IBM renoviert den Flash-Speicher mit Blick auf hybride Multi-Cloud

Flash und das Kiss-Prinzip

IBM eliminiert zwei seiner Nicht-Mainframe-Speicherproduktfamilien – Storwize und den Flash-Speicher A9000 – und ersetzt beide durch eine neue Flashsystem-Familie. Die beiden inkompatiblen Baureihen werden jetzt durch die drei Modelle Flashsystem 7200, 9200 und 9200R ersetzt. Der Mainframe-Speicher DS8000 bleibt von den Veränderungen ebenso unberührt wie der Elastic Storage Server oder der Cloud Object Storage.

  • Bildquelle: IBM
  • Bildquelle: Pixabay

Das Kiss-Prinzip („Keep it simple, stupid!“) fordert, zu einem Problem eine möglichst einfache Lösung anzustreben. Noch ist das bei Cloud-Speichern nicht der Fall. Insbesondere beim Zusammenspiel unterschiedlicher Speichertechnologien – Tape, Disk, Flash und Memory – hakt es. Vor allen Dingen dann, wenn die Speichersysteme von unterschiedlichen Herstellern stammen.

Deshalb setzt IBM jetzt auf eine neue Familie von Flash-Speichern, die vom Einstieg über die Mittelklasse bis hin zu High-End-Systemen firmenspezifische Hybrid-Multicloud-Speicher ermöglichen sollen. Laut IBM können die neuen Flashsysteme bis zu 18 Mio I/Os pro Sekunde (IOPS) mit einer Latenz von bis zu 70 μs und einer Bandbreite von bis zu 45 GB/s bereitstellen.

Die drei neuen Flash-Speicher 7200 und 9200 bzw. 9200R basieren auf der gemeinsamen Speichersoftwareplattform Spectrum Virtualize, die alle Bereitstellungstypen (Bare-Metal-, virtualisierte, Container- und Hybrid-Multicloud-Speicher) abdeckt und außerdem den im Unternehmen vorhandenen Speicherbestand unterstützt– und zwar unabhängig davon, ob diese Speichersysteme von IBM oder vielen anderen Anbietern stammen.

Inkompatible Speicherbaureihen ablösen

Bisher war es bei IBM so wie bei allen anderen wichtigen Speicheranbietern: Sie verfügen über mehrere inkompatible Speicherbaureihen, die auf den Nicht-Mainframe-Markt ausgerichtet sind; Mainframe-Speicher bieten außer IBM auch noch Dell, Oracle, Fujtsu oder Hitachi an. Dell Technologies zum Beispiel hat im Nicht-Mainframe-Bereich neben seinen Unity-, SC-, Powervault-, XtremIO- und Vmax-Linien zusätzlich separate Baureihen für unstrukturierten Speicher, während HPE die Nimble-, 3PAR- und die neuen HPE Primera-Linien anbietet.

Um die Speicherinfrastruktur zu vereinfachen, werden nun laut IBM mehr als 500 Speicherprodukte verschiedenster Hersteller unterstützt. Außerdem funktionieren die neuen Flash-Systeme mit einer Vielzahl von Betriebssystemen – natürlich IBM i, aber auch mit Windows Server 2008 und 2012, Linux und AIX sowie Host-Bus-Adaptern (HBAs) und SAN-Fabrics.

Die neue Flash-Familie selbst soll ebenfalls radikal vereinfacht worden sein, heißt es bei IBM. Ziel sei eine einzige Plattform zu schaffen, mit der sich die Komplexität der Speicherinfrastruktur reduzieren lässt, um einen Beitrag zur Kostensenkung in hybriden Multi-Cloud-Umgebungen zu leisten. Ganz nebenbei bemerkt spielt auch die seit zehn Jahren bewährte Marke Storwize künftig keine Rolle mehr.

Goodbye Storwize

Im Mittelpunkt des Marketing stehen nun „eine außergewöhnliche Datenverfügbarkeit“ von „sechs Neunen“ für alle Preisklassen, Replikation mit zwei und drei Standorten, standortübergreifende Hochverfügbarkeitskonfigurationen und die Option für eine garantierte Datenverfügbarkeit von 100 Prozent in Verbindung mit Band- und Cloud-Air-Gap-Kopien, Malware-Erkennung und anwendungsbezogenen Snapshots – für eine zuverlässige Cyber-Resiliency.

