ERP-Systeme IBS ASW & Pharma gehen, die Power-Plattform bleibt

Galexis mitten im Umstieg auf SAP

Der Schweizer Pharmagroßhändler Galenica wächst kontinuierlich. Damit wachsen auch die Herausforderungen für seine Logistiktöchter Galexis und Alloga. Deshalb hat sich der langjährige AS/400-Anwender Galexis entschieden, seine ERP- und Lagersoftware bis 2021 durch die SAP-Systeme S/4 und EWM – kurz für „Extended Warehouse Management“ – auf der In-Memory-Plattform Hana abzulösen. Mit SAP, der Hana-Basis Linux und den bewährten Power-Systemen sollen die Geschäfts- und IT-Vorgänge besser in Einklang gebracht werden.

  • Bildquelle: Galexis

    Der Zeitplan sieht eine schrittweise ERP-Umstellung und den Parallelbetrieb beider Anwendungswelten vor.

  • Bildquelle: Galenica

    Ein Blick in das Lager von Galenica

1927 von 16 Westschweizer Apothekern als Einkaufszentrale für Pharmaprodukte gegründet, erzielte Galenica im Jahr 2018 mit einer 6.580 Köpfe starken Belegschaft 3,165 Mrd. Schweizer Franken Umsatz. Die Tochter Galexis AG übernimmt die Distribution von Pharmaprodukten und Medizinaltechnik und erbringt IT-Dienstleistungen für ihre Schwesterfirma Alloga, einen der führenden Logistikdienstleister auf dem Schweizer Gesundheitsmarkt.

Der Großhändler Galexis mit dem Hauptsitz in Niederbipp versorgt Apotheken, Arztpraxen, Drogerien, Pflegeheime und Krankenhäuser in der Schweiz mit einer breiten Palette an Produkten. Das Unternehmen betreibt zwei Lager zur Verteilung von über 100.000 Produkten. Der dem Großhandel vorgelagerte Geschäftsbereich der Gruppe wird von Alloga abgedeckt und stellt für Galexis und andere Lieferanten im Gesundheitswesen Lieferkettenlösungen bereit.

Das laufende Migrationsprojekt „Modulo“

Galexis hat sich 2016 für eine Umstellung der ERP-Systeme von Iptor (früher IBS) auf die neueste Generation der SAP-Software entschieden. Diese Transformation kann nur schrittweise erfolgen und muss den Support der Altsysteme gewährleisten; deshalb wird die bereits 2017 begonnene Umstellung der Systeme auch erst im Jahr 2021 abgeschlossen, wenn alles planmäßig läuft. Im Geschäftsbericht 2018 heißt es: „Das laufende Projekt ‚Modulo‘ zur Umstellung auf ein neues ERP-System (Enterprise Resource Planning) von SAP wurde im Berichtsjahr ebenfalls weiter vorangetrieben.“

Bisher sind zwei ERP-Systeme von Iptor (früher IBS) auf Power-Systemen mit dem Betriebssystem IBM i im Einsatz. Dabei handelt es sich für Galexis um das Pharma-Release 5.0 mit vielen Anpassungen und für Alloga um ASW. Abgelöst werden diese Systeme und zugehörige Kommunikations- und Logistikanwendungen durch SAP-Software, die gemeinsam mit dem Technologiepartner ITpoint Systems und dem SAP-Spezialisten Teamwork Implementiert wird. Diese Anwendungen sind für die fristgerechte Lieferung von mehr als 400.000 Artikeln (ca. 130.000 Auftragspositionen) pro Tag sowie für die Optimierung der Verwaltung und Wartung von Workflows verantwortlich.

 Linux und Power als gemeinsamer Nenner

Ziel des Migrationsprojektes sind modernisierte IT-Landschaften zur Abwicklung der hochspezialisierten Pre-Wholesale- und Wholesale-Distributionsservices für eine „digitale“ Logistik bis zum Kunden. Die Modernisierung der moderne IT lässt sich Galexis einiges kosten; allein im ersten Halbjahr 2017 summierten sich die Investitionen auf 11,1 Mio. Franken, die insbesondere für die neue ERP-Software eingesetzt wurden. Im gesamten Jahr 2017 summierten sich die Investitionen auf 27,0 Mio. Franken (Vorjahr: 20,2 Mio. Franken), wobei die Zusatzinvestitionen gegen über dem Vorjahr vor allem für die neue ERP-Software eingesetzt wurden. Im vergangenen Jahr beliefen sich Galenicas Investitionen in Sach- und immaterielle Anlagen auf 50,0 Mio. Franken, die u.a. für das neue ERP-System im Geschäftsbereich Services und für den Um- und Neubau von Apotheken eingesetzt wurden.

