Auch die Hardware-Flaute bremst die IBM-Geschäfte

Erwartungen enttäuscht

Im 1. Quartal hat IBM die Erwartungen verfehlt. Der Umsatz schrumpfte um 5 Prozent auf 23,4 Mrd. Dollar, der Gewinn um 1 Prozent auf 3,0 Mrd. Dollar. Trotzdem will Konzernchefin Ginni Rometty das gesamte Jahr 2013 mit steigenden Zahlen abschließen, auch aufgrund des stark gewachsenen „Backlogs“ im Auftragseingang. Außerdem wird ein Großteil zu Jahresbeginn angekündigten Entlassungen auf das 2. Quartal vorgezogen, hauptsächlich außerhalb der USA. Last not least machen Gerüchte über den Verkauf der PC-Server-Sparte an Lenovo die Runde.

  • Bis auf Spanien enttäuschten auch die großen IBM-Töchter in Europa.

  • Der Umsatz mit Power Systems brach um 32 Prozent ein.

IBM enttäuscht die Erwartungen der Aktionäre höchst selten. Deshalb entschuldigte sich Rometty mit folgenden Worten: „Im 1. Quartal haben wir das operative Ergebnis nach Steuern, den Gewinn pro Aktie gesteigert und die Gewinnmargen verbessert, aber nicht all unsere Ziele in diesem Zeitraum erreicht. Trotz eines soliden Starts und guter Kundennachfrage konnten wir etliche Software- und Mainframe-Geschäfte nicht abschließen, die ins zweite Quartal gewandert sind.“ Immerhin steigerte sie den Gewinn pro Aktie, die wichtigste Kennzahl, auch im 1. Quartal – um 3 Prozent auf 2,70 Dollar. Für das Gesamtjahr will IBM mindestens 16,70 Dollar erreichen, bestätigte Rometty nochmals die bisherige Prognose.

Finanzchef Mark Loughridge führte noch andere Gründe an: Die Yen-Schwäche und ein enttäuschendes Umsatzplus von nur 3 Prozent in den als „Wachstumsmärkten“ apostrophierten Brics-Ländern Brasilien, Russland, Indien China und Südafrika bei konstanter Währung. Real schrumpfte der Umsatz hier sogar um 1 Prozent. Auch in der Region EMEA schrumpfte der Umsatz, um 4 Prozent auf 7,3 Mrd. Dollar. In den meisten großen Ländern dieser Region büßte IBM Umsatz ein; nur IBM Spanien schaffte ein moderates Wachstum.

Führen enttäuschende Hardware-Geschäfte...

Der Umsatz der „Systems and Technology Group“ (STG) fiel um 17 Prozent auf 3,1 Mrd. Dollar. „Für Systems and Technology war es nicht das Quartal, das wird erwartet haben“, führte Loughridge bei seiner Ursachenforschung als letzten Faktor das enttäuschende Hardware-Geschäft an. „Finally, there are parts of our business that are in transition or have been underperforming, like elements of our Power, System x and storage product lines that showed disappointing performance in the first quarter. Here we are going to take substantial actions.“

Die Rede ist von einem Verkauf der PC-Server-Sparte an Lenovo; die Chinesen hatten ja im Jahr 2005 bereits das PC-Geschäft von IBM übernommen. Die  Frage eines Analysten, ob zu den substantiellen Maßnahmen auch ein Verkauf des System-x-Bereiches gehöre, wollte Loughridge mit der üblichen Floskel "Wir kommentieren keine Gerüchte" nicht beantworten. Ein klares Bekenntnis sieht anders aus.

... zum Verkauf der PC-Server-Sparte an Lenovo?

