Heiße Nadel regiert die Power8-Ankündigung

Fünfmal Power für die Big-Data-Cloud

Nachdem das Hardware-Geschäft wegzubrechen droht, hat IBM offenbar mit großer Eile die Ankündigung der neuen Servergeneration auf Basis des Power8-Prozessors vorgezogen. Bei der offiziellen Ankündigung gab es gestern kaum Benchmarks zur Leistungsbeschreibung, dafür aber bereits Preise. Vorgestellt wurden fünf Modelle am unteren Ende des Leistungsspektrums, von denen gleich drei für den Betrieb unter Linux optimiert sind. Ebenfalls neu ist das aktuelle AS/400-Betriebssystem IBM i 7.2, die erste neue Version seit der Power7-Einführung vor vier Jahren.

  • Am Open Innovation Summit in San Francisco stellten die beiden IBM-Manager Tom Rosamilia (links, Chef der Hardware-Sparte 'Systems and Technology Group') und Doug Balog (General Manager Power Systems) die neuen Power8-Server vor.

  • Die beiden IBM-Ingenieure Andrew Geissler und Adriana Zobylak arbeiten im Rechenzentrum am neuen Power8-Stack; hier im Bild heißt das Modell S824 übrigens noch – wie nach der bisherigen Nomenklatur erwartet – Power 840.

  • Der Power8-Chip ist etwa 2,5 Quadratzentimeter groß und beherbergt mehr als vier Milliarden mikroskopisch kleine Transistoren oder Schalter.

  • Das Modell S824 bietet zwei Prozessorsteckplätze (für bis zur 24 Cores) und belegt vier Höheneinheiten im Rack; es ist wie der kleine Bruder S814 auch klassisch als Tower-Modell erhältlich.

Fünf neue Servermodelle im Einstiegsbereich hat IBM gestern ebenso angekündigt wie neue Software-Komponenten, darunter neben Systemsoftware auch Anwendungssoftware für die Bereiche Analyse und Virtualisierung.

Im Vordergrund der Ankündigung standen aber nicht mehr die Hardware oder die IBM-Betriebssysteme IBM i und AIX, sondern Linux – Redhat, Suse und erstmals Ubuntu – sowie erste Resultate der im vergangenen August gestarteten Open-Power-Initiative. Die Architektur des neuen Power8-Prozessors mit bis zu zwölf Kernen war bereits auf der Konferenz Hot Chips 2013 vorgestellt worden; demnach kann der Prozessor mit Taktfrequenzen zwischen 2,5 und 5,5 GHz arbeiten.

Erstes White-Box-Power-System-Designs von Google & Co vorgestellt

Parallel zur weltweiten Ankündigung zeigte die Open-Power-Foundation gestern erste White-Box-Server-Details einschließlich eines Entwicklungs- und Referenz-Designs von Tyan; außerdem Firmware-Entwicklungen von IBM, Google und Canonical. Der Software-Stack in diesem White-Box-Design ist vorgesehen für die einfachere Implementierung in Hybrid-Installationen. Google diskutierte sein erstes White-Box-Power-System-Design. IBM wies darauf hin, dass Open-Power-basierte Systeme in Softlayer noch in diesem Jahr bereitgestellt werden. 

Bei all diesem Linux- oder Open-Source-Getrommel geriet die Hardware fast in den Hintergrund. Die neuen Scale-out-Systeme werden als S-Klasse-Server vermarktet und sind für Big-Data-Anwendungen optimiert. Sie basieren auf dem neuen Power8-Prozessor; der zentrale Chip ist etwa 2,5 Quadratzentimeter groß und beherbergt mehr als vier Milliarden mikroskopisch kleiner Transistoren oder Schalter und darüber hinaus mehr als 16 Kilometer an Highspeed-Kupfer-Verkabelung.

„Es gibt nicht länger nur einen ‚One-size-fits-all’-Ansatz zur Scale-Out-Skalierung eines Rechenzentrums“, erklärte Tom Rosamilia, bei IBM Senior Vice President der Systems and Technology Group. Dank der Open-Power-Foundation werde der Power8-Prozessor „ein Katalysator für neue Anwendungen und gleichzeitig eine offene Innovationsplattform.“

Fünf erste Power8-Systeme der S-Klasse

Ab dem 10. Juni gibt es zwei neue Power-Systeme der S-Klasse, auf denen ausschließlich Linux läuft - die Modelle S812L und S822L. Die beiden ebenfalls neuen Power-Systeme S814 und S824 unterstützen zusätzlich AIX und IBM i; das kleinere Modell S814 ist auch im Tower erhältlich. Das fünfte Modell S822 arbeitet nur mit Linux und AIX.

