Crownpeak-CEO Ravi Kumaraswami verdoppelt mit E-Spirit die Kundenbasis auf mehr als 400 Unternehmen.
Andreas Knoor, CPO bei E-Spirit: „Unsere kombinierten Ressourcen werden auch mehr Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung und weitere Produktinnovationen schaffen.“
Crownpeak, 2001 gegründeter Hersteller von Content-Management-Software (CMS), erwirbt neben der E-Spirit AG mit ihren internationalen Tochterfirmen auch die Rechte am Source-Code des CMS Firstspirit, das – über JDBC-Treiber – auch auf Db2 for i zugreifen kann und im klassisches SaaS- oder im On-Premises-Modell erhältlich ist. Adesso wird laufende Verträge über Implementierungsprojekte, Wartungs- und andere Dienstleistungen in Verbindung mit Firstspirit fortführen und darüber hinaus auch künftig als „Premier Partner“ von Crownpeak für Firstspirit-Kunden zur Verfügung stehen.
Adesso wurde 1997 in Dortmund gegründet und beschäftigt aktuell in der Gruppe rund 4.500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (nach FTE). Mit dieser Transaktion will sich Adesso weiter auf das Kerngeschäft mit branchenspezifischen IT-Dienstleistungen und -Produkten fokussieren. Der Tochter E-Spirit, die seit dem Jahr 2000 ein branchenübergreifend nachgefragtes Produkt anbietet, eröffnen sich durch den Verkauf an das US-Unternehmen neue Geschäftschancen und Entwicklungsperspektiven, heißt es in der Presseinformation. So verfolge Crownpeak Technology das Ziel, „das Kernprodukt Firstspirit selbst auf dem internationalen Markt thematisch passgenau weiterzuentwickeln“.
Mit der technischen Expertise des Dortmunder CMS-Spezialisten sowie dessen zuletzt vollständig modernisierten Kernprodukt baut Crownpeak die eigene Marktstellung national und international weiter aus. Allerdings bietet Crownpeak auch selbst ein CMS an – und positioniert sich als Anbieter einer Komplettlösung für Digital Experience Management mit über 200 Unternehmenskunden und von cloudbasierten Mietsoftwaremodellen.
Die 1999 als Adesso-Bereich gegründete Firma E-Spirit hat ihren Hauptsitz ebenfalls in Dortmund und ist mit weiteren Niederlassungen in Europa, USA sowie Singapur vertreten. Zu den Kunden gehören BASF, Bosch, Commerzbank, Edeka, Grohe, Geberit, Media-Saturn, Nintendo, Olympus und weitere weltweit agierende Konzerne und Marken.
Firstspirit ist in Java entwickelt, wird für die Serverplattformen Windows, Linux, AIX und Solaris (x86, Sparc) angeboten und ebenfalls als „Digital Experience“-Plattform positioniert. Die Software wird über einen Webbrowser oder einen Rich-Client bedient und ermöglicht Erstellung und Management von Inhalten und ihre Veröffentlichung in verschiedensten Kanälen, darunter Webseiten, Online-Shops, Intranets und Portale, Extranets, Printpublikationen oder mobile Geräte. Entwicklungsziele waren bisher Anwenderfreundlichkeit und flexible Integration mit E-Commerce-Systemen, Portalen, Back-End-Systemen und Cloud-Anwendungen. Inwieweit die „klar definierte Roadmap“ für das Produkt Gültigkeit behält, wird sich zeigen müssen. Durch ein hybrides CMS, Omnichannel-Marketing-Funktionen und eine KI-gesteuerte Personalisierung können Unternehmen maßgeschneiderte Kundenerlebnisse schaffen.
„Die Akquisition vereint das SaaS-basierte CMS von Crownpeak und andere Best-of-Breed-Angebote – die digitale Qualität, Governance und Datenschutz in die Bereitstellung von Erlebnissen einbinden – mit den Alleinstellungsmerkmalen von E-Spirit, einschließlich inhaltsgesteuerter Commerce-Erlebnisse und Personalisierung auf Basis künstlicher Intelligenz“, schreiben die Amerikaner in ihrer Pressemitteilung.
Dort zitieren sie auch ihren CEO Ravi Kumaraswami: „Dadurch verdoppelt sich auch die Kundenbasis von Crownpeak, was unsere Möglichkeiten verbessert, die Bereitstellung digitaler Erlebnisse auf der 1-zu-1-Ebene und in größerem Umfang zu transformieren. Mit unserem talentierten und erweiterten Team, führenden Technologien und einem wachsenden Partnerkanal freuen wir uns darauf, mehr Unternehmen dabei zu helfen, schneller zu werden und mehr zu schaffen.“ Und Andreas Knoor, CPO bei E-Spirit: „Unsere kombinierten Ressourcen werden auch mehr Möglichkeiten für Forschung und Entwicklung und weitere Produktinnovationen schaffen. Mit unseren leistungsstarken Technologien, einem umfangreicheren weltweiten Support und flexiblen Hosting-Modellen können Unternehmen die Geschwindigkeit und die Ergebnisse der Bereitstellung digitaler Erlebnisse verbessern.“
Ob der Verkauf von E-Spirit aber wirklich allein strategischen Überlegungen geschuldet ist, scheint fraglich, denn das Geschäft mit Firstspirit blieb zuletzt hinter den Erwartungen zurück. Im Geschäftsbericht 2019 wurde das „auf den Marktwandel vom Lizenz- zum SaaS-Geschäft, aber auch mit einem höher als erwarteten Investitionsaufwand in die neue Produktgeneration begründet“. Seinerzeit gab es auch einen bemerkenswerten Wechsel an der Spitze der E-Spirit AG: Jörn Bodemann, der am 26.Oktober 1999 gemeinsam mit Stefan Walgenbach in Zusammenarbeit mit dem IT-Dienstleister Adesso in Dortmund die The E-Spirit Company GmbH gegründet hatte, übergab im Juli 2019 seine Aufgaben an Andreas Knoor, der bereits seit 1999 im Unternehmen ist und 2016 zum Chief Operating Officer (COO) avanciert war.
Hinzu kommt, dass die 2012 in Boston gegründete E-Spirit Inc. aus verschiedenen Gründen tiefrote Zahlen schreibt. Die Kosten des Markteintritts, vor allem die Investitionen in den Aufbau von Strukturen und Kundenbestand sowie die in den USA höheren Risiken der juristischen Inanspruchnahme von Produktherstellern als in Deutschland, schlugen mit einem Verlust zu Buche, der für die Jahre 2011 bis 2019 mit 11,3 Mio. Dollar beziffert wird. Auch diese Verlustquelle könnte Crownpeak stopfen, denn auf dem US-Markt hat dieses Unternehmen ein Heimspiel.
Bildquelle: Pixabay, Crownpeak Technology, E-Spirit