Interview mit Andreas Strietholt und Roland Müller

Gekonnt auf den Zug der Zeit aufspringen

Gemeinsam haben zwei ausgewiesene Experten für Software-Entwicklung für die Server-Plattform IBM i ein Paket namens plainOne für die nachhaltige Modernisierung von Individualsoftware geschnürt (siehe DV-Dialog 3-4/2023, Seite 6). Dazu befragten wir Andreas Strietholt, Geschäftsführer der Task Force IT GmbH, und Roland Müller, Head of IBM i Software Solutions bei der PKS Software GmbH.

  • Andreas Strietholt, Geschäftsführer der Task Force IT GmbH: „Unser Ziel ist die Bündelung der vorhandenen Kompetenzen, um dem Kunden ein geschlossenes Gesamtkonzept aus einer Hand anbieten zu können.“

  • Roland Müller, Head of IBM i Software Solutions bei der PKS Software GmbH: „Die Abhängigkeit von bestimmten Personen schränkt die Skalierbarkeit und Flexibilität der Anwendung ein.“

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Herr Strietholt, weshalb wirken viele Anwendungssysteme auf IBM i so antiquiert, dass die Akzeptanz in der Belegschaft schwindet?

Andreas Strietholt: Oftmals ist es so, dass der gesamte Software-Entwicklungsprozess seit gefühlt dreißig Jahren nicht mehr optimiert wurde und heute noch genauso gearbeitet wird wie in den 90er Jahren. Wer heute noch mit der Tool-Suite PDM entwickelt, die seit über zwanzig Jahren nicht mehr durch IBM angepasst wurde, hat den Zug der Zeit ganz klar verpasst.

Der Entwickler hat das große Problem, dass er keine klare Übersicht über die Objekt- und Source-Stände seiner Anwendungen hat und somit oftmals im trüben entwickeln muss, was sehr zeitintensiv und auch fehleranfällig ist. Ohne systematische Archivierung kann er für das Unternehmen auch keinerlei Revisionssicherheit erreichen, was ein wichtiger Aspekt für eine moderne Entwicklungsstrategie ist. Verschärft wird diese Problemsituation noch durch die Tatsache, dass folglich keine Prozess-Sicherheit im Deployment vorhanden ist.

Dies ist ein Artikel aus unserer Print-Ausgabe 5-6/2023. Bestellen Sie ein kostenfreies Probe-Abo.

Entwickler-Ressourcen sind im Allgemeinen sehr knapp. Diese Lage verschlechtert sich mehr und mehr, da zu wenig in die Ausbildung investiert wird und es nicht die dringend notwendigen Nachfolger gibt. Dieser seit Jahren erkannter Generationskonflikt verschärft sich noch weiter, da zeitnah viele Entwickler in den wohlverdienten Ruhestand wechseln. 

Roland Müller: Häufig fehlt eine ausreichende Dokumentation der Anwendungssysteme, was dazu führt, dass das Wissen über die Funktionalitäten und Abläufe nur in den Köpfen einzelner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorhanden ist. Dadurch entsteht eine Abhängigkeit von bestimmten Personen, die die Skalierbarkeit und Flexibilität der Anwendung einschränkt. Außerdem erschwert dies die Einarbeitung neuer Anwender oder Entwickler.

Das manuelle Anlegen von Sicherungskopien und Duplikaten kann zu Ineffizienzen und erhöhtem Aufwand führen. Sind keine automatisierten Prozesse oder einheitlichen Verfahren für die Sicherung und das Management von Daten und Anwendungen vorhanden, steigt das Risiko von Fehlern, Datenverlust und unnötigem Arbeitsaufwand. Dies kann zu Frustration in der Belegschaft führen und die Akzeptanz der Systeme beeinträchtigen. Es ist wichtig, diese Herausforderungen anzugehen, um die Akzeptanz in der Belegschaft zu steigern und die Effizienz der Systeme zu verbessern. 

Sind diese Defizite auch eine Ursache, wenn immer mehr „Wildwuchs“ und Intransparenz in der IT entsteht?