Das vorangestellte „S“ steht kurz für „Scale-Out“; die leistungsstärkeren Midrange- und Highend-Modelle werden dem Vernehmen nach in der Klasse „Enterprise“ geführt und durch ein „E“ gekennzeichnet; bei der Klasse Scale-up hätte der Anfangsbuchstabe zu Verwirrung geführt. So beschreibt das Kürzel S8 die neue Serverklasse, die folgende Ziffer die Anzahl der Prozessorsteckplätze (Sockel), die letzte Ziffer die Höheneinheiten des Gerätes. Steht ein L dahinter, handelt es sich um ein lupenreines Linux-System, das nicht über den AIX- und IBM-i-Mikrocode verfügt und daher günstiger angeboten wird. Preislich bewegen sich die Modelle zwischen knapp 8.000 Dollar für das Linux-Modell 812 und 150.000 Dollar für ein voll konfiguriertes Modell S824.

Das Modell S812L ist zwei Höheneinheiten groß und fasst einen Prozessorchip mit zehn Kernen, das Modell S814 einen Power8-Chip mit maximal acht Cores (eine 4-Core-Variante ist für das 2. Halbjahr avisiert). Beide können mit 512 Gigabyte Hauptspeicher ausgerüstet werden, die drei 2-Sockel-Modelle sogar mit einem Terabyte. Das Modell S824 ist in Varianten mit 6 bis 24 Cores erhältlich. Wie schnell die Prozessoren getaktet sind, blieb ebenso noch offen wie viele technische Details, mit denen frühere IBM-Ankündigungen prall gefüllt waren. In einem Benchmark ist das Modell S822L mit 3,0 GHz getaktet, heißt es in der Presseinformation; in einem anderen Benchmark das Modell S824 mit 3,92 GHz. Weitere Leistungsvergleiche mit den aktuellen Power7-Modellen fehlen noch.

Update: Offenbar wird der Power8-Chip in verschiedenen Varianten eingebaut. Darunter sind nach Informationen von DV-Dialog ein Prozessor-Chip mit 6 Cores und 3,02 GHz oder 3,89 GHz Taktrate, ein 3,72 GHz oder 4,15 GHz schneller 8-Core-Chip, ein 3,42-GHz-Prozessor mit 10 Cores und ein mit 3,02 oder 3,52-GHz getakteter Prozessor mit 12 Cores. Damit wäre das Power8-Modell S824 nicht so schnell getaktet wie eine 740, die ebenfalls über zwei Sockel verfügt, wahlweise bestückt mit 6- oder 8-Core-Chips und 3,6 oder 4,2 GHz Taktrate.

Allerdings bietet das Modell 740 mit nur zwei Höheneinheiten relativ wenig Platz für einen Server, der die komplette IT eines Mittelständlers betreiben soll. Das ändert sich jetzt mit der verdoppelten Bauhöhe des Modells S824 (auch beim kleinen Bruder S814), so dass zum Beispiel Platz ist für bis zu zwölf interne Plattenlaufwerke. Außerdem wird die aktuelle Standardschnittstelle PCI-Express 3.0 für den Peripherieanschluss unterstützt.

Aus den USA liegen auch erste CPW-Ratings vor. Nach unbestätigten Informationen leistet das Modell S814 zwischen 59.500 and 85.500 CPW, der große Bruder S824 zwischen 72.000 and 230.500 CPW. Zum Vergleich: Die aktuellen Power7+-Varianten des Mittelstands-Klassikers 720 leisten zwischen 28.400 und 56.300 CPW, das Modell 740 wird von IBM je nach Konfiguration mit 49.000 bis 120.000 CPW eingestuft. Der Einstieg in die AS/400-Welt läge dann bei einer Maschine mit etwas mehr als der Leistung eines voll ausgebauten Modells 720.