In der IT soll ab 2021 das Anfang Februar 2015 angekündigte SAP S/4 Hana auf dem Suse Linux Enterprise Server (SLES) for SAP Applications und auf Power-Systemen der IBM zum Einsatz kommen, während die IBS-Systeme dann abgeschaltet werden. Diese Umstellung muss auf Gedeih und Verderb gelingen. Das macht Reto Wyss, Teamleiter Core Services bei Galexis, in einem Referenzbericht deutlich: „Wir versenden dreimal täglich an 6.800 Kunden und liefern dabei mehr als 400.000 Artikel – ca. 130.000 Auftragspositionen – aus. Wir können unsere Kunden nur dann zuverlässig versorgen, wenn unsere ERP- und Logistiksysteme laufen. Eine Ausfallzeit von mehr als 30 Minuten bedeutet Verzögerungen und verlorene Umsätze.“ Galexis benötige außer der Zuverlässigkeit der Systeme aber auch die nötige Flexibilität und Performance, um neben dem Tagesgeschäft saisonale Spitzen reibungslos abwickeln zu können.

SAP EWM standardisiert den Logistikbetrieb

Mit SAP EWM soll der Logistikbetrieb standardisiert und modernisiert werden. Außerdem geht es um bessere Verfügbarkeit: Auf Basis von SLES for SAP Applications und einer vollautomatisierten Konfiguration für Hana sollen die Failover-Zeiten um mehr als 50 Prozent auf ungefähr 15 Minuten reduziert werden. Zur Unterstützung des zuverlässigen Betriebs der wichtigsten Systeme vertraut Galexis auf den Priority-Support der drei Hersteller SAP, Suse und IBM. ITpoint betreut als einziger Ansprechpartner von Galexis die IT-Infrastruktur und koordiniert die Anpassung von Anwendungen in Zusammenarbeit mit dem SAP-Implementierungspartner Teamwork.

Zwei gespiegelte Rechenzentren

Bisher wurden die Power-Modelle E880C und E850C – für Produktions bzw. Sandbox-Workloads – in Verbindung mit einem SAN Volume Controller und der Software Spectrum Virtualize installiert und schnelle All-Flash-Arrays als Speicher angeschlossen. Das Team hat bereits etwa 50 LPARs mit SLES für SAP eingerichtet; insgesamt sollen es 66 werden. „Wir haben unsere SAP-Lösungen, Anwendungsserver und Datenbanken auf SLES for SAP Applications konsolidiert, sofern dies auf Basis von Versionsabhängigkeiten von SAP und Suse möglich war“, erklärt Wyss die Vorgehensweise. Man ziehe nun die Bereitstellung von Suse-Manager in Betracht, um all die SLES/SAP-Instanzen und bis zu 180 andere Linux-Systeme auf aktuellem Stand zu halten, die Systemadministration zu standardisieren und den Wartungsaufwand zu reduzieren.

Insgesamt betreibt Galexis mit etwa 85 Mitarbeitern in der IT-Abteilung (Stand Mitte 2018) zwei Rechenzentren mit weitestgehend identischer Bestückung und etwa 1.000 Servern (Stand 2018); RZ1 ist das Produktions-RZ für Galexis und der Spiegel für das Alloga RZ2 – und umgekehrt. Die Hardware-Spiegelung erfolgt synchron mit Metro Mirror (DS8870 PPRC). Die Partitionen sind für eine bessere Ausbalancierung jeweils auf die beiden Rechenzentren verteilt. Das wird sich ändern, weil die Hardware-Bedürfnisse für den SAP-Betrieb mit den aktuellen Anforderungen nicht vergleichbar sind, denn die Struktur der neuen Anwendungen ist völlig anders. Das erfordert nicht nur eine andere Hardware-Infrastruktur, sondern auch eine neue Aufteilung der System-Betreuung auf anderer Basis.

Bildquelle: Galenica / Galexis

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