Müller: In der Tat gibt es verschiedene Faktoren, die zu dieser Situation beitragen können, und Zeitmangel ist einer davon: Die moderne Geschäftswelt ist geprägt von einem hohen Wettbewerbsdruck und einer ständig steigenden Nachfrage nach innovativen Features und Lösungen. 

Gleichzeitig wird viel Zeit damit verbracht, festzustellen, welche Artefakte für eine Änderung relevant sind und welche nicht. Dadurch bleibt immer weniger Zeit für eine gründliche Projektplanung, was wiederum zu Fragmentierung und Unklarheiten führen kann. Unternehmen sehen sich außerdem immer strengeren gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen gegenüber. Diese erfordern aufwendige Prozesse, um Compliance zu gewährleisten. 

Wie kann es überhaupt zu solchen Missständen in der IT kommen?

Strietholt: Die permanente Weiterentwicklung der Mitarbeiter wird oftmals vernachlässigt, obwohl renommierte Unternehmen ständig aktuelle Schulungen anbieten. Es läuft ja alles – und warum soll man dann in Weiterbildung und aktuelle Tools investieren. Langfristig gesehen ist diese Strategie dann oft sehr schmerzhaft und auch teuer für die Unternehmen. Ebenso wird auf Informationsveranstaltungen auf aktuelle Trends und Tools hingewiesen, aber diese werden viel zu wenig genutzt. Zu guter Letzt kommt es zur Abwanderung der Mitarbeiter zu anderen Unternehmen, die bereits moderne Entwicklungskonzepte einsetzen.

Müller: Die Entwickler jagen mit einem gewissen „Tunnelblick“ den stetig wachsenden Anforderungen hinterher. In einigen Fällen mag das Management die Überlastung der Teams nicht als dramatisch empfinden und erkennt den so stetig wachsenden Anforderungsstau zu spät. Dies kann dazu führen, dass strategische Entscheidungen zur Verbesserung der Situation nicht rechtzeitig getroffen werden.

Vor welchen Problemen steht ein Entwicklerteam bei der Einführung eines zeitgemäßen Tool-Sets und effizienter Entwicklungsmethoden?

Müller: Der Markt bietet eine Vielzahl nützlicher Open-Source-Tools, die bei der Lösung akuter Probleme helfen können. Die Herausforderung liegt jedoch darin, die passenden Tools auszuwählen. Es erfordert Zeit und Ressourcen, um die verschiedenen Optionen zu evaluieren, die Funktionen und Eigenschaften der Tools zu verstehen und ihre Eignung für die spezifischen Anforderungen des Entwicklerteams zu bewerten.

Die Entwicklerteams müssen die Tools in ihre bestehende Infrastruktur integrieren, Anpassungen vornehmen, Schnittstellen entwickeln und sicherstellen, dass die Tools reibungslos mit anderen Systemen und Prozessen interagieren. Dies erfordert Fachkenntnisse und Ressourcen, die möglicherweise nicht sofort verfügbar sind. Um diese Probleme zu bewältigen, ist eine sorgfältige Planung und Vorbereitung entscheidend. Eine gründliche Evaluierung der verfügbaren Tools, basierend auf den spezifischen Anforderungen des Entwicklerteams, kann helfen, die richtigen Optionen auszuwählen.

Strietholt: Als gemeinsame Basis zur Integration von DevOps ist RDi eine sehr gute Wahl, denn hier lassen sich herstellerunabhängige Tools einbinden. Jedoch sind hier auch wirkliche Experten gefragt, die sich genau mit diesen Tools auskennen und auch über jahrelang gute Erfahrungen verfügen. Entscheidend ist hierbei auch die gute Integrationsfähigkeit dieser Tools untereinander.  

Und deshalb haben Sie ihre Expertise gebündelt, um ein gemeinsames Lösungspaket anzubieten?