Bei Datenanalysen bis zu 50-mal schneller als x86-Systeme

Entworfen sind die neuen Server laut Ingolf Wittmann, Technischer Direktor bei IBM, für den Betrieb mit Auslastungen zwischen 80 und 90 Prozent, was er als klaren Vorteil gegenüber der x86-Architektur wertet. Ersten Benchmarks zufolge sind die neuen Systeme bei Datenanalysen bis zu 50-mal schneller als x86-basierte Systeme. Benchmarks und Leistungsvergleiche mit aktuellen Power7-Modellen fehlen allerdings noch. Größere Scale-Up-Modelle folgen gegen Ende des Jahres; erste Kundeninstallationen wird es wohl erst Anfang 2015 geben.

„S-Class-Server definieren die Wirtschaftlichkeit der heutigen Rechenzentren neu - inklusive Flächenbedarf, Stromversorgung und Kühlung“, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: „IBM garantiert eine Workload-Performance bei 65 Prozent auf seiner gesamten Palette von S-Class-Servern, was den Branchendurchschnitt übertrifft. Mit dem doppelten Datendurchsatz im Vergleich zu den aktuellen x86-basierten Commodity-Systemen können S-Class-Server dabei helfen, den Flächenbedarf von Rechenzentren annähernd zu halbieren.“

Neben etlichen Neuerungen bei der AIX- und PowerVM-Software und dem neuen Linux-Hypervisor KVM gibt es auch viele News für AS/400-Anwender, allen voran die neue Betriebssystemversion IBM i 7.2, ein Update für PowerHA Systemmirror für i (zur Verkürzung der Failover-Zeiten und Minimierung der Operator-Eingriffe) sowie das neue PowerHA Express für i (mit vollständigen System-Hyperswaps für kontinuierlich verfügbaren Speicher).

Die neue Power8-Hardware funktioniert auch mit dem Betriebssystem IBM i 7.1, für das erst vergangene Woche der 8. "Refresh" u.a. auch dafür angekündigt wurde. Dem üblichen IBM-Modus zufolge läuft das ältere IBM 6.1 nicht mehr auf dem Power8-Chip. Außerdem läuft Power8 mit den Linux-Distributionen Red Hat Enterprise Linux 6.5, Suse Linux Enterprise Server 11 SP3 und Ubuntu Server 14.04 LTS.

Im Falle von AIX sind die Versionen 6 und 7 für Power8 geeicht; außerdem gibt es die Möglichkeit, die Power8-Server auch im Power7- oder Power6-Modus zu fahren. Das bedeutet zwar den Verzicht auf die technischen Fortschritte der Hardware-Generationen, ermöglicht aber Features wie "Live Partition Mobility" im Verbund mit älteren Servermodellen oder eben auch den Einsatz älterer Betriebssystemreleases wie V5R4.

Neue Betriebssystemversion IBM i 7.2

Zu den wichtigsten Neuerungen im Betriebssystem zählen Sicherheitsfeatures bei der Datenbank für den Einsatz in mobilen Anwendungen und im Social Business, etwa durch rollenbasierte Zugriffsrechte. Ebenfalls neu sind die Erweiterungen des „Single Sign-On“ um die Telnet- und FTP-Authentifizierung mit Kerberos sowie etliche Funktionen im IBM System Navigator für i zur Überwachung und Verwaltung des Power Systems.

Dazu kommt eine „Hub-Funktionalität“ für das Backup mit BRMS, die den Betrieb in verteilten Umgebungen erleichtert. Neue Virtualisierungsoptionen schaffen Flexibilität bei der I/O-Konfiguration, zum Beispiel das Feature „Single Root Input Output Virtualization“ (SR-IOV); damit wird die Nutzung eines Ethernet-Adapters für mehrere Partitionen möglich, ähnlich dem früheren „Integrated Virtual Ethernet“ (IVE) auf Power6-Servern.

IBM kündigte neben den neuen Systemen auch drei neue Big-Data- und Analytics-Lösungen an, die allerdings auf AIX basieren und Daten in Echtzeit produktiv zu nutzbar machen sollen. Die neue IBM Solution for Analytics erlaubt beispielsweise durch die Integration mit Cognos, SPSS und BLU-Beschleunigung eine kognitive Interpretation von Daten.

www.ibm.com/systems/power/announcement.html

www.openpowerfoundation.org

Bildquelle: IBM / Monica Davey / Jack Plunkett

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