Jürgen Richter, Inhaber der Unternehmensberatung Catalyso
Auch heute noch führen IT-Abteilungen fernab der Fachbereiche ein Eigenleben als technische Einsiedler. Teilweise haben sie nichts mit den Bedürfnissen der Prozessabläufe zu tun, teilweise fühlen sie sich nicht verantwortlich, diese wirklich zu unterstützen oder gar voranzubringen.
Die IT fungiert dann als reiner „Provider“ von Software und Infrastruktur – Anwender und IT-Fachleute treffen auf wechselseitiges Unverständnis. Bestenfalls funktioniert in solchen Umfeldern die IT, schlimmstenfalls ist sie Bremser der Entwicklung, in keinem Fall Treiber. Typisch in solchen Situationen sind ständige Klagen der Fachbereiche über mangelnde IT-Unterstützung und Rufe nach neuer Software. Symptomatisch ist die ständige Überforderung der IT mit dieser Situation – und der Mangel an Ressourcen, um Herr der Lage zu werden.
Einerseits sprechen wir von Digitalisierung. Andererseits werden Menschen zu IT-Leitern, die zwar technisch qualifiziert, aber keine Führungskräfte sind. Sie sind nicht in der Lage, unternehmerische Entscheidungen operativ umzusetzen, geschweige denn im Sinne einer Unternehmensstrategie vorauszudenken und zu handeln. Unterstrichen wird dies durch die Einordnung der IT-Leiter unterhalb der zweiten Führungsebene.
IT, die Unternehmen wirksam unterstützt, muss in erster Linie als Dienstleister die Unternehmensstrategie umsetzen. Dazu muss das IT-Team sowohl das Unternehmen als auch seine Einordnung in den Markt verstehen. Es muss vorausdenken, deshalb entlang der operativen Organisation aufgestellt sein und für jede operative Funktion ein unterstützendes Pendant anbieten. Dazu braucht die IT-Abteilung einen Kopf, der im Sinne des Unternehmens denkt – und der dabei vom Topmanagement nicht nur unterstützt wird, sondern permanent aktiv mit ihm zusammenarbeitet.