Die neue Flashsystem-Familie basiert auf Flashcore-Modulen (FCMs) mit 38,4 TB nutzbarer Kapazität (doppelt so viel wie beim bisher größten Storwize-Modul) sowie Datenkomprimierung und FIPS-140-2-zertifizierter Data-at-Rest-Verschlüsselung. Mit diesen neuen FCMs unterstützt IBM maximal 4 Petabyte Daten in 2 Rack-Units (2U). Diese neuen FCMs sind auch als Upgrades für die frühere Flash-Array-Generation von IBM erhältlich: Das Flashsystem 9100 und Storwize V5100 und V7000 Gen3.

  • Das Flashsystem 5000 soll moderne Technologien wie künstliche Intelligenz für Unternehmen jeder Größenordnung wirtschaftlich machen. Es bildet den Einstieg in die Familie der Flashsystem-Speicher, mit den beiden All-Flash- und Hybrid-Flash-Modellen 5010 und 5030 (bisher bekannt als Storwize V5010E und Storwize V5030E), die jetzt mit dem neuen FCM ausgestattet werden können, sowie dem Modell 5100 (früher Storwize V5100). Hier handelt es sich um ein Rebranding.

  • Das Flashsystem 7200: End-to-End-NVMe- und Hybrid-Multicloud-Funktionen in einem System, das für Enterprise-Bereitstellungen mittlerer Reichweite konzipiert ist. Das Modell 7200 unterstützt als Nachfolger der Modelle V900 und V7000 sowohl Scale-up mit Erweiterungsgehäusen als auch Scale-out mit bis zu 4-Wege-Clustering und bietet mit maximal 18 Mio. IOPS mit 55 Prozent mehr Durchsatz (maximal 128 GB/s) eine um 24 Prozent höhere Leistung als Storwize V7000 Gen3.

  • Das Flashsystem 9200: End-to-End-NVMe in einem System sorgen für das derzeit höchste Performance-Niveau bei IBM-Speichern. Das neue System liefert laut IBM 20 Prozent mehr Leistung als der Vorgänger Storwize 9000 und V9100 mit maximal 18 Mio. IOPS und 180 GB/s pro 4-Wege-Cluster. Die beidem Modelle 7200 und 9200 bieten laut Hersteller eine Latenz von nur 70 μs – und sind damit zu einem niedrigeren Listenpreis doppelt so schnell wie Storwize.

  • Das Flashsystem 9200R (das „R“ steht für Rack) wurde als Nachfolger des Modells A9000R für Kunden entwickelt, die ein von IBM erstelltes, getestetes und vollständig konfiguriertes Speichersystem benötigen, das nach firmenspezifischer Installation und Konfiguration zusammengebaut geliefert wird.

Die Produktlinien Storwize und A9000 sollen noch bis November angeboten und bis Dezember geliefert werden. Kunden können die Kapazität und den Speicher ihrer vorhandenen Storwize- und A9000-Systeme bis Ende 2021 aufrüsten; diese Systeme werden noch bis Dezember 2024 unterstützt.

Genaue Angaben zu den Preisen der neuen Produkte macht IBM noch nicht; eine Einstiegskonfiguration des Modells 5000 soll 16.000 Dollar kosten, das voll konfigurierte Topmodell 9200R siebenstellige Beträge. Die Systeme sollen beim Preis/Leistungs-Verhältnis jedoch deutlich günstiger als ihre Vorgänger sein.

Nach ersten Angaben sind die Modelle 7200 und 9200 zwölf Prozent günstiger als die Vorgänger Storwize V7000 und Flashsystem 9150, der Storage Volume Controller in der Ausprägung „Entry Engine“ sogar 25 Prozent. Laut Eric Herzog, Chef des Speicher-Marketing der IBM, bietet das neue Flashsystem 9200 die drei- bis vierfache Leistung und die 17-fache Rack-Dichte der A9000, sei allerdings je nach Konfiguration 40 bis 60 Prozent günstiger.

Bildquelle: Pixabay, IBM

©2020Alle Rechte bei MEDIENHAUS Verlag GmbH

Unsere Website verwendet Cookies, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Durch die weitere Nutzung der Seite stimmen Sie der Verwendung zu. Weitere Infos finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

ok