Effizienz und Kundenservice. Mithilfe unseres neuen ERP-Systems schaffen wir dafür die technologische Voraussetzung“, erklärte Patrick Marous, CEO von Thyssenkrupp Aerospace. Anders als herkömmliche ERP-Systeme ermögliche Desca eine flexible Integration von Daten aus verschiedenen internen und externen Quellen. So liessen sich beispielsweise Auftragsinformationen mit den Bearbeitungsdaten aus dem vernetzten Maschinenpark abgleichen und künftig auch in Echtzeit abrufen, sogar per App.

Das ist laut Marous insbesondere für Branchen mit hohen Anforderungen an eine flexible Supply Chain interessant, so zum Beispiel für die Luftfahrtindustrie. Den ersten Praxiseinsatz absolvierte Desca deswegen in ausgewählten Thyssenkrupp Aerospace Niederlassungen in Nordamerika. Dort wurde die Software bereits im letzten Jahr erstmals in Betrieb genommen – und ist inzwischen in den nordamerikanischen Standorten von Thyssenkrupp Aerospace implementiert. Schrittweise wird Desca nun zunächst bei Aerospace und dann auch auf weitere Einheiten von Materials Services ausgerollt.

Es geht laut Marous im Kern darum, sämtliche Prozesse entlang der Wertschöpfungskette möglichst „intelligent und agil zu steuern“. Materiallieferungen, Kundenbestellungen, Auftragsbearbeitungen, Transportlogistik – als digitaler Beschleuniger könne das neue ERP-System „auch Millionen von Datensätzen innerhalb von Sekunden verarbeiten und weiterleiten“. Davon profitieren vor allem die Kunden: Mit Desca verkürzt Materials Services die Durchlaufzeiten von Aufträgen, optimiert die Lagerlogistik und ebnet den Weg für neuartige Supply-Chain-Services.

Vorreiterrolle in der Luftfahrtindustrie

„Wir sehen großes Wachstumspotenzial in dem Bereich der Supply-Chain-Services“, so Klaus Keysberg, CEO von Materials Services. „Industrie-4.0-Umgebungen wie Desca ermöglichen uns, die Komplexität in globalen Produktionsverbünden erheblich zu reduzieren. Hier setzen wir an und unterstützen unsere Kunden dabei, sich ganz auf ihr Kerngeschäft zu fokussieren.“

Marous sieht sich in einer Vorreiterrolle, da man als einer der ersten großen Anwender in der Luftfahrtindustrie auf die neueste SAP-Umgebung umstelle: „Die erste Phase hat gezeigt, dass wir damit unsere Kernkompetenz, das smarte Supply-Chain-Management, entscheidend stärken.“ Visualisierungen zeigten relevante Daten auf einen Blick über ein Dashboard an. „Wir wissen daher, was wir in den nächsten Stunden zu tun haben“, so Marous weiter. Und es ist laut Pressesprecherin Nordmeyer „durchaus denkbar, Desca als Teil einer integrierten Supply-Chain-Lösung auch Kunden anzubieten.“

Bildquelle: Thyssenkrupp Materials Services

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