Strietholt: Unsere Unternehmen sind beide schon lange als Experten rund um das Thema Modernisierung auf IBM i bekannt. Das gute Zusammenspiel der beiden eigenständigen Produkte CMOne und eXplain bei gemeinsamen Kunden war letztlich der Trigger, um hier über einen neuen und gemeinsamen Lösungsansatz nachzudenken. Ziel ist dabei die Bündelung der vorhandenen Kompetenzen, um dem Kunden ein geschlossenes Gesamtkonzept aus einer Hand anbieten zu können. 

Diesem Konzept haben wir dann den Namen plainOne gegeben. Dahinter stehen die beiden mit bidirektionalem Interface verbundenen Produkte CMOne und eXplain, angereichert durch die Manpower des Exptertenteams der PKS.

Dabei konzentriert sich die Task Force auf CMOne und nimmt beim Kunden die Ist-Situation des Deployment-Prozesses auf, analysiert diesen und erstellt daraus ein modernes Konfigurationskonzept. Der neue automatisierte Workflow wird gemeinsam getestet und auf dem Kundensystem letztendlich abgenommen. Darauf erfolgt dann die nur eintägige CMOne Schulung und im Anschluss erfolgt direkt der Live-Start.

Müller: Das speziell für IBM-i-Anwendungen entwickelte Analyse-Werkzeug eXplain bietet Vorteile in der Anforderungsanalyse, also bereits VOR der Codierungs- und Implementierungsphase. Durch eXplain können Kontext und Zusammenhänge einer Anforderung interaktiv und graphisch visualisiert werden, ohne dass der Entwickler manuelle Aufzeichnungen oder aufwendige Quellcode-Analysen durchführen muss. 

Der Entwickler wird so in die Lage versetzt, sich schnell und effizient in der Anwendung zu orientieren. Dadurch können potenzielle Stolperfallen, wie etwa Parameterfehler, nicht geprüfte File-Statuscodes usw., frühzeitig erkannt werden. Dies reduziert die Anzahl der Iterationen, führt zu einer effizienteren Entwicklung, ermöglicht eine gezieltere Planung, reduziert die Anzahl fehlgeschlagener User-Acceptance-Tests und verbessert die Vorhersagbarkeit von Aufwänden und Risiken im Zusammenhang mit den Anforderungen.

Welche Vorteile versprechen Sie mit dem Einsatz von plainOne?

Strietholt: Der Kunde wird von Experten der Task Force und PKS gemeinsam beraten, ein gemeinsamer Lösungsweg mit den richtigen Komponenten wird aufgezeigt und auch diskutiert. Nicht nur die Entwickler der Kunden, sondern auch das Management wird aktiv in diesen Prozess einbezogen, um strategische Entwicklungsstrategien für die Zukunft zu gestalten. Den einmaligen Investitionen stehen mehr als dreißig Prozent Zeit- und somit auch Kostenersparnis in der Entwicklung gegenüber, so dass sich der Return of Invest sehr gut erkennen lässt.

Bevor es zu einer finalen Bestellung kommt, werden die Produkte in einem gemeinsamen Proof-of-Concept beim Kunden zum Testen bereitgestellt. Der Kunde kann somit sehr schnell erkennen, welchen Nutzen er in der täglichen Entwicklungs- und Analyse-Arbeit hat und welche Qualitätssteigerung er sofort erreichen kann. Notwendige Anpassungen können schon im Vorfeld genau analysiert werden und Zeitaufwände zur Realisierung können ermittelt werden. Der Kunde erhält mit plainOne ein Konzept, mit dem er modern aufgestellt ist und eine zukunftssichere Entwicklungstrategie in sein Unternehmen holt.

Müller: Die Nutzung unseres Bundles verbessert die Planungund erlaubt eine frühzeitige Fehlererkennung sowie eine effizientere Umsetzung der Anforderungen. Zusammenhänge und Prozesse werden transparent und greifbar, so dass sich das Team schnell auf das Wesentliche der Anforderung konzentrieren kann. Das Team bekommt dabei eine optimale Unterstützung und Sicherheit, insbesondere bei immer wiederkehrenden und gleichbleibenden Prozessen im Rollout. 

Meine Herren, vielen Dank für das Interview!

Bildquelle: Task Force IT, PKS, Gettyimages / iStock / Thinkstock

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