Lenovo seinerseits gab in einer Pflichtmitteilung an die Börse Hongkong bekannt, „mit einer dritten Partei im Zusammenhang mit einer potenziellen Akquisition“ zu verhandeln, ohne jedoch Namen oder einen Preis zu nennen. Die Gespräche seien bereits weit fortgeschritten, berichtet das Wall Street Journal. Und Analysten von Morgan Stanley gehen davon aus, dass die x86-Server vergangenes Jahr mit 4,9 Mrd. Dollar knapp ein Drittel des IBM-Server-Umsatzes von 15,4 Mrd. Dollar ausgemacht haben. Allerdings ist IBM hier nur die Nr. 3 hinter HP und Dell und nicht Marktführer wie bei den Power Systems und den Mainframes. Zudem baut IBM diese Server komplett selbst und kann somit dank höherer Wertschöpfung auch bessere Margen erzielen.

Behalten wird IBM wohl auch die neuen "Pure Systems", von denen im ersten Jahr seit der Markteinführung im April 2012 insgesamt 4.000 Stück in 90 Ländern dieser Welt installiert werden konnten. Offen ist, was aus deren Vorgängern, den Blade Centern, wird.In der jüngeren Vergangenheit hatte sich IBM bereits peu à peu von etlichen anderen Hardware-Sparten getrennt: Von Plattenspeichern (Verkauf an Hitachi 2002), von Druckern (Verkauf an Ricoh 2007), von Thin Clients (Netvista im April 2002 eingestellt) und zuletzt im vergangenen Jahr von den Kassen (Verkauf an Toshiba Tec). Aktuell trägt Hardware direkt nur noch gut 13 Prozent zum IBM-Umsatz bei, auch wenn sie mit Sicherheit das beste Fundament für das Software- und Service-Geschäft des Konzerns bildet und somit indirekt wesentlich mehr beisteuert.

Die Hardware-Sparte machte 400 Mio. Dollar Verlust

Als Ursache der „enttäuschenden Leistung“ der STG machte Loughridge die Markteinführung neuer Produktgenerationen, aber auch die Arbeit der STG selbst aus. Im 2. Quartal sollte die STG allein schon aufgrund der erwarteten zweistelligen Wachstumsraten im Mainframe-Geschäft wieder profitabel arbeiten; im 1. Quartal stand ein Verlust von 400 Mio. Dollar zu Buche. „We expect to improve our revenue performance in the second quarter and return to profitability excluding the second quarter workforce rebalancing activity“, so Loughridge wörtlich. Die erfolgreiche Markteinführung neuer Hardware-Produkte dauere aber wohl länger als ursprünglich gedacht. „Workforce Rebalancing“ ist der IBM-Jargon für Entlassungen. Hierfür kalkuliert man „Restrukturierungskosten“ von etwa 1 Mrd. Dollar ein.

Weiterer Grund für das Schwächeln der STG: Das Geschäft mit Power Systems brach regelrecht ein. Bei 32 Prozent weniger Umsatz sei es kein Trost, dass IBM trotzdem Marktanteile gewonnen habe, so Loughridge. Als Ursachen nannte er Rückgänge beim „High Performance Computing“ (nach einem sehr starken ersten Quartal im letzten Jahr) sowie die Folgen der Markteinführung der neuen Prozessortechnologie Power7+. Man sei zwar mit Abstand Marktführer im Unix-Markt. Doch weil der schrumpft, intensiviere man die Anstrengungen, mit der Power-Technologie stärker vom Wachstumsmarkt Linux zu profitieren. Trotz erster Erfolge in China und Europa brauche das Zeit; auch Watson, der auf Power Linux basiert, ist ein Hoffnungsträger.

Von „Competitive Displacements“, also Ablösungen von HP-, Oracle- oder Dell-Servern, war auf dieser Bilanzpressekonferenz erstmals seit Jahren nicht mehr die Rede; 2012 gab es noch fast 1.200 Competitive Displacements, mit einem Umsatzvolumen von über 1 Mrd. Dollar.

www.ibm.de

www.lenovo.com

Webcast zur IBM-Bilanzpressekonferenz

Die Presseinformation zur Bilanzpressekonferenz (englisch)

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